Lösten Helikopter die zweite Lawine aus?
Von Sarah Nowotny, Gesigen. Aktualisiert am 05.01.2010 13 Kommentare
Artikel zum Thema
- Lawinendrama: «Engländer» war ansprechbar und schrie vor Schmerzen
- Liebespaar überlebt Lawinenunglück
- 41-Jähriger wurde zweimal von Lawine begraben
- Zürcher SAC-Sektionsvize unter den Opfern
So verlief das Unglück
Beim Lawinenunglück vom Sonntag im bernischen Diemtigtal starben vier Personen, drei werden noch vermisst. Bei den Vermissten handelt es sich um eine Schweizerin, einen Schweizer und einen Deutschen im Alter zwischen 38 und 48 Jahren. Bei den tot geborgenen oder im Spital verstorbenen Opfern handelt es sich um zwei Schweizer und einen Deutschen. Das vierte Todesopfer ist noch nicht formell identifiziert.
Am Dienstag wollen die Retter erneut versuchen, an den Fuss des Drümännler zu gelangen. Am Montag war wegen des schlechten Wetters kein Rettungseinsatz möglich.
Klarheit besteht über den Ablauf des Unglücks am Sonntagmittag: Zuerst wurden zwei Mitglieder einer achtköpfigen Tourengruppe von einer Schneebrettlawine erfasst. Eine Person wurde verschüttet.
Zur selben Zeit befand sich eine 27-köpfige Tourengruppe des Skiclubs Rubigen BE im Gebiet. Diese Skifahrer beobachteten den Lawinenniedergang am Osthang und begaben sich zur Unfallstelle. Gleichzeitig alarmierten sie die Rettungsflugwacht.
Als der Rega-Notarzt und weitere Personen daran waren, die verschüttete Person der achtköpfigen Tourengruppe zu bergen, löste sich laut von Allmen am benachbarten Westhang eine zweite Lawine und verschüttete insgesamt zwölf Personen. Unter die Schneemassen gerieten der Rega-Notarzt, drei Helfer des Skiklubs Rubigen und die Mitglieder der Achtergruppe.
Nach dieser zweiten Lawine suchten in einem Grosseinsatz rund 100 Personen nach den Verschütteten und fanden deren neun. Eine Person wurde tot geborgen, drei weitere verstarben nach ihrer Einlieferung ins Spital. Vier Personen befanden sich am Montagabend noch in Pflege. Sie befinden sich nach Angaben der Berner Behörden nicht in Lebensgefahr. Eine Person konnte das Spital verlassen.
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Heute hängt alles vom Wetter ab: Ist es gut genug, wird der Lawinenkegel im Diemtigtal noch einmal aus der Luft begutachtet. Erlauben es die Verhältnisse, löst die Alpine Rettung Schweiz hernach mit Sprengstoff absichtlich Lawinen aus, um das Gelände zu sichern. Nur dann können die Retter losziehen, um mithilfe von Hunden und elektronischen Ortungsinstrumenten nach der 39-jährigen Schweizerin, dem 48-jährigen Schweizer und dem 38-jährigen Deutschen zu suchen, die noch unter den Schneemassen begraben liegen. Die Verschütteten haben nach Ansicht der retter kaum noch Überlebenschancen.
Bei vier Berggängern hat die Berner Kantonspolizei bestätigt, dass sie in den beiden Lawinen vom Sonntag umgekommen sind. Die Opfer sind ein 40-jähriger Rega-Arzt, ein 62-jähriges Mitglied des Skiklubs Rubigen, ein 45-jähriger Deutscher und ein offiziell noch nicht identifiziertes Mitglied des Rubiger Klubs, das in der Nacht auf Montag in einem Basler Spital starb.
Die Tour ist ein Klassiker
Wer aber verursachte die Lawinen? Und war jemand nicht sorgfältig genug bei der Beurteilung der Gefahr, der sich die Retter aussetzten? Was diese Fragen angeht, hüllt sich die Polizei in Schweigen. Die Tour vom Fildrich übers Chummli bis zum 2435 Meter hohen Drümännler ist ein leichter Skitourenklassiker. Am Sonntag war eine achtköpfige, international zusammengesetzte Gruppe im östlichen Seitenarm des Diemtigtals unterwegs, dicht gefolgt von 27 Mitgliedern des Skiklubs Rubigen. Dies schilderte gestern Otto von Allmen, bei der Kantonspolizei Chef für die Region Berner Oberland, den Medien. Kurz vor Mittag durchquerten die acht Tourenskifahrer den Westhang des Drümännler, als sich über ihnen eine Schneebrettlawine löste. Die Schneemassen erfassten zwei Menschen und verschütteten eine Person vollständig. Mitglieder des Rubiger Skiklubs eilten herbei, um «Kameradenhilfe» zu leisten. Bald darauf trafen zwei Helikopter ein, einer mit medizinischen Gerätschaften, einer mit Lawinenhundeführern und dem Rettungschef.
Während der Rega-Arzt den inzwischen ausgegrabenen Verschütteten versorgte, löste sich am benachbarten Nordwesthang eine zweite Lawine, welche die Retter unter sich begrub - insgesamt ereilte dieses Schicksal zwölf Menschen. Die fünf Verletzten - eine Kanadierin, drei Deutsche und ein Schweizer - sind ausser Lebensgefahr.
Engländer für erste Lawine verantwortlich?
Während vonseiten der Polizei hinsichtlich der Ursachen nichts zu erfahren ist, gibt sich Bernhard Scherz, Skitourenleiter beim Skiklub Rubigen, weniger bedeckt. «Wir waren soeben auf einer Alp angekommen, von wo aus wir sehen konnten, wie sich drei englische Mitglieder der achtköpfigen Gruppe in viel zu geringem Abstand voneinander fortbewegten.» Sie hätten die erste Lawine verursacht, sagte Scherz. Was die zweite Lawine betrifft, äusserte Scherz ebenfalls eine Theorie: Er glaubt, dass der Helikopterlärm das Schneebrett ausgelöst hat. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 05.01.2010, 08:22 Uhr
Kommentar schreiben
13 Kommentare
Weshalb die 2. Lawine ausgelöst wurde, wird die Opfer kaum interessieren. Die Retter und die Ausrüstung konnte ja nicht an den Ort getragen werden. Die Natur spielt sich halt noch immer draussen ab und lässt sich nicht steuern. Ein Risiko ist immer dabei. Fehler werden sehr brutal bestraft. Für die Retter besteht immer in Risiko. Auch auf der Strasse können sie angefahren werden. Antworten
















Die Welt in Bildern









