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«Herzog & de Meuron haben die Bodenhaftung verloren»
Von René Staubli. Aktualisiert am 26.11.2008 8 Kommentare
Martin Hofer.
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Zur Person
Martin Hofer von Wüest & Partner, Zürich, ist Master of Arts ETH (Architekt) und Experte für Immobilienentwicklungen und -bewertungen.
Martin Hofer, Roche verzichtet auf den Bau des 154 Meter hohen Büroturms in Basel. Was löst der Entscheid bei Ihnen aus?
Er macht mich ausserordentlich froh.
Warum?
Weil ich finde, dass Herzog & de Meuron ein schlechtes Projekt entworfen haben. Es ist städtebaulich unhaltbar, überdimensioniert und unproportioniert, ein plumper Eingriff ins Stadtbild. Das Hochhaus wirkt als Fremdkörper, ist weder sorgfältig noch feinfühlig in die Umgebung eingepasst und hätte bei weitem kein Wahrzeichen abgegeben wie der Basler Messeturm, mit dem man ja auch in eine neue Dimension vorgestossen ist. Mich erstaunt, dass so gute Architekten städtebaulich so etwas Schlechtes planen konnten.
Die Verantwortlichen von Roche machen auch betriebswirtschaftliche Fragezeichen.
Man sieht sofort, dass sich so etwas nicht rechnet. Ich bin froh, dass man bei Roche einen kühlen Kopf bewahrt und die Notbremse gezogen hat.
Woran haben Sie gemerkt, dass die Rechnung nicht aufgehen kann?
Das Hochhaus hat Dimensionen, die auf der Basis der heutigen Bauvorschriften enorme Kosten verursachen. Es wäre ein reines Prestigeprojekt geworden.
Ging es also doch darum, dem famosen Campus von Novartis ein Roche-Denkmal gegenüberzustellen?
So sieht es aus, wobei Novartis kultivierter vorgegangen ist. Roche scheint sich gesagt zu haben: Wir haben keinen Platz, also bauen wir den Novartis-Campus vertikal nach und platzieren so viele Leute in einen Turm wie möglich. Entstanden ist ein Turm von Babel.
Bei Roche heisst es, man könne die Planung eines Hochhauses mit der Entwicklung eines Medikaments vergleichen. Auch dort rufe man nach vier Jahren zuweilen Halt. Überzeugt Sie diese Argumentation?
Überhaupt nicht. Im Gegensatz zu Forschungsprojekten in der Pharmabranche muss man in der Architektur die Welt nicht neu erfinden. Immobilien sind eine relativ einfache Wissenschaft. Mit diesem Projekt hat man vermutlich einige Millionen Franken unnötigerweise in den Sand gesetzt, aber falsch planen ist immer noch günstiger als falsch bauen.
Als Roche das Projekt 2007 der Öffentlichkeit vorstellte, zeigten die Pläne ein Auditorium für 500 Leute direkt über der Lobby. Offenbar wanderte das Auditorium später ins Untergeschoss. Sind so einschneidende Veränderungen bei Grossprojekten üblich?
Das ist durchaus üblich, aber ich glaube nicht, dass diese Planungsänderung das Projekt zu Fall gebracht hat.
Laut Roche wäre als Folge dieser Umplatzierung die Baugrube so gross geworden, dass sie die Statik der umgebenden Gebäude gefährdet hätte.
Ich glaube nicht an dieses Argument.
Das Hochhaus hatte gemäss Planung 8000 verschiedene Fensterformen; jede Scheibe war anders. Man reduzierte das Projekt auf 120 Formen. Haben die Architekten Herzog & de Meuron die Bodenhaftung verloren?
Die Scheiben sind ein schlechtes Beispiel. Dem Computer ist es nämlich egal, ob er 8000 Fensterformen schneiden muss oder nur 120. Das ist heute kein Preisargument mehr. Aber ich finde tatsächlich, dass die Architekten die Bodenhaftung verloren haben, und zwar in Bezug auf ihr Rollenverständnis. Sie verkaufen sich ja neuerdings als Lead Consultants, das heisst: Sie bauen nicht mehr, sondern überlassen die Niederungen des Bauens, der Technologie, der Kosten und Termine irgendwelchen Architekturbüros. Selber machen sie nur noch grosse Würfe.
Was sagt es über die Leistung der Architekten aus, wenn ein Hochhaus zwar wie geplant 550 Millionen Franken kostet, aber statt der vorgegebenen 2400 nur 2100 Arbeitsplätze Platz haben, also 12,5 Prozent weniger?
Sie haben ihre Aufgabe nicht erfüllt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 26.11.2008, 06:23 Uhr
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8 Kommentare
Das Design des Gebäudes ist spektakulär, nur passt es überhaupt nicht an den vorgesehenen Platz. Vielleicht können sie den Entwurf nach Shanghai oder Dubai verkaufen. Aber wenn die 2400 Arbeitsplätze wollen und nur soviel Land zur Verfügung haben, wie genau sollen sie anders als in die Höhe bauen? Also so ganz ohne Hintergedanken scheinen die Aussagen von Herrn Hofer nicht zu sein. Antworten
Ich finde nicht nur den jetzt annullierten Basler Bau eine städtebauliche Sünde, sondern auch der Monsterturm der in Zürich an der Hardbrücke im Kreis 5 entstehen soll eine Katastrophe.Die Attraktivität von Zürich wird durch Wolkenkratzer NICHT gesteigert. Nach neusten Studien sind Wolkenkratzer sogar ein ökonomisch und ökologisches Disaster, aber die Züricher schlafen mal wieder und träumen. Antworten
Nun über die Meinung von Herrn Hofer kann man denken was mann will, aber den Messeturm als Wahrzeichen von Basel zu bezeichen. Na ja. Der Messeturm ist ein fürchterlicher eckiger Klotz ohne Charakter und schon gar kein Wahrzeichen. Da wäre der Roche Turm sicher interessanter gewesen und hätte die grösseren Chancen gehabt ein echtes Wahrzeichen für Basel zu werden. Antworten
Ich hatte bereits Aufgegeben! Zum Glück gibt es bei Roche auch noch vernünftige Menschen. Ein Prestigeobjekt im Basler Stadtbild kann und will ich akzeptieren. Das "Kondom" von Roche war aber eher wie ein Elefant im Porzellanladen! Oft ist das Niveau in Basel leider auf dem Niveau des "blumigen Trögli" oder eins "liebliches graus(s)". Das habe ich mit der Stadtbildkommission leider genug erlebt! Antworten
Sie sind nicht, was sie zu sein meinen. Architekten sind keine Plastiker, sondern Erbauer. Das haben HdM längst vergessen. Und sie werden seit ihren ersten Häuschen vor 30 Jahren in Riehen nicht besser, nur weil sie einen "klingenden" Doppelnamen haben, sondern nur etwas grösser in der Dimension. Es repetiert langweilig nur dauernd Pseudo-Naturkopie, wo sie auch wirken. Innovation fehlt. Antworten
Das Problem sind die Bauherren: Ihr Verhalten ist vergleichbar mit Fashion-Victims, die Prada, Gucci und Co. nachrennen und alles kaufen, so lange das Budget was hergibt. Wenn Herford seinen Gehry hat, braucht Basel den Turm. Es ist unglaublich, mit welcher Penetranz in letzter Zeit die zuweilen auch fragwürdigen Leistungen von «Architekten» wie H&dM, Hadid, Gehry oder Libeskind gepusht werden. Antworten
Dem Computer ist es vielleicht egal, ob er 120 oder 8000 Fensterformen schneidet - allen anderen hingegen, die diese 8000 verschiedenen Fensterformen in die Hand nehmen und einbauen müssen wohl kaum. Was die Architektur anbelangt so frage ich mich oft auch, was das soll. Und wenn ich die Unterhalts- und Reinigungsabläufe studiere, kommen mir oft die Tränen. Schlichtheit kann auch sexy sein. Antworten

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Daniel Hartmeier
Turm hin oder her. Beim ersten Lesen dieses Artikels hatte ich den Eindruck einer Komplizenschaft zwischen Interviewer und Befragtem herauszulesen, um den zwei Architekten ans Bein zu pinkeln. Könnte man nicht etwas sachlicher fragen? Antworten