Panorama
«Machenschaften im Grau- und Schwarzbereich»
Interview: Reto Hunziker. Aktualisiert am 08.01.2010
«Es ist skandalös»: Sara Stalder, Geschäftsleiterin des Schweizerischen Konsumentenschutzes.
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Frau Stalder, Sie glauben, dass sehr viele Tickets bewusst an den normalen Verkaufskanälen vorbeigeschleust werden, um damit auf dem Schwarzmarkt Geld zu machen. Wie kommen Sie zu diesem doch sehr happigen Vorwurf?
Nach dem letzten Auftritt von AC/DC in der Schweiz, als viele Fans leer ausgingen und dennoch überteuerte Tickets in Umlauf kamen, kritisierten wir die Schwarzhandel-Problematik und gelangten an die Branche. Wir wollten wissen, was man gegen den Schwarzhandel tun kann. Und waren ernüchtert, auf wie wenig Resonanz wir gestossen sind. Es entstand der Eindruck, dass die ganze Branche, das heisst, die gesamte Wertschöpfungskette, Interesse daran hat, dass möglichst viele Tickets nicht in den offiziellen Verkaufskanal kommen, sondern abgezweigt werden und in den Schwarzhandel gelangen, sei es über VIP-Tickets oder wie auch immer. Ziel ist, dass nicht der offizielle Preis, sondern ein Mehrfaches davon erzielt werden kann.
Alle Beteiligten sind daran interessiert?
Es macht den Anschein, dass alle Beteiligten interessiert sind.
Haben Sie Beweise dafür, oder vermuten Sie das nur, weil man Ihnen nicht bereitwillig Auskunft geben wollte?
Wir haben von vielen Vertretern auch nach wiederholtem Nachfragen keine Auskunft bekommen. Stattdessen gab es schwammige Antworten und Ausflüchte, die bei uns Verdacht aufkommen liessen. Auf unsere Umfrage, wie man den Schwarzmarkt eindämmen könnte, erhielten wir praktisch keine Rückmeldungen. Und auch als wir sie mit konkreten Vorwürfen der Konsumenten konfrontierten, wurden wir abgeblockt.
Halten Sie die Branche für korrupt?
Es ist ein Geschäft, in dem extrem viel Geld zu verdienen ist. Jeder probiert, auf irgendeine Art und Weise, sich einen Teil des Kuchens abzuschneiden. Die Methoden sind entsprechend im Grau- bis Schwarzbereich. Wir vermuten, dass man sich gegenseitig deckt. Und teilweise scheint das sogar im Interesse der Künstler.
Wie viele Tickets gelangen überhaupt in den offiziellen Verkauf?
Nicht einmal das haben wir herausfinden können. Als ich heute zum Beispiel um 8.21 Uhr bei alltickets.ch reinschaute, gab es für das AC/DC-Konzert schon undefiniert viele Tickets à 550 Franken zu haben. Da fragt man sich schon, wie das möglich ist.
Was schlagen Sie vor?
Wir fordern personalisierte Tickets, die nur gegen das Vorzeigen eines Personalausweises erhältlich sind. Ausserdem sollen pro Person nur eine kleine Anzahl Tickets erhältlich sein. Doch dagegen stellt sich die Branche quer.
Beim AC/DC-Konzert waren doch die Tickets auf zwei pro Person beschränkt.
Es gab dennoch Meldungen, dass es möglich war, mehr zu kaufen. Wir sind uns nicht schlüssig, wie viele es nun waren. Auf der Ticketcorner-Seite stand, vier Tickets seien erhältlich.
Wie lassen sich Ihre Forderungen durchsetzen?
Neue Gesetze schaffen ist ein langwieriger Prozess. Aus unserer Sicht wäre es gescheiter, wenn sich die Branche selbst zusammenraufen und sich im Stil einer Selbstkontrolle Regeln auferlegen würde.
Konsumenten beschweren sich auch, dass sie bei der Ticketcorner-Hotline zahlen müssen, nur um zu erfahren, dass alle Leitungen besetzt sind.
Es wird wirklich alles versucht, um Geld zu machen. Es ist skandalös. Allerdings muss betont werden, dass nicht jede Hotline eine kostenpflichtige Warteschlaufe hat. Auch ist nicht jedes Konzert gleichermassen belastet. Am schlimmsten sind jene Auftritte betroffen, die auf ein besonders grosses Interesse stossen. Je grösser der Ansturm, desto mehr Missbrauch.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 08.01.2010, 13:30 Uhr
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