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Air-France-Absturz – Mehrere Schweizer an Bord
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Ein Airbus der Air France mit 228 Menschen ist nach Angaben der Fluggesellschaft in den Atlantik gestürzt. Meiden Sie nach solchen Meldungen Flugreisen?
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Mutmassliche Absturzstelle: Sankt-Peter-und-Sankt-Pauls-Felsen.
«Das Flugzeug ist in eine Gewitterzone mit starken Turbulenzen geflogen, die Funktionsstörungen verursacht haben», sagte Air-France-Sprecher François Brousse an einer Pressekonferenz. Der Flug AF447 sollte von Rio de Janeiro nach Paris fliegen.
Eine automatisch abgesetzte Botschaft habe um 4.14 Uhr MESZ eine Panne im Stromkreis gemeldet, sagte Brousse weiter. Die wahrscheinlichste Ursache sei ein Blitzeinschlag. Um 8 Uhr MESZ verschwand das Flugzeug über dem Atlantik plötzlich von den Radarschirmen.
Mit dem Schlimmsten rechnen
«Wir stehen zweifellos vor einer Luftfahrtkatastrophe», sagte der Chef der Fluggesellschaft Air France, Pierre-Henri Gourgeon. An Bord der A330-220 sassen 126 Männer, 82 Frauen, sieben Kinder und ein Baby.
Es gebe kaum noch Chancen, Überlebende zu finden, sagte der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy am Abend in Paris. Air France sprach den Familien der Angehörigen ihr Mitgefühl aus. Auch Airbus äusserte seine Anteilnahme.
Nicolas Sarkozy hat den Absturz als eine «Katastrophe» bezeichnet, «wie sie die Air France noch nie erlebt hat». «Wir stehen einem absolut dramatischen Ereignis gegenüber», sagte er.
Sechs Schweizer an Bord
Unter den mutmasslichen Opfern der Flugzeugkatastrophe über dem Atlantik befinden sich sechs Schweizer Staatsangehörige. Die Zahl von sechs Schweizern unter den 228 Insassen der verschollenen Air-France-Maschine wurde am Sonntagabend sowohl vom Schweizer Aussenministerium in Bern wie auch von der Fluggesellschaft in Paris bestätigt.
Zur Identität der Schweizer Passagiere machte Georg Farago, Sprecher des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), keine Angaben. Das EDA hatte zunächst von vier Schweizern unter den Fluggästen der Unglücksmaschine gesprochen.
Air-France-Generaldirektor Pierre-Henri Gourgeon sagte, es seien zuvor zum Teil höhere Zahlen von Angehörigen einzelner Nationalitäten in Umlauf gebracht worden, da mehrerer Passagiere doppelte Staatsbürgerschaften hätten.
Weiter waren auch 26 Deutsche an Bord. Unter den 228 Passagieren und Besatzungsmitgliedern waren ausserdem 61 Franzosen und 58 Brasilianer, wie Air France mitteilt.
Die Gesellschaft richtete eine Telefon-Hotline ein, die vom Ausland aus unter 0033 157 02 10 55 erreicht werden kann.
Blitz, Bombe, technischer Defekt?
Am Flughafen wurde ein Krisenstab eingesetzt und eine Betreuung für Angehörige eingerichtet. «Wir müssen ernsthaft mit dem Schlimmsten rechnen», sagte der für Verkehr zuständige Umweltminister Jean-Louis Borloo. Die Lage spreche für «die Hypothese eines Unfalls».
Dass die Maschine abgestürzt ist, wurde am Abend kaum noch bezweifelt. Eine Entführung schlossen die Behörden aus, denn «die Maschine hätte irgendwo landen müssen», wie ein Vertreter der Verkehrsministeriums in Paris sagte.
Die Blitzschlag-Theorie überzeugte viele Experten nicht. Am wahrscheinlichsten sei eine «Zerstörung im Flug», sagte der auf Flugzeugunglücke spezialisierte Gerichtsexperte Francois Grangier.
«Ein Blitz kann einer modernen Maschine eigentlich nicht viel anhaben», erklärte Georg Fongern von Weltpilotenvereinigung IFALPA. Die Elektrizität werde über Rumpf und Tragflächen abgeleitet.
Schwierig zu finden
Der Luftfahrtexperte Décio Correia brachte eine Explosion ins Spiel. Der Zwischenfall müsse «sehr, sehr plötzlich» eingetreten sein, weil kein Alarm gegeben worden sei.
«Man kann an eine sehr grosse Panne der Rechner denken, die die Elektrik steuern», erklärte dagegen der Luftfahrtexperte Michel Chevalier. Aber selbst bei totalem Stromausfall könnte das Flugzeug segeln und wassern.
Wenn die Maschine mitten in den Atlantik gestürzt sei, werde man sie kaum wiederfinden, sagte der Luftfahrt-Gerichtsexperte Francois Granquier. Die Mittel dazu seien sehr begrenzt. Die Flugschreiber geben nach einem Absturz Signale ab, die es ermöglichen sie aufzuspüren. Allerdings hängt das von der Wassertiefe ab.
Suche ergebnislos
Der Flug AF 447 sollte ursprünglich um 11:15 Uhr in Paris landen. Die Behörden hatten nahe der Inselgruppe Fernando de Noronha eine Suche gestartet, die jedoch vorerst ergebnislos blieb. Die französischen Streitkräfte suchten nahe der Kapverden nach Spuren des Flugzeugs.
Laut neusten Angaben der brasilianischen Behörden wird die Absturzstelle nun bei den sogenannten Sankt-Peter-und-Sankt-Pauls-Felsen vermutet. Gemäss der Zeitung «O Globo» können die kleinen Inseln nicht von Helikoptern erreicht werden. Dazu liegen sie zu weit vom Festland und auch vom bewohnten Archipel Fernando de Noronha entfernt. Der Meeresgrund ist dort rund viertausend Meter tief.
Um die Gegend abzusuchen, müsste man Helikopter einsetzen, die von Flugzeugträgern aus starten. Doch bis diese Marineeinheiten am Ort eintreffen würden, so «O Globo» dauert es drei Tage. Das erste Rettungsschiff wird am Dienstag an der Unglücksstelle erwartet.
Airbus war nur vier Jahre alt
Der über dem Atlantik verschollene Airbus A330-200 der Air France war vor dem Unglück insgesamt 18'870 Stunden in der Luft, wie die Gesellschaft am Montag mitteilte. Das Flugzeug sei am 18. April 2005 erstmals eingesetzt worden.
Zuletzt sei die Maschine am 16. April 2009 geprüft worden. Der Kommandant des Fluges AF447 hatte laut Angaben von Air France von insgesamt 11'000 Flugstunden 1700 auf dem Airbus A330-200 hinter sich. Auch die beiden Copiloten hatten demnach viel Flugerfahrung.
Der Airbus A330-200 hat eine Reichweite von bis zu 12'500 Kilometern, ist rund 59 Meter lang und hat eine Flügelspannweite von mehr als 60 Metern. Von Paris aus kann das Flugzeug nonstop bis Los Angeles, Buenos Aires oder Singapur fliegen.
Die Unglücksmaschine der Air France war mit Motoren von General Electric vom Typ CF6-80 E bestückt und hatte 216 Passagiere an Bord.
Auch Swiss fliegt mit A330-200
Erstmals flog ein A330-200 1997. Seit April 1998 ist die Maschine zugelassen. Auch die Swiss hat mehrere Maschinen dieses Typs. Sie gehören mit einem Durchschnittsalter von rund sieben Jahren zu den jüngsten Flugzeugen der Swiss-Flotte.
Die Konstrukteure haben den Mittel- und Langstreckenflieger besonders für Nonstop-Flüge zwischen Westeuropa und Afrika, dem Mittleren Osten, weiten Teilen Asiens und Nord- und Mittelamerikas konzipiert.
Beim Start kann die Maschine bis zu 230 Tonnen wiegen, dann sind rund 114'000 Liter Treibstoff an Bord. Das maximale Landegewicht beträgt 180 Tonnen. (bru/oku/sda/ap/)
Erstellt: 02.06.2009, 11:03 Uhr




