Mysteriöser Vorfall in der Nacht

«Es passierte innert weniger Sekunden»: M.G.* war in der Nacht auf Samstag mit vier Kollegen auf dem Heimweg, als in Thun ein junger Mann wenige Meter von ihnen entfernt in ein Auto gezerrt wurde.

Bremsspuren an der Hohmadstrasse: Laut Augenzeugen wurde hier ein junger Mann in ein Auto gezerrt.

Patric Spahni

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«Er schrie um Hilfe, doch wir konnten ihm nicht helfen. Alles ging blitzschnell.» Die 21-jährige M.G. aus der Region Bern war in der Nacht von Freitag auf Samstag zusammen mit vier Kolleginnen und Kollegen – alle sind sie Mitglieder des Chors der Thuner Seespiele – auf dem Heimweg zu einer Kollegin, als sie Zeugin eines merkwürdigen Vorfalls wurden.

Es passierte an der Hohmadstrasse: «Wir gingen die Strasse in Richtung Autobahn und waren etwa zwanzig Meter von der Bäckerei Rupp entfernt. Es war 0.50 Uhr, ich weiss das, weil ich gleich nach dem Vorfall auf die Uhr geschaut habe», erzählt M.G. Etwa zehn Meter vor ihnen wurde ein junger Mann in ein Auto gezerrt. «Das Auto, ein schwarzer Kleinwagen, kam in verbotener Richtung auf uns zugefahren, fuhr quietschend auf das Trottoir und bremste abrupt neben dem Mann. Der Beifahrer stieg aus, packte den Mann und stiess ihn auf den Rücksitz.» Erst als das Opfer – M.G. beschreibt es als zwischen 17- und 23-jährig – im Auto war, begann dieses «extrem laut zu schreien».

Auto war wohl schwarz

«Alles passierte innert weniger Sekunden, und wir waren so baff, dass wir erst nicht realisierten, was da passiert war», erinnert sich M.G. Das Auto sei in hohem Tempo, sehr wahrscheinlich in Richtung Autobahn, davongefahren. Keiner der fünf konnte sich das Autokennzeichen merken, jedoch ist man sich in der Gruppe einig, dass das Auto schwarz war und das Vorderlicht «nicht richtig brannte». M.G. mutmasst: «Es könnte sich um einen Fiat Punto oder einen Renault Clio handeln.» Die Augenzeugen sind sich nicht ganz sicher, ob sich auf dem Rücksitz des Autos noch eine dritte Person befand.

Keine Vermisstmeldung

J.M., einer der Gruppe, meldete den Vorfall der Polizei und bemerkte: «Ich bin mir sicher, dass das linke Lämpchen oberhalb des hinteren Nummernschilds ausgeschaltet war.» «Wir haben sofort Patrouillen vor Ort geschickt und mehrere Autos kontrolliert», sagte Polizeisprecher Heinz Pfeuti auf Anfrage. Die Hohmadstrasse sei überwacht worden. «Wir haben jedoch nichts Verdächtiges vorgefunden. Auch besagtes Auto wurde nicht gesehen», so Pfeuti. Man habe keine Anhaltspunkte, um weiterzusuchen: «Ausserdem wurde bis heute niemand als vermisst gemeldet.»

M.G. sagt: «Kurz vor dem Vorfall haben wir in der Gruppe darüber gesprochen, wie schlimm es sei, wenn jemand auf offener Strasse verprügelt werde und niemand helfe.» Sie ergänzt: «Dann wird ein Mann in ein Auto gezerrt, und wir konnten nicht helfen.»

*Namen der Redaktion bekannt. (Berner Zeitung)

(Erstellt: 18.08.2009, 12:08 Uhr)

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