Panorama

Die halbe Stadt muss zum Gentest

Aktualisiert am 27.12.2010

In einer Kleinstadt im deutschen Bundesland Hessen hat die Polizei ein totes Mädchen aufgefunden. Jetzt lässt sie sämtliche Frauen der Stadt Speichelproben abgeben, um die Mutter zu finden.

Eine von tausenden: Ermittler nehmen im November eine Speichelprobe bei einer Einwohnerin von Bad Vilbel.

Eine von tausenden: Ermittler nehmen im November eine Speichelprobe bei einer Einwohnerin von Bad Vilbel.

Bei der Suche nach der Mutter des toten Babys in Bad Vilbel in Hessen hat ein Massengentest in der ersten Runde keinen Treffer erzielt. Für die über 1.000 Frauen, die sich auf Anhieb freiwillig zu dem DNA-Test gemeldet hatten, sei das Ergebnis negativ ausgefallen, sagte ein Polizeisprecher am Montag auf dapd-Anfrage. Das sei das Resultat eines ersten Abgleichs des Genmaterials mit der DNA der Kindsmutter in einem Speziallabor in Münster.

Die Leiche des neugeborenen Mädchens war am 27. Mai am Niddaufer in Bad Vilbel in einem Müllsack gefunden worden. Das Baby hatte den Angaben zufolge nach der Geburt zunächst gelebt und wurde offenbar erstrickt. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass die Mutter über Ortskenntnisse verfügt und aus der Stadt kommt.

Noch 200 Frauen fehlen

Zu dem Gen-Test waren vor eineinhalb Monaten 1500 junge Frauen zwischen 15 und 25 Jahren aufgerufen gewesen. Mehr als 1000 davon gaben innerhalb einer Woche eine Probe ab. Einige Frauen waren umzogen oder im Urlaub und lieferten das Genmaterial nach. Wer auf den Aufruf gar nicht reagierte, wurde von der Polizei näher ins Visier genommen. «Auch in dieser Woche wurden Frauen aufgesucht», sagte der Sprecher. «Das dauert.» Rund 200 Frauen fehlten noch. Bis Mitte Januar wollen die Beamten damit fertig sein.

Die DNA wird daraufhin ebenfalls ins Speziallabor geschickt. Sollten alle Proben negativ ausfallen, soll der Kreis der Frauen schnellstmöglich erweitert werden. Frühestens im Februar werden die nächsten Kandidatinnen zum Reihentest gebeten. Insgesamt zieht die Polizei in Bad Vilbel eigenen Angaben zufolge rund 5000 Frauen in Betracht. (oku/dapd)

Erstellt: 27.12.2010, 16:30 Uhr

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