Er hat die Lizenz zur Schatzsuche

Von Jacqueline Graber. Aktualisiert am 13.04.2011

Romano Agola wird von den Kantonen gerufen, wenn auf einem Land- oder Waldstück ein Schatz vermutet wird. Doch die «Schatzsucherlizenz» musste sich der 47-Jährige erst hart erarbeiten.

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Schatzsucher bei der Arbeit: Romano Agola demonstriert auf einer Wiese bei Ramsei, wie er normalerweise
mit dem Metalldetektor nach Münzen und anderen archäologischen Schätzen sucht.

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Obwohl es in der Schweiz verboten ist, durchstreifen schätzungsweise 1000 bis 2000 illegale Schatzsucher regelmässig die Wälder und Wiesen. Romano Agola aus Ramsei gehörte auch dazu. Doch seit 15 Jahren besitzt er «die Lizenz zur Schatzsuche». Erteilt werden ihm die Aufträge jeweils von den archäologischen Ämtern der Kantone. «Im letzten Jahr arbeitete ich tageweise in Andermatt, wegen des Grossprojektes des ägyptischen Investors Samih Sawiris», erzählt der 47-Jährige – und fügt an: «Am häufigsten bin ich jedoch in den Kantonen Zug, Luzern und Bern unterwegs.»

Flurnamen sagen viel aus

Pickel, Schaufel, Karten, Messband und den Metalldetektor hat Romano Agola immer griffbereit. Zwar sind die Aufträge meist im Voraus geplant, «aber es gibt auch kurzfristige Einsätze, zum Beispiel zur Vorsondierung oder Überwachung bei Bauarbeiten», sagt Agola.

Die Vorgehensweise ist immer gleich. Daheim schaut er sich das Gelände auf der Karte genau an. Ein grosses Augenmerk gilt den Bezeichnungen. Der Name «Flurweg» weise beispielsweise darauf hin, dass dort früher ein Durchgangsweg gewesen sei, so der Experte. «Mur- oder Steinacker» sage aus, dass grosse Steine, also Mauern, vorhanden waren. Nebst Flurbezeichnungen kann sich Agola auch auf seine jahrelange Erfahrung verlassen. «Einen Schatz findet man nicht einfach so auf dem Gelände», betont er. Jeder, der etwas verstecken möchte, suche sich eine wiedererkennbare Stelle aus, wie etwa einen einzelnen Baum auf einem Hügel.

Drei verschiedene Töne

Bei seiner Suche trägt der zwei-fache Familienvater einen Kopfhörer, damit er das Piepsen des Metalldetektors deutlich wahrnehmen kann. Dabei unterscheidet er zwischen drei Tonlagen. Ein tiefer Ton bedeutet Eisen. Ertönt ein mittleres Pfeifen, liegt Alufolie unter dem Suchteller. Und der höchste Ton sagt dem Hobbyarchäologen, dass es sich beim Fund um Buntmetall handelt. «Buntmetall bedeutet aber nicht zwingend Münzen», präzisiert Agola. Es könne sich auch um Aluminium, Kupfer, Silber oder Bronze handeln, eben alles, was nicht magnetisch sei. Obwohl er bei seinen Einsätzen immer mit dem Metalldetektor unterwegs ist, entdeckt er auch mit blossem Auge Fundgegenstände, die älter als 4000 Jahre alt sind. «Keramikstücke, Steinwerkzeug, Holzstücke oder Knochen werden von Mäusen an die Oberfläche gegraben und bleiben auf den Mäusehaufen liegen», erklärt er. Jedes Fundstück, ist es auch noch so klein, legt Agola ungewaschen in ein Plastiksäcklein und notiert Datum und Fundstelle, bevor er die Ausgrabung beim Kanton abgibt. Die Fundstelle eruiert er via GPS oder misst sie mit Hilfe einer Messschnur aus. «Solche Daten sind für die Archäologie sehr wichtig», betont er.

Die kleine Sensation

Sein grösster Erfolg, und zugleich eine Sensation, war 1996 der Fund eines keltischen Münzprägestempels. Obwohl Romano Agola zu diesem Zeitpunkt noch ohne amtliche Bewilligung arbeitete, war er sich der Wichtigkeit des Stückes bewusst, und gab es beim zuständigen Amt ab –?auch wenn er diesbezüglich schlechte Erfahrungen gemacht habe, wie er erzählt: «1989 fand ich meine erste römische Münze.» Damals habe er begonnen die Zusammenhänge der Archäologie zu erfassen und jeden Fundort auf einer Karte einzuzeichnen. «Nach dem Fund der Münze habe ich all meine Schätze in Bern abgegeben. Doch ich erntete dafür Misstrauen und erhielt damals sogar ein Verbot mein Hobby im Kanton Bern auszuführen.»

So erweiterte er seine Suche in den angrenzenden Kanton Freiburg, genauer gesagt auf den Mont Vully. Bei einem seiner Einsätze lernte er Gilbert Kaenel kennen. Ein glücklicher Zufall, denn dank Kaenel kam er mit den zuständigen freiburgischen Archäologen in Kontakt. Zudem erhielt er die mündliche Zusage, weiterhin auf dem Mont Vully zu suchen. Und hier war es dann auch, wo er den Prägestempel fand. «Dieser Fund sprach sich in den Fachkreisen schnell herum», erzählt Agola. Kurze Zeit später habe er die ersten amtlichen Aufträge vom Kanton Zug und St.Gallen erhalten.

2280 Münzen in 15 Jahren

Geweckt wurde seine Leidenschaft für die Archäologie durch eine österreichische Zwei-Heller-Münze. «Gefunden habe ich diese als Schuljunge», sagt Agola, «als ich beim Härdöpfle mithalf.» Später kaufte er sich mit seinem Lehrlingslohn als Automechaniker seinen ersten Metalldetektor. Schon als kleiner Junge habe er sich für Schlösser, Burgen und überhaupt für Geschichte interessiert, erzählt Agola. Angeeignet hat er sich sein Wissen aus Büchern und dem Internet.

Seit seiner Bewilligung vor 15 Jahren hat Romano Agola, der zum Thema «Metalldetektor» auch Kurse an der Uni Bern und Zürich gibt, nebst vielen Kilo Schrott auch 2280 Münzen gefunden, darunter römische und keltische. Der Wert einer gefundenen Münze sei in der Regel sehr gering, erklärt der Schatzsucher. Die wissenschaftliche Bedeutung hingegen sehr hoch, da sie Auskunft über die Kultur, den zeitlichen Besiedlungshorizont oder den Geldumlauf jener Region gebe. Die Kantonsaufträge sind für den Fachmann, der jährlich um die 400 Stunden investiert, eine Nebentätigkeit. Hauptberuflich arbeitet er in einem Metallanalyselabor in Aarau. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.04.2011, 06:38 Uhr

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