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Die Frau, die ihr Leben neu erfand

Von Bruno Kaufmann, Stockholm. Aktualisiert am 01.03.2011

Die fantastische Karriere von Amanda Jacobsen, der Nordeuropa-Chefin von Gate Gourmet, war zu gut, um wahr zu sein. Jetzt wird in Zürich ermittelt.

Erstunken und erlogen: Amanda Jacobsen hat weder sehr reiche Pflegeeltern noch Doktortitel. (Bild: PD)

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Schön, reich, intelligent und erfolgreich. Alles auf einmal. So verkaufte sich die 43 Jahre alte Amanda Jacobsen bis vor wenigen Tagen. Mit grossem Erfolg: Als Herrin über 3000 Mitarbeiter des zweitgrössten Flugmahlzeitenherstellers der Welt befehligte die Dänin das Nordeuropa-Geschäft der ehemaligen Swissair-Tochter Gate Gourmet. Und obwohl das Unternehmen in den letzten Jahren enorme Verluste erwirtschaftete, vermehrte sich das persönliche Vermögen Jacobsens zusehends. So kaufte und renovierte sie sich millionenschwere Liegenschaften an bester Lage in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen und an der Zürcher Goldküste.

Laut Mitarbeitern des Unternehmens, die von der dänischen Wirtschaftszeitung «Børsen» interviewt worden sind, hat Jacobsen ihren Wohlstand mit «sehr reichen schweizerischen Pflegeeltern» erklärt. Anderen gegenüber betonte sie jedoch, mit einer Autoleasingfirma in Schweden zu Geld gekommen zu sein.

Weder das eine noch das andere stimmte: In der vergangenen Woche wurde Amanda Jacobsen von Gate Gourmet fristlos entlassen, nachdem Wirtschaftsprüfer Betrügereien in der Höhe von über 20 Millionen Franken entdeckt hatten

Ist sie aus Israel oder dem Iran?

Recherchen dänischer Medien über das Wochenende zeichnen zudem das Bild einer chronischen Mythomanin, die einen grossen Teil ihres öffentlichen Lebenslaufes frei erfunden hat. Es beginnt bei ihrem Ursprung. Laut eigenen Angaben will Jacobsen im Jahre 1967 in Israel das Licht der Welt erblickt haben. Gemäss den dänischen Einwohnerbehörden stimmt dies jedoch nicht: Sie hätte sich als Iranerin Amanda Ambromasen im Jahre 1995 um die dänische Staatsbürgerschaft beworben.

Noch abenteuerlicher wird es in Bezug auf ihren Bildungsweg: Laut der vom Unternehmen veröffentlichten Biografie verfügt Jacobsen nämlich über sehr umfassende Qualifikationen. Dazu wird ein Masters of Business Administration der französischen Eliteschule Insead gerechnet und ein Doktortitel in «Supply Chain Management» der walisischen Universität von Cardiff. In Kopenhagen will Jacobsen zudem ein Ingenieur-Studium mit Bestnote abgeschlossen haben und anschliessend zwölf Jahre beim weltführenden Beratungsunternehmen McKinsey gearbeitet haben. Eine Überprüfung dieser Ausbildungs- und Karriereschritte, welche die dänische Zeitung «EkstraBladet» durchgeführt hat, macht jedoch deutlich: (Fast) alles ist erlogen.Einzig an der Kopenhagener Universität soll die aufgeflogene Mythomanin kurzzeitig als Studentin eingeschrieben gewesen sein.

Jahrelanger Schwindel

Besonders schwer wiegt, dass die frühere Gate-Gourmet-Chefin ihre falschen Angaben in den letzten Jahren wiederholt schriftlich und mündlich bestätigte. Offenbar glaubte sie am Ende selbst an das von ihr gebaute Luftschloss, in dem es ihr über Jahre gelang, Zahlungen so zu fälschen, dass die Millionen statt auf dem Konto des Unternehmens in ihrem privaten Tresor landeten.

Jetzt wird abgeklärt, ob sich Jacobsen für ihre Vergehen vor Gericht verantworten muss. Die Staatsanwaltschaft III für Wirtschaftsdelikte des Kantons Zürich hat Ermittlungen aufgenommen. Und nach Angaben von Gate Gourmet arbeitet die Firma «vollumfänglich» mit der Untersuchungsbehörde zusammen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.03.2011, 08:25 Uhr

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