«Ein Faustschlag, zwei Fusstritte und mehrere Flüche»
Von Jean-Martin Büttner. Aktualisiert am 23.02.2009 37 Kommentare
Artikel zum Thema
Das Vokabular klingt drohend, die Botschaft beschwichtigend. «Wie immer wird das Bullenaufgebot riesig sein und Aggressionen schüren», warnt ein schmales Flugblatt, das die Leute von der Zürcher Südkurve den Fans im Zug verteilen. «Lasst euch nicht provozieren und verzichtet auf Knallpetarden, Stilos usw., die momentan mehr schaden als nützen.» Der Sonderzug hält vor dem Basler St.-Jakobs-Park. Die Leute drängen aus Türen und Fenstern, besammeln sich und marschieren singend auf das Stadion zu. Die Polizei steht massiert, aber unbewegt. Zwischen den Zürcher und Basler Fans sind Eisenriegel aufgebaut.
Die Fahrt nach Basel ist entspannt verlaufen, um nicht zu sagen heiter. Der Zug hat seine blauweissen Passagiere gemächlich durch die verschneite Schweiz gefahren. In den Abteilen hat es nach Bier gerochen, Haschisch, Zigaretten und nassen Kleidern. Die Fans haben sich aufs Spiel gefreut und bereitwillig davon erzählt. In und gegen Basel sei es schon speziell, haben sie gesagt, die Stimmung dort, das Stadion sowieso, und dann die alte Rivalität. Da sei einfach mehr los als an anderen Spielen, sogar beim Derby gegen GC. Eine kurze Umfrage im Abteil hat ergeben: Zürich gewinnt natürlich. Fünf zu eins, sagt einer – «was Luzern schafft, können wir auch.» Alle lachen.
Bis unters Dach
Um vier beginnt das Spiel. Die Zürcher Fans trommeln, pfeifen und rufen, die Muttenzer Kurve auf der anderen Seite ruft, pfeift und trommelt. «Unser FCZ steht vor einer wichtigen Hürde auf dem Weg zur Meisterschaft», schreiben die Südkurvler auf ihrem Flugblatt. «Für die Kurve heisst dies, dass wir ebenfalls doppelt so viel geben müssen! Parat sein von der ersten Minute an. Singen und schreien von unten links am Geländer bis oben rechts unter dem Stadiondach.» Die Fans geben. Sie sind parat. Sie singen und schreien. Vom Geländer bis unters Dach.
Dennoch hat der FC Basel den besseren Start, man spürt den Druck, der auf den Spielern lastet. Wenn die Basler heute verlieren, ist die Meisterschaft vermutlich gelaufen. Aber sie bauen ihr Spiel viel zu kompliziert auf, so wird das nichts. Wenig später kombiniert der FCZ den Ball zügig nach vorn, Eric Hassli bekommt ihn in den Lauf gepasst und schiesst elegant am Basler Goalie vorbei ein, eins zu null nach 14 Minuten, die Zürcher Ränge beben, auf der anderen Seite ist eine leichte Abkühlung zu registrieren. Trotz guten Chancen auf beiden Seiten flacht die Erregungskurve ab.
Nach dem Seitenwechsel erhöht der FC Basel den Druck, schafft den Ausgleich und dann die Führung. Dennoch hören die Zürcher Fans keinen Moment lang auf, ihre Mannschaft anzufeuern, und sie lassen sich von den weit verzogenen Distanzschüssen ihrer Mannschaft nicht entmutigen. Es reicht dann trotzdem nicht. Friedlich und zufrieden ziehen die Basler ab, enttäuscht und friedlich die Zürcher.
Empfehlung: Laptop zu Hause lassen
Erst im Zug schlägt die Stimmung um. Die Leute reden jetzt viel lauter, sogar das Lachen klingt gereizt, von Fussball spricht keiner mehr. Einer blutet am Kopf, es hat Scharmützel mit den Baslern gegeben. Der Zug fährt an und bleibt gleich wieder stehen, einer hat die Notbremse gezogen. Die Leute stehen am Fenster und schauen in die Nacht.
Und dann geht alles sehr schnell. Drei vermummte Typen treten auf einen zu, man wird angeherrscht, hochgerissen und durch den Wagen gestossen. Die einen stehen da und johlen, andere versuchen die Lage zu beruhigen. Ein Faustschlag, zwei Fusstritte und mehrere Flüche später stolpert man aus dem Zug und steht in der Kälte, schwer atmend und benommen. Was ist passiert? Es steht zwar nicht in der Wegleitung der Südkurve, dennoch sei die Empfehlung nachgereicht: Das Aufklappen von Laptops in Sonderzügen ist zu unterlassen; man wird sie für einen Journalisten halten.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 23.02.2009, 06:55 Uhr
KOMMENTAR SCHREIBEN
37 KOMMENTARE
Würden Sie uneingeladen an einer privaten Hochzeitsfeier erscheinen, den Laptop installieren, Fotos machen und dumme Bemerkungen machen ? Wohl kaum. Also: Der Extrazug ist für die Fans reserviert ! Journalsiten haben da ohne Einladung nichts zu suchen.
Der Tagi scheint was das Foto angeht sehr schlecht recherchiert zu haben. In der Ecke um die C-Tribüne standen nämlich fast auschliesslich Einheiten der Zürcher Kantonspolizei. Dies nur am Rande.
Eines muss man wirklich festhalten: Nur weil wir Fussballfans in den Medien nicht richtig wiedergegeben werden und man die Fankultur und die Aktionen der Fans meist falsch versteht und diffamiert, ist das NIE IM LEBEN ein Grund, generell Hetze gegen Journalisten zu betreiben und Leute aus dem Extrazug zu werfen, nur weil sie eben Journis sind. Wer nicht mit ihm reden will, muss ja nicht.
Das die Medien nach diesem Ereignis wieder Öl ins Feuer giessen war vorherzusehen. Dass Journalisten in Fussballkreisen nicht sonderlich beliebt sind ist auch bekannt. Wieso also setzt sich ein solcher in den Extrazug der Fans? Das nach einem solchen Spiel die Gemüter erhitzt sind ist auch von vornherein klar. Ich hoffe Herr Büttner hat seine Lektion gelernt und begeht solche Fehler nicht nochmal
@Thom Dahinden: weil es der Staat war, der als erster den Rechtsstaat ausgehebelt hat. und logisch haben fussballfans eine ablehnende haltung gegen journalisten. zu oft wurden die fans mit unwahrheiten in der presse in den senkel gestellt.
Sehr traurig, dass es hier so viele Leute gibt, die ohne nachzudenken sagen "ein Journalist hat dort und dort nichts verloren...": Hallo?! JEDERMANN darf in der freien Schweiz einen öffentlichen Extrazug besteigen!! Es darf keine rechtsfreien Räume geben! Und @ Reto Stärki: Wieso soll der Staat schuld sein, wenn Fans im Extrazug ihre eigene "Gesetzesordnung" glauben durchsetzen zu müssen?!
Ganze feige Typen dies vermumten Kerle. Sehr wahrscheinlich die Gleichen, die an der 1. Mai-Feier jeweils zuschlagen. Die echten Fans sollten diesen Dreckskerlen mal das Handwerk legen. Aber leider getraut sich ja keiner. So wird der schönste Sport der Welt zur Nebensache.
Purer Gonzo-Journalismus... Ihr Vorgehen zeugt von unglaublicher Unkenntnis (und zuweilen Dummheit...) und es stimmt schon nachdenklich, dass solche Leute wie Sie die Meinung vieler prägen werden (siehe Afghanistan und Somalia Vergleiche...). "Das Aufklappen von Laptops in Sonderzügen ist zu unterlassen; man wird sie für einen Journalisten halten." Offenbar zu Recht, oder?
Ich hätte noch eine Frage an Herrn Jean-Martin Büttner: Wer war ihre Mitreisende? Sah jedenfalls noch recht gut aus. Ich hoffe es war nicht ihre Tochter, denn das würde heissen, sie wären mit ihrem Nachwuchs auf Gewaltabenteuersuche gegangen. Nur so als Frage, was sollte das für ein Bericht geben, also ursprünglich? Was wenn es zu keinen Ausschreitungen gekommen wäre?
@marcel zürcher bitte lass so verallgemeinerungen wie fussballer sind dumm beiseite, geht in die gleiche richtung wie alle ausländer stinken. beides nicht wahr, und wenn jemand so etwas behauptet, betriffts diese person wohl selber. im allgemeinen geben hier leute kommentare ab und erzählen etwas, ahnung von dem thema haben sie aber wenig bis gar keine. oder anton meier
Jeder, der es legitim findet, dass ein Journalist mit Fäusten und Tritten traktiert, wird hat auch nichts anderes verdient, als nach dem Spiel vom Schlagstock eines Polizisten verprügelt zu werden.
Lustig wie hier zensuriert wird! Ich war im Zug und als Journalist haben Sie im Zug nichts zu suchen. Für Presseinfos können Sie sich an der Verein oder die Polizei wenden. Die wissen sowieso immer alles ganz genau!
@anton meier: als ob basel nicht schon längstens gegen gruppierungen aus london hätte stand halten können........... remember CL 2003 & 2005? und hamburg ist jetzt aber gar nichtsmehr. über berlin weiss ich nichts. übrigens guter vorschlag mit den treffen im wald, aber dann kommen ja wieder all die moralapostel hinter den büschen verhorgekrochen.
Was soll denn das mit Somalia und Afghanistan? Ich würde eben diese krassen "Hooligans" gerne einmal sehen, wie sie sich gegenüber eine Fangruppe aus Hamburg, Berlin oder London verhalten! Angst!? Und dann ein "ganzer" Extra-Zug gegen einen Journalisten! Toll! Wirklich! Oder eher ein bisschen lächerlich? Zum Journi: Du hast ja das Abenteuer gefunden, welches du gesucht hast, oder?
Ich gehe auch gerne an Fussballspiele und verspüre auch des Öfteren die Lust einem Gegner auf die 'Schnurre' zu hauen. Aber ich besinne mich eines Besseren und lasse es sein. Das gewisse Leute den letzten Prozess aber nicht machen und auf sich einprügeln wollen finde ich legitim. Ich würde einfach vorschlagen euch auf einem Feld zu treffen und dann los auf 3. Und die anderen haben ihre Ruhe.
@barbara gasser: das spiel mit dem rechtsfreien raum hat aber der staat angefangen, nicht die fans..... @markus engel: haben sie den text überhaupt gelesen? zwei fusstritte: und sie sprechen von hunderten von polizisten, die am wochenende ihr leben riskieren? hallo realitätsverlust? einige sollten sich nicht über sachen auslassen, von dem sie offensichtlich keine ahnung haben.
Jeder hier der noch nie an einem solchen Match war, kann sich seinen "Sänf" sparen! Wenn einer über diese Fan-Kultur schreiben will sollte er sich schon damit auskennen oder aus ihr kommen...
Probleme hat die Schweiz! Kommt Ihr Euch als erwachsene, selbstdenkende Menschen nichtein bisschen komisch vor, wenn hier ein, im Vergleich zum RICHTIGEN LEBEN, nichtiges Problem,vom Medienstaat zu einer Bedrohung heraufpolemisiert wird? Die Frage darf erlaubt sein, ob viele der Leser hier, ihre Gedanken noch selbstständig ausführen und einordnen, oder ob sie der Windfahne nachrennen.
Toll, jetzt haben wir offenbar rechtsfreie Räume in der Schweiz, wenn es nach gewissen "Fans" geht: die Oeffentlichkeit hat in den Extrazügen der Fussballfans also nichts zu suchen? Und die Anwesenheit der Presse rechtfertigt es, die Journalisten zu bedrohen? Geht doch nach Somalia, dort dürft ihr Euch austoben, so viel ihr wollt und werdet bestimmtn icht von der Presse belästigt. :(
Herr Dahinden, (01:22) das lustige an der Vermummung ist ja, dass man sowohl am 1. Mai mit linksextremen wie auch am Fussballmatch und mit Rechtsextremen Ärger machen kann. Man solidarisiert sich immer mit Vermummten, was dahinter steht, fragt da niemand. Herr Klammer (10:23): netter Scherz! Natürlich waren Journis nicht da, die werden ja auch nicht toleriert bei so Anlässen...
@Tibor: Richtig analysiert. Die Journis sind absolut selberschuld dass Sie den goodwill der Fans nicht mehr haben. Ich erinnere ans Beispiel Bröndby wo alle von Blick bis NZZ ins gleiche Horn ruften, aber keiner dieser Schreiberlinge vor Ort anwesend war. Und überhaupt ein Journi hat wirklich nichts verloren in einem X-trazug.
Was haben diese Menschen für eine Kinder Erziehung gehabt, wenn sie Polizisten als Bullen anschreiben? Die Menschen haben einen klaren Auftrag zu erfüllen und nicht eine Horde von schreienden und randalierenden zu schützen. Zudem eine Frage an diese Gruppierungen. Wann sieht ihr endlich ein, dass es so nicht weiter gehen kann. Den schlussendlich muss der Steuerzahler aufkommen, für Euer unbehertsc
@Fritz Wälti - Danke für den Kommentar, besser hät ich's nicht schreiben können. Zum Weicheiersport würde ich noch fehlende Intelligenz hinzufügen .-)
Jaja, und die SVP/FDP schreit laut nach der Abschaffung des 1. Mai. Angeblich wegen gewaltbereiter Teilnehmer. Beim Fussball schaut man still zu. Diesmal wäre ja die eigene Klientel betroffen. Könnte es sein, dass diese Leute eine unlautere politische Agenda haben? :-))
Da ich lieber in Ruhe heimreiste, nahm ich den normalen Interregio von Basel nach Zürich. Am Bahnhof Basel warteten zahlreiche gewaltbereite Basler-Fans und jagten Zürcher, die auf den normalen Zug wollten. Kurz nach Muttenz wurde die Lokomotive mit Schottersteinen beworfen, die Windschutzscheibe ging zu Bruch, der Zug fiel aus...Fussball ade...Schade
Das ist ja interessant, wie sich Tibor Beregazaszy und Michael Zeininger fast schon für Gewalt aussprechen, bzw. diese fast legitimieren. Bei solchen Menschen frage ich mich, wie sie sich wohl in Kriesensituationenverhalten (wie Krieg) verhalten würden. Das kann sich jetzt jede/r selbst ausmalen.
Spätestens als der Polizeichef von Paris während der Rugby-WM das Polizeiaufgebot vor dem Stadion verdoppelte, 2 Streifenwagen statt einer, damit wenigstens noch jemand auf die Autos aufpasst, weil die Fans die Polizisten immer "nötigten" mit ins Stadion zum Spiel zu kommen, stellte sich für alle "normalen" Leute die Frage: guter Sport - guter Fan oder überteuerter Weicheiersport - Fussball-Fan?
Was zum Geier hat den ein Journi in einem Fan-Extrazug verloren? Selber schuld!
Vielleicht sollte man solche Schlägertypen einfach mal in einem Kriesengebiet, z.B. Afghanistan, aussetzen. Dort können sie dann ganz und gar ihrem Hobby fröhnen.
Journis gehören nicht in den Extrazug...das sollte er nun begriffen haben.
Huiii... Da war wohl jemand zum ersten Mal an einem Fussballspiel. Tönt wie ein Schuelreisli-Report.
Wann wird der Steuerzahler im Zusammenhang mit den Sportveranstaltungen, respektive den der Allgemeinheit aufgebürdeten Kosten auf die Barrikaden gehen? Wie lange wird noch zugeschaut wie diese gewalttätigen "Sportfans" ihrem Vergnügen, d.h. aufeinander losgehen? Der Dumme ist doch der Steuerzahler! Wenn doch nur die Klubs für die immensen Sicherheitsaufgebote zur Kasse gebeten würden!
Motorsport wird in der Schweiz weitgehen Verboten. Zu gefährlich und zu laut, Umweltschädlich. Flugevents zu gefährich, zu laut und Umweltschädlich. Beim Fussball alles im Grünen bereich???? Nur weiter so. Das hunderte Polizisten jede Woche in der Schweiz herum Fahren und zu teil ihr Leben einsetzten, dass wird Akzeptiert. 1. Die Clubs müssten die Sicherheit voll Bezahlen.
Was da passierte ist eine Sauerei. Nur frage ich mich wirklich, was ein Vertreter der schreibenden Zunft in einem Fanextrazug verloren hat? Viel interessanter wäre zu erfahren, wer eigentlich die Kosten für Polizeieinsätze für diese privaten 'Freizeitveranstaltungen' trägt.
Selber schuld. Die Medien haben mit ihrer Berichterstattung immer wieder Öl ins Feuer gegossen und versucht, aus diesem Ereignis immer mehr zu machen, als es ist: nämlich ein Fussballspiel. Und noch was: schlussendlich lag man mit der Vermutung nicht so falsch, dass es sich hier um einen Journalisten handelt, als der Laptop augeklappt wurde, oder?.
Das Vokabular der "Südkurven-Flugblätter" erinnert mich an ähnliche Pamphlete von Autonomen, Antifas, Linksextremen und Hausbesetzern... da wird auch wie im Kinderspiel "verkehrte Welt" davon geschrieben, dass man sich von den "Bullen" und deren Aggression nicht provozieren lassen solle, etc. Wahrscheinlich sind viele dieser Fussball-Chaoten identisch mit den 1. Mai-Chaoten.
Pha, Journalisten haben in den Extrazügen auch nix zu suchen. Bleibt zu Hause!







