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Kampf gegen Bettlerbanden mit Onlinefotos von Kindern
Von Henrik Bork, Peking. Aktualisiert am 16.02.2011 5 Kommentare
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«Mach ein Foto und rette ein bettelndes Kind!» heisst die Aktion. Sie hat im chinesischen Internet eine Sensation ausgelöst. Mehrere Hunderttausend Menschen folgen täglich den Mikroblogs einiger Aktivisten, die bislang mehr als zweitausend Fotos von bettelnden Kindern veröffentlicht haben. Sie hoffen, die Kleinen so aus den Händen krimineller Banden retten zu können.
In China werden jedes Jahr Tausende kleiner Kinder zum Betteln gezwungen. Viele sind zuvor entführt worden. Aber es gibt auch verarmte Eltern, die ihre Kinder verkaufen. Oft brechen die Banden den Kindern die Beine oder verstümmeln sie, um das Mitleid unwissender Passanten zu erregen.
«Eigentlich sollte die Polizei diese Kinder retten», sagt Yu Jianrong, Professor der Pekinger Akademie der Sozialwissenschaften, der die Rettungsaktion gestartet hat. Twitter ist in China von der Zensur blockiert, doch twitter-ähnliche Mikroblogs haben mehr als 75 Millionen «Follower».
Jährlich 200 000 entführt
Professor Yu hatte die Idee zu der Aktion, als er die E-Mail einer verzweifelten Mutter erhielt. Hong Peiping hatte auf einem Foto im Internet ihren entführten Sohn Weixin wiedererkannt. Der Fünfjährige war am 20. Juli 2010 entführt worden, als die Grossmutter in Quanzhou vor dem Haus der Familie auf ihn aufpasste. Für die Eltern folgte das übliche, ebenso tränenreiche wie aussichtslose Spiessrutenlaufen zu Polizei und Behörden.
Nach Schätzungen von Phoenix TV aus Hongkong verschwinden jährlich bis zu 200 000 Kinder. Offizielle Zahlen gibt es nicht. Nur etwa ein Prozent der Kinder wird wieder gefunden.
Entführte Frauen und Kinder werden auch an Familien in anderen Provinzen verkauft, die kinderlos geblieben sind – ein florierender Handel. Ab und zu befreien die Behörden in einer Grossaktion mehrere Tausend Entführte, doch das geschieht selten.
Im Januar entdeckte Hong Peiping ein Foto im Internet. «Ich habe Weixin sofort wiedererkannt», sagt die Mutter. Ein Amateurfotograf hatte drei Kinder fotografiert, die behindert aussahen und in der Stadt Xiamen auf der Strasse betteln mussten. Das Foto war auf der Webseite «Baby, komm nach Hause!» erschienen, die sich entführten Kindern widmet.
Die Mutter fuhr sofort nach Xiamen. Sie erfuhr, dass eine kriminelle Bande jeden Tag mit den Kindern vor dem Hauptbahnhof erschien, um sie dort betteln zu lassen. Zehn Tage suchte sie mit Hilfe ihrer Familie die Umgebung des Bahnhofes ab. Weixin aber konnte nicht gefunden werden.
Soziologieprofessor Yu begann mithilfe einiger Freiwilliger, die 458 265 «Follower» seines Blogs zum Handeln zu bewegen. So wurde die Aktion «Mach ein Foto und rette ein bettelndes Kind!» geboren. Sein neuer Mikroblog hatte bis gestern 233 742 «Follower», ein weiterer Mikroblog ähnlichen Inhalts noch einmal mehr als 100 000.
Die Macht der Netzwerke
Für viele Beobachter zeigt das enorme Interesse an der Aktion, welche Macht die neuen sozialen Netzwerke in China haben. Während die staatlichen Medien und selbst Internetblogs stark zensuriert werden, haben die Mikroblogs dank ihrer Nutzung auf Handys eine Schnelligkeit erreicht, die selbst im riesigen China in kürzester Zeit landesweite Aktionen ermöglicht. «Endlich haben wir einfachen Leute ein Sprachrohr gefunden», sagt der Journalist Deng Fei von der Zeitschrift «Phoenix Weekly».
Der Einsatz von Professor Yu für die bettelnden Kinder hat jedoch nicht nur Beifall, sondern auch besorgte Kommentare ausgelöst. Manche Chinesen fürchten um das Leben der Kleinen. Seit dem 25. Januar läuft die Aktion. Bislang haben sich vier Elternpaare gemeldet, die auf den Bettlerfotos von Professor Yu ihre verlorenen Kinder entdeckt haben wollen. Gefunden wurde bislang noch keines der Kinder. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 16.02.2011, 10:00 Uhr
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