Hase im Tanga für Tierschutz zu heiss

Das Basler Shoppingcenter St.-Jakob-Park zeigt ein Kaninchen mit Höschen – Kritiker sehen die tierische Würde verletzt.

Lockend und umstritten. Das Kaninchen mit aufgemalten Wimpern und Stringtanga soll Aufmerksamkeit erregen. Der Tierschutz und ein bekannter Werber halten dies für einen Missbrauch.

Lockend und umstritten. Das Kaninchen mit aufgemalten Wimpern und Stringtanga soll Aufmerksamkeit erregen. Der Tierschutz und ein bekannter Werber halten dies für einen Missbrauch. Bild: Pierre Stoffel

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Mit Häschen und Stringtangas lässt sich durchaus viel Kundschaft anlocken. Leuchtendes Beispiel dafür ist der Gründer und Verleger des Männermagazins Playboy, Hugh Hefner, der sich in der Öffentlichkeit gerne mit Frauen im Hasenkostüm zeigt. Das Shoppingcenter St.-Jakob-Park ging kürzlich den umgekehrten Weg. Ein Häschen samt Wimpern und Tangaslip zierte die Einladungskarte zu einem Osterbrunch für Medienschaffende im Shoppingcenter. Die Frage ist, ob dem Einkaufszentrum derselbe Erfolg beschieden ist wie Hugh Hefners legendärem Hochglanzheft. Der vielversprechende Slogan auf der Karte: «Dieses Jahr ist Ostern voller Überraschungen.» Gemeint ist damit die Eröffnung des Dessous- und Lingeriegeschäfts Intimissimi im St.-Jakob-Park. Mitte Mai soll der italienische Marktführer in den Tiefen des Stadionunterbaus mit dem Verkauf von Unterwäsche beginnen.

Der Tierschutz beider Basel (TBB) betrachtet den Hasen mit dem rotem Slip und dem verlängerten Wimpern kritisch. «Wir sehen die Würde dieses Kaninchens eindeutig verletzt. Dieses Bild geht in Richtung Zoophilie, die vom sexuellen Hingezogensein bis zum sexuellen Missbrauch von Tieren reicht», sagt Daniel Bader, Verantwortlicher beim TBB für Fundraising und Kommunikation.

Wimpern machen sexy

Zwar würden Tiere in der Werbung wie die lila Kuh für Milka oder der Bär für die Bärenmarke immer wieder Anwendung finden. «Allerdings werden sie in solchen Werbungen als Sympathieträger eingesetzt. Das sind ganz andere Beispiele als die offensichtliche Sexualisierung dieses Kaninchens», sagt Bader. Die aufgemalten Wimpern spitzten diese Sexualisierung noch zu: «Sie machen in Zusammenhang mit dem String aus Sicht der Werber aber wohl völlig Sinn.»

Wo die Grenze beim Thema Sexualisierung und Vermenschlichung von Tieren überschritten werde und wo nicht, lässt sich laut Bader nicht genau definieren. «Es gibt keine klar festgehaltenen Regeln oder Grundsätze in diesem Bereich. Mit dieser Frage tun sich alle Leute schwer, die mit dem Thema zu tun haben. Am Schluss zählt das subjektive Empfinden jedes einzelnen», sagt Bader. So könne es für gewisse Leute schon zu vermenschlicht sein, einem Hund ein Bettchen zu kaufen, weil Hunde von Natur aus auf dem Boden schlafen.

Der Werber und PR-Berater mit Agentur in Zürich, Klaus J. Stöhlker sagt auf Anfrage zu der Abbildung auf der Einladungskarte: «Da handelt es sich klar um den Missbrauch eines Hasen. Auch ein Hase hat seine Würde.»

«Völlig unkreativ und kitschig»

Das rote Höschen mache an dem Kaninchen weder von der Funktionsweise her Sinn noch weise es auf die Produkte von Intimissimi hin. «Ich würde mich als Chef dieser Firma gegen diese Werbung wehren, wenn ich meine Produkte auf diesem dicken Hasenhintern entdecken müsste», sagt Stöhlker. Umso mehr, da Intimissimi eine erfolgreiche Marke sei.

Damit die Einladung ansprechend wäre, müsste eine schicke Frau mit Unterwäsche darauf zu sehen sein, eventuell mit einem Stempel auf der Brust, der auf Ostern hinweise. «Dieser Hase ist völlig unkreativ und kitschig. Das ist eine Gag-Werbung und weder der Werber noch der Auftraggeber scheinen in diesem Fall verstanden zu haben, was gute Werbung ist», urteilt Stöhlker.

Laut dem Leiter des Shoppingcenters St.-Jakob-Park, Daniel Zimmermann, handle es sich bei dem Hasen-bild selbstverständlich um eine Fotomontage: «Wir wollten etwas Spezielles machen und Aufmerksamkeit erreichen, damit möglichst viele der 25 Eingeladenen zum Osterbrunch kommen.» Die bevorstehenden Eröffnungen von Kiko Milano mit Kosmetik und Intimissimi als Unterwäscheanbieter hätten die Werbeagentur dazu bewogen, dem Hasen String und Wimpern aufzusetzen, da dies auch der Aufhänger zum Osterbrunch gewesen sei. Zimmermann: «Damit eine öffentliche Werbekampagne zu machen, hätten wir uns aber nicht getraut.» (Basler Zeitung)

(Erstellt: 17.04.2014, 09:01 Uhr)

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