Ein Leser berichtet vom Flammenmeer in Kanada
Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 20.07.2009
«Es ist ziemlich viel los hier», sagt Diego Wehrle. «Über der Stadt leuchtet der Nachthimmel orange, und die Luft stinkt nach Rauch.» Der Schweizer macht gerade drei Wochen Ferien in der 100'000-Seelen-Stadt Kelowna im Westen Kanadas. Er hat früher einmal hier gelebt und ist jetzt zurückgekommen, um Freunde zu besuchen. Nun haben ihn die Brände überrascht.
Einer der Freunde Wehrles arbeitet bei der Feuerwehr. Er habe seit Stunden versucht, mit Wasser aus Helikoptern und Kleinflugzeugen das Feuer zu löschen. Der Freund sage, die Brände seien ganz klar nicht unter Kontrolle, so Wehrle. «Sie hoffen jetzt einfach, dass der Wind dreht.» Um zu zeigen, wie es vor Ort aussieht, hat Wehrle auch eindrückliche Bilder gemacht.
Notpakete verteilt
Bisher heizt der Wind das Feuer an, wie Elise Riedlinger, eine Sprecherin der Feuerwehr, sagt. Die Löscharbeiten der Feuerwehr seien besonders schwierig, da das Gebiet steile Hänge aufweise. Insgesamt lodern drei unabhängige Brände in den Hügeln am Stadtrand von Kelowna. Der grösste umfasst alleine ein Gebiet von vier Quadratkilometern.
17'000 Menschen mussten auf Anraten der Behörden bereits aus ihren Wohnungen ausziehen. Sie schlafen jetzt in Schulhäusern und Notschlafstellen. Die «Vancouver Sun» betreibt einen Live-Chatroom, in dem laufend neue Anweisungen der Behörden und gegenseitige Tipps von Bewohnern ausgetauscht werden.
Brandstiftung möglich
Angestellte einer Obdachlosen-Hilfsorganisation verteilen in den Notschlafstellen Pakete mit Toilettenartikeln und rufen zu Spenden von «jeglichen Artikeln des täglichen Bedarfs» auf. «Es herrscht grosse Unsicherheit», sagt Wehrle. Panisch seien die Menschen jedoch nicht. Sie würden vor allem darüber diskutieren, wie gross wohl letztendlich der Schaden für die Stadt werde.
2003 hat bereits ein Feuer die Gegend heimgesucht und über 200 Häuser zerstört. Damals waren Brandstifter am Werk gewesen. Auch dieses Mal sind die Behörden sicher, dass «eine menschliche Ursache» das Feuer ausgelöst hat. Ob es Brandstiftung war, steht jedoch noch nicht fest – auch eine achtlos weggeworfene Zigarette oder ein glimmendes Grillfeuer könnten den ausgetrockneten Wald entflammt haben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 20.07.2009, 11:15 Uhr
















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