Panorama

Olympia-Stadt Vancouver bekämpft Wanzen mit Hunden

Von Bernadette Calonego, Vancouver. Aktualisiert am 20.01.2010

Mit ihrer untrüglichen Spürnase sind Hunde menschlichen Kammerjägern weit überlegen. Sie erschnüffeln die Wanzenplage meist bereits in ihren Anfängen.

Ein Feind hat die Stadt Vancouver fest im Griff: die Bettwanze. An ihrem Vormarsch wird auch der Einsatz von 15'000 Polizisten, Sicherheitsleuten und Soldaten nichts ändern. Die bis zu sechs Millimeter langen Blutsauger haben sich in der kanadischen Westküstenmetropole erstaunlich schnell ausgebreitet. Mit der Invasion von Sportlern, Funktionären und Touristen im Februar wird sich die Plage noch verschlimmern. Aber gegen das Ungeziefer gibt es eine Geheimwaffe: Frankie, der Wanzenspürhund.

«Frankie riecht Bettwanzen wie andere Hunde Bomben und Drogen», sagt Sean Rollo, ein Schädlingsbekämpfer bei der Firma Orkin. «Er ist schneller und besser als menschliche Kammerjäger.» Gerade ist Frankie von seinem jährlichen Fortbildungskurs in Florida nach Vancouver zurückgekehrt. Der zwei Jahre alte Jack Russel Terrier, der einst aus einem Tierheim in Florida gerettet wurde, kann die Wanzenplage bereits in ihren Anfängen erschnüffeln.

Bettwanzen sind schon länger ein Problem in Vancouver. In den vergangenen zehn Jahren hätten die Anrufe von wanzengeplagten Vancouveriten bei seiner Firma um 600 Prozent zugenommen, sagt Rollo. «Wanzen können aus Hotels mitgeschleppt werden, oder von der Wohnung zur Arbeit, und sie breiten sich von einer Wohnung zur andern aus», sagt er.

Trauma wegen Schlaflosigkeit

Selbst die exklusivsten Villen und die teuersten Hotels können betroffen sein, denn mangelnde Sauberkeit ist nicht der Grund für die Plage. Frankie, nach fast 600 Stunden Training an der Canine Academy in Florida Vancouvers bekanntester Kammerjäger, wird häufig auch zur Prävention eingesetzt. Hauseigentümer und Mieter wollen sicher stellen, dass ihre Räume nicht befallen sind. «Hotels heuern uns oft an und lassen Frankie das Gebäude von oben bis unten ausschnüffeln», sagt Rollo. Der Hund kann nicht nur Ungeziefer aufspüren, sondern auch die Eier, von denen ein Wanzenweibchen bis drei Stück pro Tag legt.

Experten erwarten, dass die Wanzenplage mit den Olympischen Winterspielen im Februar drastisch zunehmen wird, wie in der australischen Hauptstadt Sydney während der Olympiade im Jahr 2000. «In 95 Prozent der Hotels in Sydney war mindestens ein Zimmer befallen», sagte David New von Bed-bugs.co.uk, einer britischen Wanzenbekämpfungsfirma.

Wanzen, die so gross wie ein Apfelkern sind, ernähren sich von menschlichem und tierischem Blut und werden von Körperwärme angezogen. Ihre Bisse hinterlassen bei vielen Menschen schmerzhafte, juckende Striemen, aber auch ein psychisches Trauma, weil die Opfer nicht mehr schlafen können und sich völlig ausgeliefert fühlen.

Kein Gegengift

Richard Taki, Direktor bei der Gesundheitsbehörde Vancouver Coastal Health, kann den Schrecken nachvollziehen. «Sobald man die Tür eines stark befallenen Raumes öffnet, bewegen sich die Wanzen auf einen zu», sagt er. «Manchmal sieht man Tausende von ihnen unter einer Matratze.» Es sei sehr schwierig, Wanzen loszuwerden, sagt Taki, es sei eher eine Frage, die Pest unter Kontrolle zu halten als sie zu beseitigen. Da Wanzen keine Krankheiten übertrügen, gebe es keine strengen Gesetze für deren Bekämpfung. Taki sagt, dass viele Reisende Wanzen im Gepäck oder in den Kleidern mitschleppten. Die Verbreitung der Blutsauger habe weltweit zugenommen, seit Gifte gegen Schädlinge, etwa DDT, verboten wurden. «Es gibt heute kaum wirksame Pestizide gegen Wanzen.» Ob die Olympiade die Plage drastisch ausweiten werde, will er nicht voraussagen.

Einen Tipp für Olympia-Touristen hat Mark Amery von der Firma Vancouver Bed Bug Control Inc. «Aufpassen, wo man sich hinlegt», sagt er. «Wenn man ein Zimmer betritt, die Matratze umdrehen und genau hinsehen.» Auf der Website Bedbug-Registry (Bettwanzenverzeichnis) können Besucher zudem nachlesen, welche Gebäude von der Plage betroffen sind.

Im Notfall bleibt Frankies untrügliche Nase. Weil der Vierbeiner so gefragt ist, will Sean Rollo weitere Hunde anheuern. Schliesslich soll nicht passieren, was ein Blogger auf der Website des kanadischen Fernsehens CBC prophezeit: «Es sieht so aus, als ob die olympischen Athleten mehr als ihre Medaillen nach Hause tragen könnten.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.01.2010, 09:48 Uhr

Panorama

Populär auf Facebook Privatsphäre


Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Grandioses Berg-Erleben.

Weltberühmte Berge und 100 Jahre Jungfraubahn: Sommerurlaub vor der schönsten Kulisse der Welt!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.