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Falscher Konsul und echter Internetabzocker

Ein Schweizer, der sich als Vizekonsul ausgab, ist in Brasilien verhaftet worden. Früher hatte er im Internet dubiose Geschäfte betrieben.

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Die Welt der brasilianischen TV-Sternchen und Missen steht Kopf. Einer ihrer Promotoren, der Schweizer Daniel oder Dragan A., wurde wegen Beihilfe zur Prostitution verhaftet – er vergnügte sich in einem Hotel mit einem 15-jährigen Mädchen, das er gegenüber den Behörden als seine Freundin bezeichnete. Während Jahren zog A. als «Vizekonsul der Republik Surinam» durch Rio de Janeiro, gab rauschende Partys mit Prominenz aus der TV-, Model- und Schönheitsköniginnenszene, war Teilhaber einer Modelagentur.

Fleissig war A. auch in der Schweiz gewesen – im Jahr 2000, als die teuren Premium-Nummern (0900), die SMS-Dienste und die sogenannten Dialer-Programme negative Schlagzeilen machten. Mit zwei Kumpeln führte er die liechtensteinische Firma Intertele, mit der eine Reihe weiterer Unternehmen verquickt war.

Millionengewinne

In ganz Europa wurden damit massenhaft Personen abgezockt und Gewinne in Millionenhöhe eingefahren. A. & Cie. nutzten die zahnlosen Regelungen des Bundesamtes für Kommunikation (Bakom) schamlos aus und kassierten trotz aller Verweise weiter.

Der Trick: Die Firma von A. installierte übers Internet Dialer-Progrämmchen, ohne dass die jeweiligen Computerbesitzer davon wussten. Sobald diese sich ahnungslos mit dem Web verbanden, nutzten sie unbemerkt teure Porno-Rufnummern und erhielten dafür entsprechend gesalzene Rechnungen.

Falscher Vizekonsul

Bei der Verhaftung in Brasilien gab Daniel A. an, er lebe seit beinahe zehn Jahren in diesem Land. Bekannt ist: Im Jahr 2003 suchte er Programmierer, die seiner Software ein Spionageprogramm beimengen sollten, damit er jede Tastaturaktion seiner Kunden mitlesen könnte. Schon damals nutzte er die Telefonnummer, die er jetzt als «Vizekonsul» von Surinam verwendet. Von der brasilianischen Presse auf ihren umtriebigen Mitarbeiter angesprochen, erklärte die surinamische Botschaft, weder gehöre A. zum Diplomatencorps, noch habe man in Brasilien überhaupt einen Vizekonsul.

Im Frauenhandel tätig?

Die brasilianische Zeitung «O Hoje» berichtet, A. habe seine 15-jährige Freundin mit teuren Geschenken bei Laune gehalten, ihr eine Karriere als Supermodel versprochen und ihren Eltern Geld für eine Anzahlung an ein Auto gegeben. Zusammen wollte man Anfang 2010 nach Paris in die Flitterwochen fliegen.

Laut dem Nachrichtenportal Terra.com.br wird gegen A. auch wegen Verdachts auf Frauenhandel und sexuelle Ausbeutung ermittelt. In der Presse bestritt er die Anschuldigungen und erwähnte, er sei schon einmal in seinem Leben dieser Dinge beschuldigt worden, er fühle sich verfolgt. Dabei dürfte er jene Episode ansprechen, die vom Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) 1997 detailliert dokumentiert wurde.

Vorname geändert

In einem 40-seitigen Report über Frauenhandel wird die Rolle eines Schweizers mit Abstammung aus dem ehemaligen Jugoslawien – Dragan A. – beschrieben: In seiner Zürcher Agentur landeten zum Teil minderjährige Frauen, die dann in der Schweiz, in Österreich, Frankreich, Deutschland und Italien zu «Kunden» geschickt wurden. Sie mussten – immer laut dem Report – 24 Stunden anschaffen, wurden eingesperrt, ausgehungert und geschlagen. Als es einer Prostituierten gelang, das Vertrauen eines Freiers zu erlangen, alarmierte dieser die Polizei. Dragan A. und seine Gefährten wurden verhaftet, er änderte dann seinen Vornamen in Daniel. Auf Anfragen des TA reagierte er nicht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.12.2009, 07:21 Uhr

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