«Endlich» – Papst küsst Patriarch

Zum ersten Mal seit 1054 treffen die Oberhäupter der katholischen und der russisch-orthodoxen Kirche aufeinander. Sie wollen so ein ökumenisches Zeichen setzen.

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Meilenstein in der Kirchengeschichte: Der Papst ist mit dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kirill I. zusammengetroffen. «Endlich!», sagte Franziskus, als er Kirill am Freitag im Flughafen der kubanischen Hauptstadt Havanna umarmte. «Jetzt sind die Dinge einfacher», sagte Kirill. «Das ist der Wille Gottes», entgegnete Franziskus. Beide gaben sich drei Bruderküsse. Im Anschluss setzten beide ihre Unterschrift unter eine Erklärung.

Die kurze Begegnung in einem kleinen VIP-Flughafenraum war das erste Treffen eines Papstes mit einem Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche. Im Jahre 1054 hatten sich Orthodoxe und Katholiken gespalten. Zu den Streitpunkten gehören der Führungsanspruch des Papstes und Klagen der russisch-orthodoxen Kirche über den Übertritt von orthodoxen Christen zum Katholizismus. Besonders kritisch betrachtet das Moskauer Patriarchat die Ukrainische griechisch-katholische Kirche. Deren Gottesdienste folgen dem orthodoxen Ritus, die Kirche hat sich aber dem Papst unterstellt.

Ein wichtiger Schritt zur Überwindung ihrer Differenzen: Papst und Patriarch treffen sich. (Video: Reuters)

«Keine Rivalen, sondern Brüder»

Das historische Treffen mit Kirill beschrieb Franziskus als klar und direkt. «Ich schätze seine Sehnsucht nach Einheit sehr», fügte der Pontifex hinzu. In einer 30 Punkte umfassenden Erklärung bekundeten beide dann ihre Bereitschaft, alle nötigen Schritte zur Überwindung ihrer historischen Differenzen zu ergreifen. «Wir sind keine Rivalen, sondern Brüder», erklärten die Kirchenoberhäupter.

Zudem forderten Franziskus und Kirill politische Führer mit Blick auf die Konflikte in Syrien, dem Irak und der Ukraine zum Handeln auf. Dabei verwiesen sie vor allem auf das Schicksal verfolgter Christen, die etwa von der Terrormiliz Islamischer Staat bedroht seien. «In vielen Ländern im Nahen Osten und Nordafrika werden ganze Familien unserer Brüder und Schwestern in Christus ausgelöscht, ganze Dörfer und Städte», hiess es in der Erklärung. Die Europäer riefen die Kirchenführer zudem auf, ihren christlichen Wurzeln treu zu bleiben.

Kein Gebet, nur Gespräch

Der Vatikan erhofft sich von der Annäherung bessere Beziehungen auch zu andern orthodoxen Kirchen und Fortschritte im Dialog über die theologischen Differenzen zwischen beiden Glaubensgemeinschaften. «Ein verbesserte Verständnis zwischen Rom und Moskau wird sicher positive Auswirkungen auf den theologischen Dialog haben», sagte der für die Beziehungen zu den orthodoxen Kirchen zuständige Kardinal Kurt Koch Radio Vatikan.

Der Leiter für christlich-orthodoxe Studien an der Fordham Universität in New York, George Demacopoulos, sagte indes, für Kirill gehe es bei dem Gespräch mit dem Papst weniger um den Dialog mit den Katholiken als vielmehr darum, sich als Führer der Orthodoxie zu präsentieren. Der Professor für russische Geschichte und Kultur, Stefano Caprio, wies darauf hin, dass es in Havanna nicht einmal ein gemeinsames Gebet geben werde, sondern nur ein Gespräch. «Das ist kein ökumenisches Treffen», urteilte Caprio, der nach 1989 als katholischer Priester in Russland gearbeitet hatte. Er rechne auch nicht damit, dass der Papst demnächst nach Moskau reisen werde.

Für den Papst war das Treffen eine Zwischenstation auf dem Weg nach Mexiko, wo er am Freitagabend eintraf. Seine fünftägige Visite soll im Zeichen der Solidarität mit Opfern von Gewalt, Armen und Migranten stehen. (afo/sda)

(Erstellt: 13.02.2016, 03:04 Uhr)

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