Panorama
Kupferdiebe stellen die SBB vor ein Rätsel
Begehrtes Diebesgut: Zwei SBB-Mitarbeiter arbeiten an den Leitungen. (Bild: Keystone)
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Die SBB sind mit einem neuen Phänomen konfrontiert: Diebe, die es auf Kupferdraht abgesehen haben und Erdungskabel in knapp vier Meter Höhe unterhalb den Fahrleitungen abschneiden. Die parallel zum Schienenstrang laufenden Erdungskabel dienen dazu, die Masten zu erden, sie vor einer Überspannung bei Kurzschlüssen oder Blitzeinschlägen zu schützen und einen Teil des Fahrstroms von der Lokomotive zurück zum Unterwerk zu führen. Bereits zum vierten Mal innerhalb einer Woche haben die Täter zugeschlagen:
- Am 17. September montierten die Diebe in Rümikon fast 300 Meter Erdungskabel ab. Sie wurden beim Abtransport aber vermutlich von einer SBB-Kontrollequipe verscheucht und flohen.
- Am 19. September stellte ein Lokführer fest, dass bei Döttingen mindestens 1500 Meter Erdungskabel fehlten.
- Am 20. September bemerkte ein Lokführer in Kaisten den Diebstahl von 1300 Meter Kupferkabel.
- Den jüngsten Fall verzeichneten die SBB am Mittwochmorgen. Ein Streckenläufer, der die Geleise kontrollierte, stellte in Würenlos den Diebstahl fest. Es wurden Erdungskabel auf einer Strecke von 425 Metern demontiert.
Laut Rudolf Woodtli, Sprecher der Aargauer Kantonspolizei, beträgt der Schaden im Fall von Würenlos rund 17'500 Franken. In den beiden vorangehenden Fällen wird er auf mehrere Zehntausend Franken beziffert. Der Preis für 1 Kilogramm Altkupfer beträgt rund 5 Franken. Das Kupfer wird wohl in den Osten abtransportiert. Die Täter sind vermutlich mit einem Lieferwagen unterwegs.
Einen solchen Wagen sahen die SBB-Angestellten wegfahren, als sie in Rümikon am Tatort eintrafen und das von den Dieben bereits in Stücke geschnittene und zum Abtransport bereitliegende Erdungskabel vorfanden.
Riskante Arbeit
Die Polizei geht davon aus, dass es sich um Profis handelt; vermutlich waren es immer die gleichen Täter gewesen. Woodtli: «Sie verfügen über Fachkenntnisse und sind professionell organisiert.» Die Diebe hätten die Fahrpläne studiert und dann zugeschlagen, wenn die Strecke nachts nicht befahren wurde. Zudem seien mehrheitlich einsame Waldstücke ausgewählt worden.
Noch unklar ist, wie die Täter die Kupferstücke zwischen den Masten abschneiden. Ob sie mit einer Leiter unterwegs waren, mit einer langen Zange die Kabel abschnitten oder ob sie gar auf die Masten kletterten - die Arbeit im Bereich der 15'000-Volt-Fahrleitungen ist in jedem Fall lebensgefährlich. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 24.09.2009, 06:44 Uhr



