Ebola-Fälle halten USA und Spanien in Atem

Drei weitere Ebola-Verdachtsfälle werden in Spanien überprüft. In den USA geht die Suche nach Sicherheitslücken bei der Behandlung von Infizierten weiter.

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In Spanien sind drei an Fieber erkrankte Personen auf eine mögliche Ebola-Infektion getestet worden. Unter ihnen war auch ein aus Afrika angereister Flugpassagier, dessen Maschine vorübergehend am Flughafen von Madrid isoliert wurde. In Washington warfen republikanische Abgeordnete der Regierung Versagen vor. Der Direktor der US-Seuchenschutzbehörde CDC, Tom Frieden, gestand vor Abgeordneten ein, er wisse immer noch nicht, wie sich zwei Krankenschwestern trotz Schutzkleidung angesteckt hätten.

Der Passagier am Madrider Flughafen, der über Fieber und Schüttelfrost geklagt hatte, kam aus Lagos in Nigeria und damit aus einem Land, in dem es bisher nur eine Handvoll Ebola-Fälle gegeben hatte. Er flog mit Air France über Paris weiter, wie die Fluggesellschaft mitteilte.

Die übrigen 162 Menschen an Bord durften das Flugzeug verlassen. Der Mann wurde von einem Fahrer in Schutzkleidung in die Klinik Carlos III. gebracht, in der bereits eine infizierte Krankenschwester unter Quarantäne steht, wie das Gesundheitsministerium mitteilte.

Fieber messen bei Flugpassagieren

Bisher haben sich ausserhalb Westafrikas nur drei Krankenschwestern bei der Behandlung von Ebola-Patienten aus der Epidemieregion angesteckt, eine in Spanien und die beiden in den USA. Alle drei hatten zuvor Ebola-Kranke gepflegt.

Eine weitere Ausbreitung der Seuche wollen die USA und mehrere andere Staaten unter anderem durch Temperaturmessungen bei Flugpassagieren aus Westafrika verhindern. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO dürfte die Zahl der Toten bis Ende der Woche 4500 übersteigen.

Mangelhafte Sicherheitsmassnahmen

EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg sagte, dass auch die Kontrollen bei der Ausreise aus den besonders betroffenen Ländern Liberia, Guinea und Sierra Leone mit Hilfe der EU und der WHO verstärkt werden sollen, sollten sie sich als unzureichend erweisen. Republikanische Abgeordnete in den USA wollen gar ein komplettes Einreiseverbot aus diesen Staaten in den USA.

Die spanischen Behörden behandelten den Passagier aus Lagos ebenso als Ebola-Verdachtsfall wie eine Person, die mit der infizierten spanischen Krankenschwester vor ihrer Aufnahme in die Klinik Kontakt hatte. Auch ein Missionar, der kürzlich aus Liberia zurückkam, meldete sich mit Fieber und kam ins Krankenhaus, wie das Gesundheitsministerium mitteilte.

In den USA war die Debatte über mangelhafte Sicherheitsmassnahmen im Umgang mit Ebola in vollem Gange - auch mit Blick auf die Kongresswahlen im November. US-Präsident Barack Obama verbrachte den Donnerstag im Weissen Haus, um in Gesprächen mit Abgeordneten, Fachleuten und anderen Staatschefs über das weitere Vorgehen gegen Ebola zu beraten.

Vertrauen in das US-Gesundheitssystem

«Die Leben von Menschen stehen auf dem Spiel und die Reaktion bisher war inakzeptabel», sagte Fred Upton, der republikanische Vorsitzende des Ausschusses des Repräsentantenhauses, vor dem CDC-Direktor Frieden und der Leiter des Instituts für Allergie und Infektionskrankheiten, Anthony Fauci, Rede und Antwort stehen mussten. Der Republikaner Tim Murphy erklärte, das Vertrauen in die Regierung und deren Glaubwürdigkeit würden täglich schwinden.

Frieden sagte hingegen, er habe weiter Vertrauen in das US-Gesundheitssystem. «In Zusammenarbeit mit unseren Partnern waren wir in der Lage, jeden vorhergehenden Ebola-Ausbruch zu stoppen und wir werden auch diesen stoppen», sagte er. Gleichzeitig warnte Frieden aber, dass auch die USA bedroht sein könnten, wenn die Epidemie in Westafrika nicht unter Kontrolle gebracht werde.

Die US-Gesundheitsbehörde teilte derweil mit, dass die erste infizierte Krankenschwester, Nina Pham, von Dallas in eine Spezialklinik nach Bethesda in Maryland verlegt werde. Ihr Zustand wurde vom bisher behandelnden Krankenhaus Texas Health Presbyterian Hospital als gut beschrieben. Die zweite Infizierte wird in Atlanta behandelt.

Länder unterschiedlich betroffen

Im Kampf gegen Ebola setzt die EU auf Kontrollen von Fluggästen in den betroffenen Ländern Westafrikas. Die systematische Untersuchung der Fluggästen bei ihrer Ankunft in Europa soll nicht eingeführt werden. Darin waren sich die EU-Gesundheitsminister an ihrem Treffen in Brüssel einig. Auch die Schweiz nahm daran teil.

Die Länder Europas seien jedoch unterschiedlich betroffen, sagte Pascal Strupler, Direktor des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), und verwies auf jene Staaten, die Direktflüge in von Ebola betroffenen Ländern Westafrikas haben.

Dazu gehört etwa Frankreich. Dieses will bei Flugpassagieren von Flügen aus Risikogebieten künftig etwa Fiebermessen. Auch Grossbritannien kündigte solche Massnahmen an. Belgien seinerseits will nochmal über die Bücher gehen. Die EU-Staaten sind frei, solche Massnahmen zu ergreifen.

Die Schweiz hat keine Direktflüge in diese Risikogebiete. Grundsätzlich folge sie den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), sagte Strupler der Nachrichtenagentur sda. Neu sollen jedoch an den Schweizer Flughäfen sowohl Fluggäste wie auch Flugpersonal besser informiert werden, was im Falle von auftretenden Krankheitssymptomen zu tun ist.

Bund sucht Gespräch

«Der Bund wird daher nun das Gespräch mit den Verantwortlichen der Flughäfen Genf und Zürich suchen», sagte der BAG-Direktor. Für den Euro Airport Basel sind hingegen die französischen Behörden verantwortlich.

«Doch bei uns ist die Gefahr einer Epidemie der Angst viel grösser als eine Ebola-Epidemie», beruhigte Strupler. Wichtig sei jetzt, dass die Staaten sich koordinierten. Die Schweiz sei bei den dafür wichtigen Gremien dabei.

Gemäss dem deutschen Gesundheitsminister Hermann Gröhe soll ausserdem geprüft werden, ob die von der WHO koordinierten Massnahmen an den Flughäfen in Sierra Leone, Liberia und Guinea noch verbessert werden müssen.

«Das, was wir jetzt tun, um in Westafrika zu helfen, ist im besten Sinne des Wortes notwendige Hilfe für die Menschen dort aber auch der wirksamste Eigenschutz für die Bevölkerung in Europa», sagte Gröhe gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. (ajk/sda/AFP)

(Erstellt: 16.10.2014, 14:30 Uhr)

Stichworte

Die Angst vor dem Ebola-Virus nimmt weltweit zu. (16. Oktober 2014) (Video: Reuters )

IKRK-Chef kritisiert Umgang mit Ebola

Die Ebola-Krankheit ist für den Präsidenten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) eine «Epidemie von globaler Grösse und Gefahr». «Die Ebola-Krise wird noch zunehmen», sagte er in einem Interview mit dem Portal «Yahoo Nachrichten».

«Noch immer sind keine Impfstoffe vor Ort, es sterben immer mehr Menschen», sagte Maurer. «Damit steigt auch das Risiko einer Eskalation.»

Regional lässt sich die Krankheit laut Maurer nicht eindämmen. «Es ist in unserer globalisierten Welt eine Illusion zu glauben, dass sich solch eine Krankheit lokal begrenzen lässt», sagte er. «Jeder lokale Zusammenbruch eines Systems, wie wir ihn jetzt in Liberia erleben, birgt in sich die Gefahr einer globalen Gesundheitskatastrophe. Genau das riskieren wir gerade.»

«Keine ausreichende Antwort»

Maurer kritisierte die Reaktion der internationalen Gemeinschaft scharf. Die Lage sei anfangs völlig falsch eingeschätzt worden, sagte er. «Bis heute hat man auf diese globale Epidemie nicht ausreichend geantwortet.»

Der IKRK-Präsident rief zu grösseren Anstrengungen auf: «Es gibt viele Ankündigungen. Aber wenn ich meine Kollegen vor Ort frage, was an Hilfe schon angekommen ist, ist das weniger als die warmen Worte. Und vor allem zu wenig im Vergleich zur Geschwindigkeit, in der sich Ebola ausbreitet.» (sda)

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