Panorama
Mit künstlichem Fingerabdruck ein neues Leben
Von Martin Kölling, Tokio. Aktualisiert am 27.01.2009
Der Fall stärkt nicht gerade das Vertrauen in die biometrische Einreisekontrolle, die weltweit immer mehr umgesetzt wird: In Japan wurde zum Jahreswechsel erstmals bekannt, dass das hochmoderne Erkennungssystem der örtlichen Zollbehörden, das von jedem einreisenden Ausländer ein Bild schiesst und Fingerabdrücke von zwei Fingern nimmt, mit einem einfachen Trick ausgehebelt wurde: Eine mit einem Einreiseverbot belegte 51-jährige Südkoreanerin hatte sich ein spezielles Klebeband mit Fingerabdrücken auf die Fingerkuppen geklebt und so die Kontrolle überlistet. Ihr Motiv: Liebe.
Der Fall ist nicht nur ein Schlag für die Zollbehörden weltweit, sondern auch für Identifikationssysteme im Internet. «Alle bestehenden Identitätssysteme werden durch Passfälschungen, Sicherheitslücken bei der Web-Verschlüsselung SSL und nun sogar einen ausgetricksten Fingerabdruckleser praktisch wertlos», meint Dean Procter, Chef von Transinteract, einem ID-Solutions-Anbieter für Mobiltelefone.
Besonders brisant macht den Vorfall, wie einfach die Dame zu ihrer neuen Identität kam. Der japanischen Zeitung «Yomiuri» erzählte sie ihre Geschichte: 1999 ging sie als Touristin nach Japan und blieb ganz einfach da. Acht Jahre schlug sich die illegale Einwanderin als Tellerwäscherin und Barhostess durch, bevor die Behörden sie im Juli 2007 schnappten, auswiesen und ihr für fünf Jahre die Einreise verboten. «Aber ich wollte wirklich gerne zurückkommen – wegen eines Mannes, den ich in Japan kennengelernt hatte», so die namentlich nicht genannte Frau.
Zurück in Korea, kaufte sie sich im April 2008 von einem «Unterweltler» für nur 13 Millionen Yen (umgerechnet 11'000 Franken) einen gefälschten Pass und einen gummiartigen, fleischfarbenen Fingerabdrucküberzieher. Unter Anleitung des hilfsbereiten Gangsters klebte sie den Überzieher auf die Finger, flog ins nordjapanische Provinznest Aomori und passierte ohne Probleme die Grenzkontrolle. Besonders unangenehm wird die Angelegenheit für Japans Sicherheitsbehörden dadurch, dass diese Methode nach Aussage der Südkoreanerin recht häufig erfolgreich angewendet wird.
Auch die Einführung des elektronischen Passes, der ein Digitalfoto und zwei Fingerabdrücke speichert, dürfte wirklich entschlossenen Terroristen oder Verbrechern die Einreise lediglich erschweren, nicht aber verunmöglichen. «Es ist auf jeden Fall möglich, elektronische Pässe nachzumachen, es ist nur eine Frage des Preises», sagt Sicherheitsexperte Bruce Schneier, der vom bekannten britischen Magazin «Economist» zum «Sicherheitsguru» ernannt wurde.
Aber selbst richtige Ausweise mit falschen Identitäten zu ergattern ist möglich. «Ein grosses Problem ist synthetischer Identitätsraub», sagt Schneier. Dabei werden Details verschiedener Personen zu einer neuen Identität verschmolzen. Ausserdem ist das System nur so gut wie das schwächste Glied der Kette, sprich die 62 teilnehmenden Staaten. «Es ist auch möglich, sich einen Pass von korrupten Beamten mit einer falschen biometrischen Identität zu kaufen», so Schneier. Unter den Erstanwendern des elektronischen Passes ist beispielsweise Pakistan, dessen Regierung korrupt ist. (Basler Zeitung)
Erstellt: 27.01.2009, 06:58 Uhr


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