Panorama

Die Missen der Drogenbosse

Von Sandro Benini. Aktualisiert am 19.08.2011 9 Kommentare

Schönheitsköniginnen und Fotomodels sind bei Lateinamerikas Drogenmafia beliebte Statussymbole. Und die jungen Frauen lassen sich vom schnellen Reichtum verführen.

Von links: Angie Sanclemente, verhaftet wegen Kokainschmuggels; Emma Coronel Aispuro, die Frau von «Chapo Guzman»; Laura Zuñiga, die Geliebte eines Drogendealers.

Von links: Angie Sanclemente, verhaftet wegen Kokainschmuggels; Emma Coronel Aispuro, die Frau von «Chapo Guzman»; Laura Zuñiga, die Geliebte eines Drogendealers.
Bild: Keystone

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Der Mexikaner Eduardo Caballero Chávez alias «El Charly» hatte immer einen Laptop dabei. Er speicherte darauf Fotos und persönliche Angaben von Schönheitsköniginnen aus Kolumbien, Venezuela, Argentinien und Uruguay. Der reiche Tequila-Hersteller war geradezu süchtig nach Missen und Models. Er sponserte verschiedene Schönheitswettbewerbe in Kolumbien und sass bei der Miss-Uruguay-Wahl in der Jury. Oft lud er die jungen Frauen nach Mexiko ein – angeblich, um ihre Karriere zu fördern. «Der Typ benahm sich seltsam», erzählt eine Miss. «Er umarmte uns, nahm uns ständig bei der Hand, streichelte uns.» Anfang Jahr wurde El Charly verhaftet. Er soll für ein Drogenkartell Geld gewaschen haben.

Heirat mit 18 Jahren

Drogendealer und junge Frauen gehen in Lateinamerika häufig ein symbiotisches Verhältnis ein: Eine attraktive Begleiterin ist für einen Capo genauso ein Statussymbol wie die Luxusvilla oder die Edelkarosse. Dafür bietet er seiner Geliebten weit mehr Glamour und Reichtum, als sie mit dem Gang über Laufstege oder der Teilnahme an Schönheitswettbewerben jemals gewinnen könnte. Auch der mächtigste, reichste, gefürchtetste lateinamerikanische Drogenboss ist der Faszination einer Miss erlegen: Im Juli 2007 heiratete der Mexikaner Joaquín Guzmán Loera alias «Chapo Guzmán» die damals 18-jährige Emma Coronel Aispuro. Der Chef des Sinaloa-Kartells hatte die Tochter seines Untergebenen Ignacio Coronel an einem Fest im mexikanischen Bundesstaat Durango kennen gelernt. Dabei gewann Emma den Titel Miss Kaffe und Guayaba. Zur Hochzeit im entlegenen Dörfchen La Angostura waren lediglich die Familienangehörigen der Braut sowie ein paar Vertraute geladen, darunter Lokalpolitiker, ein Staatsanwalt und ein Richter.

Sechs Monate zuvor jedoch hatte Chapo Guzmán zu Ehren seiner Angebeteten ein glanzvolles Fest gegeben. Zeugen zufolge fuhren 200 schwarz gekleidete, maskierte, bewaffnete Männer im Ort auf. Sie überwachten sämtliche Strassen. Später landeten sechs Kleinflugzeuge. Aus einem stieg ein Mann in Jeans, T-Shirt und schwarzen Turnschuhen. Um seinen Hals hing eine Kalaschnikow. Es war Chapo Guzmán, der Boss der Bosse. Später staunten die Dorfbewohner, wie gut er tanzte.

Models als Kokainkuriere

Manchmal begnügen sich die Schönheiten mit ihrem Status als schmuckes Anhängsel, manchmal entwickeln sie aber auch den Ehrgeiz, selber ins grosse Geschäft einzusteigen. Kurz vor Weihnachten 2008 wurde in der mexikanischen Stadt Guadalajara Miss Sinaloa Laura Zuñiga verhaftet. Sie war mit sieben Männern unterwegs, in den beiden Limousinen ihrer Begleiter fand die Polizei ein Waffenarsenal und 100 000 Dollar in bar. Zuñiga gab zu, die Geliebte des Dealers Ángel García Urquiza zu sein. Sie vermochte die Ermittler aber zu überzeugen, dass sie mit dessen Geschäften nichts zu tun hatte und wurde nach gut einem Monat freigelassen.

Das kolumbianische Model Angie Sanclemente hingegen, ehemalige Königin des Kaffees, gründete eine Organisation, um Kokain nach Europa zu schmuggeln. Sie setzte Fotomodels als Kurierinnen ein und liess sich dabei von einem Mexikaner mit dem Übernamen «das Monster» beraten. Sanclemente wurde schliesslich in Buenos Aires verhaftet. Das kolumbianische Missenbusiness wird jedoch bereits von einem neuen Skandal erschüttert: Die Organisatoren von Miss Colombia haben einer gewissen Laura Cantillo die Teilnahme verweigert. Vor drei Jahren gewann sie einen Wettbewerb, den El Charly organisiert hatte – der missensüchtige Mexikaner.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.08.2011, 06:51 Uhr

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9 Kommentare

Markus Baumgartner

19.08.2011, 07:18 Uhr
Melden 45 Empfehlung

.....und dann heisst es wieder, "sie wurden zu etwas gezwungen" ... diese Hühner !! Antworten


Peter Müller

19.08.2011, 10:25 Uhr
Melden 16 Empfehlung

Bei solchen Frauen ist dies leider so... sie stehen auf sogenannte Bad Boys, Villas, Geld... sei es Berlusconi oder ein Drogenbaron, interessiert niemanden... Übrigens... Auch in Schweizer Clubs bekommt man dieses Phänomen oft zu sehen, die Schönste Frau gehört dem mächtigsten Mann. Schöne Frauen werden so zu Statussymbole, wie ein Luxus Auto. Antworten



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