Panorama
«Die Zustände im Zug waren furchtbar»
Das Schlimmste ist vorbei: Ein Eurostar-Angestellter und eine Passagierin trösten sich. (Bild: Keystone)
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Die Eurostar-Betreiber machten die klirrende Kälte in Nordfrankreich dafür verantwortlich, dass gleich vier Züge bei der Einfahrt in den vergleichsweise warmen Tunnel unter dem Ärmelkanal stehen blieben. Für den morgigen Sonntag wurden allen Eurostar-Verbindungen durch den Ärmelkanaltunnel abgesagt.
Mehr als 2000 Fahrgäste mussten bange Stunden in dunklen und ungeheizten Waggons verbringen, bevor sie evakuiert wurden. Eurostar-Sprecher Paul Gorman sagte, mit Testzügen solle herausgefunden werden, warum die Züge ausfielen. Das Unternehmen hoffe, den Zugverkehr am Montag wieder aufnehmen zu können.
Neben den technischen Problemen mit den hochmodernen Zügen entstand der Betreibergesellschaft ein grosser Imageschaden. Fahrgäste beschwerten sich massiv über mangelnde Betreuung und Hilfe; man habe sie völlig sich selbst überlassen, schimpfte die Reisende Alison Sturgeon. «Die Zustände im Zug waren furchtbar. Wir haben wie Landstreicher auf dem Fussboden auf Zeitungen geschlafen und niemand wusste, was los war.» Nie wieder werde sie mit einem Eurostar-Zug fahren, schwor sie.
Ihr Mann Steven Sturgeon sagte, zwei Londoner Polizisten ausser Dienst hätten den Leuten geholfen, nicht den Mut zu verlieren. Vom Eurostar-Personal habe sich aber niemand blicken lassen. Peinlich berührt bat das Eurostar-Management um Entschuldigung. «Eurostar tut es sehr, sehr leid, dass so viele Fahrgäste letzte Nacht und diesen Morgen in Unannehmlichkeiten waren», sagte Firmenchef Richard Brown. «Wir arbeiten hart daran, die Fahrgäste nach Hause zu bringen. Wir werden ihnen das Fahrgeld voll erstatten und eine weitere Fahrkarte geben.»
Alle Fahrgäste seien sicher aus dem Tunnel evakuiert worden, teilte Eurostar mit. Zwei der liegengebliebenen Züge seien mit Dieselloks nach London gezogen worden. Die Fahrgäste der anderen beiden Züge mussten den Tunnel zu Fuss verlassen. Einige beschwerten sich, dass sie ihr Gepäck selbst tragen mussten.
Stundenlange Staus in Dover und Calais
Auch nach der Evakuierung aus dem Tunnel war die Kälte-Odyssee für etliche Reisende noch nicht vorbei. Mehrere beschwerten sich, dass Eurostar keine Weiterreise für sie arrangiert habe; stundenlang hätten sie auf südenglischen Bahnhöfen auf die Weiterfahrt nach London warten müssen. Eurostar empfahl unterdessen Passagieren späterer Verbindungen, die Fahrt nur anzutreten, wenn dies absolut notwendig sei. Sie könnten ihre Fahrkarten gegen spätere Verbindungen umtauschen oder sich das Geld zurückgeben lassen.
Das Eurostar-Desaster hatte auch für Fahrer, die den Autozug durch den Tunnel benutzen wollten, unangenehme Folgen. In Südengland standen viele zwölf Stunden im Stau; Rot-Kreuz-Helfer verteilten warme Getränke. Die Verkehrsbehinderungen betrafen den Raum Dover und Folkestone ebenso wie Calais in Frankreich. (vin/ap)
Erstellt: 19.12.2009, 22:48 Uhr
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