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Massenrückruf für Silikonimplantate

Von Oliver Meiler. Aktualisiert am 21.12.2011 4 Kommentare

30'000 Französinnen tragen gefährliche Brustimplantate einer Bankrottfirma. Die Regierung ist besorgt.

«Ich will nicht mit Bomben im Körper leben»: Eine betroffene Frau mit zwei Silikonimplantaten in Paris.

«Ich will nicht mit Bomben im Körper leben»: Eine betroffene Frau mit zwei Silikonimplantaten in Paris.
Bild: Reuters

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Es gibt schon eine Notrufnummer, aber noch immer keinen genauen Aktionsplan. Die französische Regierung bestätigte gestern einen Exklusivbericht der Zeitung «Libération», wonach in den nächsten Tagen ein Appell an 30'000 Frauen ergehen wird, die sich in den letzten Jahren Brustprothesen einer bestimmten Marke implantieren liessen, dass sie ihren Chirurgen aufsuchen. Es handelt sich um Silikonkissen von PIP, einer Firma aus dem südfranzösischen Departement Var, die vor einem Jahr pleite gegangen ist.

Offenbar neigen die Produkte dazu, zu platzen. Bei zwei Französinnen, die kürzlich gestorben sind, geht man davon aus, dass ihr Tod eine Folge ihrer geplatzten Implantate gewesen sein könnte. Entsprechend gross ist die Verunsicherung. Mittlerweile haben 2000 Frauen wegen Komplikationen mit dem Produkt Klage eingereicht. Seit die Notfallnummer aufgeschaltet ist, haben sich bereits 5000 besorgte Frauen gemeldet.

Haftet der Staat?

Alle zuständigen nationalen Gesundheitsbehörden sind sich deshalb einig, dass die rund 30'000 betroffenen Frauen aufgefordert werden müssen, die Implantate zu entfernen. Ein Massenrückruf sozusagen – eine Premiere auf diesem Gebiet.Vor dem Gesundheitsministerium in Paris demonstrieren täglich Trägerinnen dieser Prothesen, von denen sich viele in einer Opfervereinigung zusammengeschlossen haben. Eine von ihnen sagte gegenüber «Libération»: «Ich will nicht mit zwei Bomben im Körper leben.» Die Sorge um die Gesundheit ist aber nur ein Aspekt ihrer Mobilisierung. Offen ist auch die Frage nach der Entschädigung, zumal es die Herstellerfirma ja nicht mehr gibt.

Für die Vereinigung der Geschädigten soll der Staat, der die Implantate der inkriminierten Firma einst zuliess, für die Folgen und die Ersetzung durch neue Kissen geradestehen – und zwar in allen Fällen. Doch das will das Ministerium offenbar nicht. Vollumfängliche Entschädigung soll nur den Frauen zustehen, die ihre Brüste nach einem Krebsleiden oder Unfall rekonstruieren liessen. Jene hingegen, die sich aus rein ästhetischen Gründen operieren liessen, etwa für eine Brustvergrösserung, sollen keine neuen Implantate bezahlt bekommen. Und diese zweite Kategorie ist bei weitem die grössere: Sie macht 80 Prozent aller Fälle aus.

«Implantate werden verharmlost»

Für Abdul Jandali, den Leitenden Arzt für Plastische Chirurgie am Kantonsspital Winterthur, der nie PIP-Produkte verwendet hat, ist die Verunsicherung der Frauen verständlich: «Implantate werden gemeinhin eher verharmlost, sind aber Fremdkörper im menschlichen Körper.» Es sei allerdings auch falsch, Angst zu schüren, da diese Silikonkissen vielen Frauen nach einem Verlust zu einer neuen Brust verhelfen würden – und so zu neuem Selbstbewusstsein.

Auch Jandali hat Anrufe von Patientinnen erhalten, die nach den ersten Meldungen aus Frankreich nach den benutzten Materialien gefragt hätten. Er habe sie alle beruhigen können. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.12.2011, 07:34 Uhr

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4 Kommentare

Bernhard Kobel

21.12.2011, 11:39 Uhr
Melden 5 Empfehlung

Mein Mitleid mit den Frauen hält sich in sehr engen Grenzen! Wer freitwillig Fremdkörper einoperieren lässt oder Fremdstoffe (z.B. für Tatoos oder Hautstraffung) in seinen Körper einspritzt, muss mit den Konsequenzen leben. Antworten


Roland Peter

21.12.2011, 19:09 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Was mich daran am meisten stört ist nicht nur die Produkthaftung, sonder der Umstand, dass in der CH alle Frauen mit Brustimplantaten jedes Jahr eine Pflichtuntersuchung von der KK bezahlt bekommen (1000.-), wären dessen der Rest der Frauen nach Jahren des Kampfes neu alle 2 Jahre eine Untersuchen machen dürfen. Antworten



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