Mexikanische Drogenbanden basteln sich Panzerfahrzeuge

Der Drogenkrieg in Mexiko nimmt immer kuriosere Formen an. Die Armee stellte mehrere gepanzerte Fahrzeuge der Marke Eigenbau sicher. Mann nennt sie «Monster».

In Mexiko werden sie «Monster» genannt: Panzerautos der Drogenmafia. (Video: Youtube)


Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Eine berüchtigte mexikanische Drogenbande hat sich mit gepanzerten Fahrzeugen für den Drogenkrieg im Norden des Landes gerüstet. Mexikanische Soldaten entdeckten in einer Lagerhalle des Golf-Kartells im Bundesstaat Tamaulipas zwei selbst gebaute Panzer.

Die Soldaten waren bei einem Einsatz in der Stadt Ciudad Camargo auf eine Gruppe bewaffneter Männer getroffen, wie ein Militärvertreter gestern sagte. Bei der Schiesserei wurden zwei der Männer getötet, zwei versteckten sich in der Lagerhalle.

23 Fahrzeuge standen zur Panzerung bereit

Dort entdeckten die Soldaten später die beiden Fahrzeuge, die mit zweieinhalb Zentimeter dicken Stahlplatten gepanzert waren. Zwei weitere Panzer waren demnach noch im Bau, 23 weitere standen zur Panzerung bereit.

Die Drogenbanden nutzen die Eigenbau-Panzer, die in Mexiko «Monster» genannt werden, im Kampf gegen verfeindete Kartelle und zum Schutz von Drogenlieferungen. Sie halten nach Militärangaben schwerem Maschinengewehrfeuer stand und können nur mit Panzerabwehrwaffen zerstört werden.

Im Mai hatten Polizisten bei einem Einsatz gegen das Drogenkartell Los Zetas ein gepanzertes Gefährt entdeckt, das 20 Insassen Platz bietet. Im Norden Mexikos kämpfen rivalisierende Drogenkartelle um die Schmuggelrouten in die USA.

Kampf gegen ehemalige Bosse

Im Bundesstaat Tamaulipas liefern sich das Golf-Kartell und die Bande Los Zetas seit vergangenem Jahr einen besonders brutalen Kampf. Los Zetas wurde von früheren Elitesoldaten gegründet, die in den 90er-Jahren desertierten, um für das Golf-Kartell zu arbeiten. Heute bekämpfen die Mitglieder von Los Zetas ihre ehemaligen Bosse.

In dem Dorf Guerrero entdeckten die Ermittler in rund 20 Gruben insgesamt 1314 verkohlte Knochenstücke, wie die Staatsanwaltschaft des nördlichen Bundesstaates Coahuila erklärte. Zudem hätten sie etwa 60 Patronenhülsen aus grosskalibrigen Waffen, Kleidungsstücke, Münzen und Teile von Armbanduhren geborgen.

Coahuila grenzt an die Bundesstaaten Durango und Tamaulipas, wo seit Anfang April insgesamt 409 Leichen in Massengräbern gefunden wurden. Seit der mexikanische Präsident Felipe Calderón bei seinem Amtsantritt Ende 2006 den mächtigen Drogenbanden des Landes den Kampf angesagt hatte, kamen in dem Drogenkrieg etwa 37'000 Menschen ums Leben. (mrs/sda)

Erstellt: 07.06.2011, 09:54 Uhr

Im Bundesstaat Tamaulipas tobt der Drogenkrieg zurzeit besonders heftig

Bildstrecke

Chronologie: Drogenkrieg in Mexiko

Chronologie: Drogenkrieg in Mexiko Mit der Amtsübernahme des früheren Präsidenten Felipe Calderón begann der Drogenkrieg in Mexiko. Innert fünf Jahren sind ihm fast 50'000 Menschen zum Opfer gefallen.

Artikel zum Thema

Orgie der Gewalt erschüttert Acapulco

Der Drogenkrieg hat Gräueltaten von nie dagewesenem Ausmass hervorgebracht. Mehr...

Drogenmafia treibt Keil zwischen Mexiko und USA

Während sich Mexiko vom Nachbarn gedemütigt fühlt, zweifeln die USA an den Ordnungskräften. Sie fürchten, der Drogenkrieg könnte übergreifen. Mehr...

Clinton hilft Mexiko im Drogenkrieg

Im Mexiko sind bei einer Schiesserei sieben Menschen getötet worden. Nach Behördenangaben stürmten Unbekannte während eines Fussballspiels das Gelände und eröffneten das Feuer. Jetzt helfen die USA. Mehr...

Weiterbildung

Kostenlose E-Books

Laden Sie in unserem Weiterbildungs-Channel kostenlos Ebooks herunter.

Kommentare

Abo

Digitale Abos

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt lesen:
Neu ab 18.- CHF pro Monat

Die Welt in Bildern

Lightshow: Ein Blitz entlädt sich während eines Sommergewitters über Bern (27. Juni 2017).
(Bild: Anthony Anex) Mehr...