Panorama
Hooliganismus: «Unsere Polizisten halten die Köpfe hin»
Bilder, die keiner sehen will: Rauchpetarden der SCB-Fans. (Bild: Keystone)
«Unsere Polizisten müssen mitansehen, wie gewisse Hooligans von der Justiz milde angefasst werden»: Berner Polizeidirektor Hans-Jürg Käser.
Es waren Bilder, die keiner sehen will: Sekunden nachdem der EV Zug am letzten Montag gegen den SCB das vorentscheidende 2:1 erzielt hatte, warfen SCB-Anhänger Rauchpetarden und Knallkörper im eigenen Fansektor. Die 24-jährige Nicole Jordi erlitt ein Knalltrauma und einen Riss im Trommelfell.
Laut SCB-Sicherheitschef Peter Bischoff werden derzeit die Videobilder aus der Zuger Herti-Halle ausgewertet. «Dabei konnten wir bisher eine Person eruieren, die auffällig geworden ist.» Diese Person müsse mit Sanktionen rechnen. Diejenigen Personen, die Knallpetarden geworfen haben, müssen wegen Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.
«Schneller bestrafen»
SCB-Sicherheitschef Peter Bischoff wünscht sich, dass die Justiz nach Ausschreitungen «besser eingebunden wird». Es brauche «schnelle und drastische Strafen» für Hooligans. Der Polizeidirektor des Kantons Bern Hans-Jürg Käser stösst ins selbe Horn. Anlässlich einer Medienkonferenz der Kantonspolizei äusserte er sich vor zwei Wochen ausführlich zur Gewalt im Umfeld von Sportveranstaltungen und sprach von einem unhaltbaren Zustand: «Es kann doch nicht sein, dass an jedem Wochenende mehrere hundert Polizisten für die Sicherheit eingesetzt werden müssen.»
Gestern wiederholte Hans-Jürg Käser gegenüber dieser Zeitung die Forderung, dass Übergriffe «kompromisslos geahndet werden müssen». Wobei auch er Kritik an der Justiz übte: «Ich staune, wie Gerichtsbehörden in Einzelfällen sehr nachsichtig mit gewalttätigen Fans umgehen. Das unterläuft unsere Bemühungen.» Er erwarte, dass gewalttätige Fans mit aller Härte des Gesetzes sanktioniert werden.
«Unsere Polizisten halten die Köpfe hin, sie schlagen sich die Nächte um die Ohren und müssen dann mitansehen, wie gewisse Hooligans von der Justiz milde angefasst werden», sagt Käser. Er spielt damit auf ein Verwaltungsgerichtsurteil von dieser Woche an: Gegen zwei Fans des FC Thun waren im Mai 2007 ein Rayonverbot und ein schweizweites Stadionverbot ausgesprochen worden, weil die Polizei bei ihnen pyrotechnisches Material sichergestellt hatte. Dagegen wehrten sich die beiden Thuner bis vor das Verwaltungsgericht, vor dem sie Recht erhielten. Käser sagt : «Ich kann mir vorstellen, dass unsere Polizisten schon frustriert sind, wenn sie so etwas hören.»
«Das sind Gewalttouristen»
Su Elsener, die Fanbeauftragte des SCB, sagt, bei den Gewalttätern vom letzten Montag handle es sich mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nicht um Mitglieder eines organisierten SCB-Fanklubs: «Vor allem im Playoff kommen immer wieder Gewalttouristen, die man während der Saison kaum im Fanblock sieht.» Diese Leute seien allerdings schwer auszumachen: «Sie ziehen ihre Kapuzen hoch oder kehren ihre Jacken nach aussen. Sie sind darauf spezialisiert, in der Menge zu verschwinden.»
«Schlechte Stimmung»
Für langjährige SCB-Anhänger seien die gewaltbereiten Fans zum Problem geworden. «Sie schrecken die normalen Fans ab, viele haben Angst vor ihnen. Vom Imageschaden, der dadurch für den Verein entsteht, ganz zu schweigen.»
Darunter leide nicht zuletzt die Stimmung: «Es wurde noch nie so wenig gesungen im SCB-Fansektor wie während dieser Playoffs», hat Su Elsener festgestellt. (Berner Zeitung)
Erstellt: 13.03.2009, 07:44 Uhr
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