Panorama

«Das Manöver war brillant»

Unglückskapitän Francesco Schettino erhält Schützenhilfe von seinen Berufskollegen. Vertreter von Passagieren und Angestellten ringen unterdessen um Entschädigung für die Havarie der Costa Concordia.

«Sehr viel mehr Menschen wären gestorben»: Antonino Nubile verteidigt Francesco Schettino. (Video: Reuters)

Spiel gegen die Zeit: Feuerwehrsarbeiter bei einer Evakuierungsaktion am 23. Januar. (Bild: Keystone )

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Kreuzfahrtschiff Costa Concordia verunglückt

Kreuzfahrtschiff Costa Concordia verunglückt
Vor Italien ist das Passagierschiff Costa Concordia gestrandet. Es gibt Tote und Verletzte. Das Schiff droht abzurutschen.

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Gekenterte Costa Concordia zieht Gaffer an

Gekenterte Costa Concordia zieht Gaffer an
Showboating mal anders: Das Wrack des Kreuzfahrtschiffs wird zur Touristen-Attraktion auf Giglio.

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Der Chef der Gewerkschaft der Kapitäne für Langstrecken, Antonino Nubile, nimmt den Kapitän der havarierten Costa Concordia, Francesco Schettino, in Schutz. An einer Pressekonferenz sagte Nubile: «Das Manöver, um das Schiff nach dem Zusammenstoss mit dem Felsen näher ans Ufer zu bringen, war brillant.»

Wäre das Kreuzfahrtschiff weiter draussen auf dem Meer gewesen, wäre es sicher untergegangen, und sehr viel mehr Menschen wären gestorben, erklärte der Gewerkschaftsboss. Kapitän Schettino ist unter anderem der fahrlässigen Tötung angeklagt.

Entschädigung ausgehandelt

Heute wurde auch bekannt, dass die Reederei Costa Crociere mit zwölf italienischen Konsumentenverbänden eine Gesamtentschädigung von 14'000 Euro pro Passagier ausgehandelt hat. Die Hinterbliebenen der Opfer und die Verletzten werden gesondert entschädigt.

Diese Summe für verlorene Wertgegenstände, Gepäck, seelische Beeinträchtigung durch die Havarie und den für die Kreuzfahrt bezahlten Preis liege «über den Entschädigungsgrenzen internationaler Vereinbarungen und der gültigen Gesetze», teilte Astoi Confindustria mit. Wer auf das Angebot eingehe, müsse sich verpflichten, nicht gegen Costa zu klagen.

Die Regelung gelte für rund 3000 Passagiere aus 60 Ländern, teilte die Organisation mit. Die Hinterbliebenen der Opfer und die Verletzten sollen demnach gesondert entschädigt werden. Insgesamt befanden sich rund 4200 Personen an Bord des havarierten Kreuzfahrtschiffes. Bislang wurden 16 Tote geborgen. Über ein Dutzend Menschen werden noch vermisst.

Auch Schweizer entschädigt

Ob und in welcher Grössenordnung die 69 Schweizer Staatsangehörigen, die sich auf dem Unglücksschiff befanden, auf eine Entschädigung hoffen können, ist noch unklar. Der Reiseveranstalter Tui Suisse führt gemäss seinem Sprecher Roland Schmid mit den betroffenen Kunden gegenwärtig eine individuelle Kostenberechnung durch. Erst wenn Klarheit über die entstandenen Kosten herrsche, könnten allfällige Forderungen an die Reederei Costa Crociere getragen werden.

Beim Westschweizer Verband für Konsumentenschutz hiess es am Freitag, es lägen noch keine Anfragen bezüglich einer etwaigen Entschädigungsforderung vor. Dies gelte auch für das Deutschschweizer Pendant, die Stiftung für Konsumentenschutz.

Besatzungsmitglied klagt

Ein früheres Besatzungsmitglied der Costa Concordia hat in den USA bereits Klage gegen die Eignerfirma Carnival eingereicht, wie am Freitag bekannt wurde. Der in Peru wohnhafte Gary Lobaton wirft dem US-Unternehmen in der am Donnerstag in Chicago eingereichten Klageschrift vor, dass die Menschen an Bord nicht rechtzeitig nach dem Unglück am 13. Januar über die Gefahren auf dem Kreuzfahrtschiff informiert worden seien. In der Klageschrift heisst es auch, die Reisenden seien vom Kapitän Schettino «verlassen» worden.

Lobaton zählte zu den mehr als eintausend Besatzungsmitgliedern der Costa Concordia, die am 13. Januar vor der italienischen Insel Giglio auf Grund gelaufen und gekentert war. Die Schadenersatzklage wurde im Namen Lobatons und aller anderen Besatzungsmitglieder und Passagiere in Chicago eingereicht, die sich während der Katastrophe an Bord befanden.

Weitere Klagen in Vorbereitung

Die Konsumentenschutzorganisation Codacons, die an der Einigung nicht beteiligt war, empfahl Passagieren, «diese Almosen» nicht anzunehmen. Der einzige Weg, zu einer angemessenen Entschädigung zu kommen, sei die unter anderem von Codacons angestrebte Sammelklage in den USA gegen den Costa-Mutterkonzern Carnival. Codacons fordert dabei 125'000 Euro für jeden Passagier.

Der US-Sammelklage wollen sich offenbar auch 15 Personen aus Deutschland anschliessen. Deren Anwalt sagte am Freitag gegenüber «bild.de», es gehe dabei um Schadenersatzforderungen von 122'000 Euro für Überlebende sowie 760'000 Euro bei Todesfällen. Ein Rechtsstreit in den USA ist in diesem Zusammenhang attraktiv, weil im dortigen Rechtssystem sehr viel höhere Schadenersatzzahlungen erstritten werden können als in Europa.

Das französische Justizministerium kündigte an, dass sich ein Pariser Gericht mit der Frage der Entschädigungen für die 462 Franzosen an Bord des Luxuskreuzers kümmern werde. (rub/sda/afp)

Erstellt: 27.01.2012, 23:02 Uhr

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17 Kommentare

Giordano Bruni

29.01.2012, 15:11 Uhr
Melden 2 Empfehlung

War vor Jahren regelmässiger Costakunde. Alles lief seriös und professionell ab, unter der Leitung der damaligen Costa Genua, war toll Nach der Uebernahme durch eine amerik. Reederei, stieg der return on investmentumgekehrt proportional zu der Qualität an. Lowcost-Besatzung, Big show, u. sog. "inchinis" gehörten plötzlich zum Tagesablauf, und ich entschied mich für andere teurere Ferienvarianten Antworten


Steve Baumann

28.01.2012, 20:18 Uhr
Melden 3 Empfehlung

für italienische verhältnisse ist das natürlich absolut brillant. als ob diese katastrophe nicht schon schlimm genug wäre wird jetzt noch ein bisschen abgewartet bis der treibstoff dann endlich ins meer fliesst. Antworten


Giordano Bruni

30.01.2012, 06:46 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Der Befehl, die Show nahe der Küste abzuziehen kam von Oben (amerikanische Reederei). Der Schnellturn war die einzige richtige Entscheidung des Kapitäns, um nicht einige Tausend Passagiere dem sicheren Tod auszuliefern. Anlässlich meiner naut. Prüfung konnte ich gerade dort nicht durchfahren....And now: PAY PLS!


Peter Kaegi

28.01.2012, 19:22 Uhr
Melden 8 Empfehlung

Dass Ueberlebende eigentlich riesen Glück hatten, sollte die Einsicht stärken, ein bisschen demütiger zu sein. Was aber überhand nimmt ist eine Zockermentalität mit Sammelklagen und unverschämten Forderungen aus reiner Geldgier. Dass die Angehörigen von Nichtüberlebenden einen gerechten Anspruch auf eine Entschädigung haben, ist sebstverständlich und auch entsprechend vesichert. Antworten


Felix Rothenbühler

28.01.2012, 19:39 Uhr
Melden 8 Empfehlung

Eine möglichst grosse Schadenssumme für die Reederei lässt hoffen, dass sie künftig solch lustige Attraktionen nicht nur rigoros verbietet, sondern das Verbot auch kontrolliert und Übertretungen sanktioniert. Von den Überlebenden Demut zu fordern, ist etwas einfach. Demut würde ich von einem Kapitän erwarten.


peter ess

28.01.2012, 15:28 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Schettino hat wohl den Jahresbeitrag an die Gewerkschaft bezahlt -- und die Gewerkschaft überlegt sich wohl wie sie die kapitalistischen Yankee's für alles verantwortlich machen können - den merke einem italienischen Gewerkschaftsangehörigen trifft niemals eine Schuld. Sie sind auch unter uns ..... Antworten


Bruno Bänninger

28.01.2012, 15:06 Uhr
Melden 11 Empfehlung

Souverän wäre gewesen: 1. Die Navigationssysteme nicht manuell zu übersteuern.
2. die Rettungsboote zu wassern bevor das Schiff in Schlagseite liegt. 3. SOS-Signale aussenden. 4. Auf dem Schiff bleiben bis zuletzt.
So oder so, das Schiff in Küstennähe auf Grund zu setzen war gut. Denn 4000 Pax ab einem sinkenden Schiff innert weniger als 90 Minuten zu retten ist unmöglich.
Antworten


Marco Lardi

28.01.2012, 13:51 Uhr
Melden 4 Empfehlung

In der Schweiz läuft das so, der Veranstalter kassiert pro Passagier die 14`000 Euro, dann wird geschaut wieviel die einzelnen an persönlichen Gegenständen verloren hat und danach ausbezahlt. Der Rest behält der Reiseveranstalter. Somit können die einzelnen Personen mit den Reisekosten plus 500.- für pers.Gegenstände rechnen. Somit erhält der einzelne max 2000.- ChF. Antworten


Rolf Iseli

28.01.2012, 13:18 Uhr
Melden 4 Empfehlung

Wäre der Kapitän und seine Lakaien auf dem Schiff geblieben und hätte er eine geordnete Evakuierung geleitet wäre überhaupt kein Mensch gestorben. Brilliant sind diejenigen die die Passage meistern und sich um der Verantwortung bewusst sind. Antworten


Eugen Huber

28.01.2012, 11:27 Uhr
Melden 12 Empfehlung

Unglücke sind tragisch, gewisse Rechtsanwälte einfach peinlich. Antworten


Rolf Bombach

28.01.2012, 12:14 Uhr
Melden 20 Empfehlung

Unglücke passieren, Unfälle werden gemacht, bitte beachten Sie den Unterschied.


eric berger

28.01.2012, 11:01 Uhr
Melden 18 Empfehlung

Ist doch super.
Wenn ich mit dem Auto fahrlässig einen schweren Unfall mache, meine verletzten Kollegen aber noch aus dem Auto ziehe bevor es brennt, bin ich ein brillinter Typ......
Antworten


Juan Valencia

28.01.2012, 09:55 Uhr
Melden 30 Empfehlung

Was soll der Unsinn? Wäre das Schiff weiter draussen auf dem Meer gewesen, wo es hätte sein müssen, wäre es nicht mit dem Felsen zusammengestossen und demzufolge hätte es auch kein so genanntes brilliantes Manöver gebraucht. Alles wäre, hätte usw. bräuchte es nicht wenn sich der Capitano stinknormal an seine Route gehalten hätte und nicht wie sagte der Hafenkomandant treffend, als Cazo agierte. Antworten


Reto Wehrli

28.01.2012, 08:19 Uhr
Melden 56 Empfehlung

wäre das schiff weiter draussen auf dem meer gewesen, wäre es gar nicht erst zu diesem epischen versagen gekommen! also nicht so zynisch bitte! Antworten


Heiner Müller

28.01.2012, 05:52 Uhr
Melden 18 Empfehlung

In allen Ecken und Winkeln und hinter allen Büschen gibt's Abzocker. Ist wohl ein Naturgesetz.... Antworten


Emil Roduner

28.01.2012, 04:01 Uhr
Melden 38 Empfehlung

Die Passagiere sollen sich von den in den USA genannten Zahlen nicht blenden lassen. Selbst wenn sie vom Gericht gutgeheissen würden, so würden die dortigen Anwälte mindestens einen Drittel der Summe selbst einstreichen. Und es würde vermutlich Jahre dauern, bis die Betroffenen überhaupt etwas davon sehen würden. Antworten


Bruno Froehlich

28.01.2012, 02:44 Uhr
Melden 36 Empfehlung

Das eine hat mit dem andern nichts zu tun und nach einem unverantwortlichen, ueber 4000 Menschen gefaehrdenden Kurs die versuchte "Rettung" als brilliant zu bezeichnen ist absurd. Der Mann ist Kapitaen und hat die Pflñicht in jeder Sekunde an Bord fuer Mann und Maus wie Schiff seine Verpflichtung und berufliche Qualitaet zu beweisen. Antworten



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