Panorama

Peer Steinbrück ist im falschen Film

Von Marc Brupbacher. Aktualisiert am 30.04.2009 20 Kommentare

Die Spannungen zwischen der Schweiz und Deutschland löste Peer Steinbrück mit seiner Bemerkung von der «siebten Kavallerie von Yuma» aus. Der Vergleich hinkt gewaltig und ist in mehrerer Hinsicht falsch.

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Offiziere der siebten Kavallerie: Am 29. Dezember 1890 massakrierten sie über 350 Männer, Frauen und Kinder der Sioux-Indianer. Dieses Massaker brach den letzten Widerstand der Indianer gegen die Weissen.

   
Das siebte Kavallerie-Regiment der US-Armee existiert heute noch und war auch im Irakkrieg im Einsatz. Der Spitzname der Einheit ist «Garry Owen», benannt nach dem irischen Trinklied «Garryowen».

Das siebte Kavallerie-Regiment der US-Armee existiert heute noch und war auch im Irakkrieg im Einsatz. Der Spitzname der Einheit ist «Garry Owen», benannt nach dem irischen Trinklied «Garryowen».

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Am EU-Gipfel in Brüssel vom Freitag sagte der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück: «Ich habe gelernt, so unmissverständlich wie möglich zu formulieren, wenn es um die Schweiz geht.»

Doch analysiert man seine metaphorische Kavallerie-Drohung etwas genauer, ist sie alles andere als verständlich. Steinbrück hatte die Drohung mit einer schwarzen Liste gegenüber der Schweiz mit der «siebten Kavallerie vor Yuma» verglichen, die man auch ausreiten lassen könne. «Aber die muss man nicht unbedingt ausreiten lassen. Die Indianer müssen nur wissen, dass es sie gibt», so Steinbrück.

Da hat sich Steinbrück wohl etwas in der Geschichte vergriffen: Die siebte Kavallerie von Yuma hat es gar nie gegeben. Zwar existiert eine siebte US-Kavallerie sehr wohl – auch heute noch – doch war sie nie in Yuma stationiert.

Die siebte Kavallerie hat versagt

Auch wirken die Einschüchterungsversuche mit der siebten Kavallerie im historischen Wissen um diese Versager-Kavallerie lächerlich. Denn kein Indianer braucht sich vor der Siebten zu fürchten. Am 25. Juni 1876 wurde das besagte Regiment unter General George Armstrong Custer von den Indianern am Little Big Horn im heutigen Montana vernichtend geschlagen.

Es war einer der ganz wenigen grösseren indianischen Siege gegen die amerikanischen Eindringlinge. Die Niederlage ist laut heutigen Analysen massgeblich der Selbstüberschätzung des Kriegstreibers Custer zuzuschreiben.

Peer im falschen Film

Vielleicht hat Steinbrück den Vergleich aber auch nur gemacht, weil er Western-Filme mag. Zum Beispiel den Streifen «Fort Yuma» (1955), in welchem die siebte Kavallerie aber keine Rolle spielt. Auch in «3:10 to Yuma» (2007) oder der TV-Serie «Yuma» (1971) gibt es eine solche Kavallerie nicht. Umgekehrt spielt der Western «7th Cavalry» nicht in oder vor Yuma. Peer Steinbrück scheint im falschen Film zu sein.

Die Stadt Yuma liegt am Colorado River und ist etwa 38 Kilometer von der mexikanischen Grenze entfernt. Die siebte Kavallerie kämpfte hingegen im Norden.

Schaut Steinbrück Mangas?

Die siebte Kavallerie und Yuma passen also nicht zusammen. Das heisst, es gibt eine Ausnahme, wie der Blogger Plapperstorch herausgefunden hat. Es gibt eine japanische Manga-Serie namens «Saber Rider und die Starsheriffs» und darin kommt sowohl Yuma-City als auch eine siebte Kavallerie vor (Folge 51 und 52).

Der Erfolg der Serie in Japan war gering. Auf dem deutschen Markt war die 1987 umgearbeitete Version hingegen sehr erfolgreich.

Kein Aufschrei wegen der «Fleet in Beeing»

Interessanter als der Yuma-Vergleich ist aber ohnehin die Anspielung auf den Ausdruck der «Fleet in Being» gewesen, der Steinbrück ebenfalls benutzte – nur fiel das niemandem auf. Dabei ist dieser kriegerische Ausdruck im Kontext der deutschen Geschichte sehr viel heikler als irgendwelche Indianer-Vergleiche, die mehr an Fasnacht als an eine Drohung erinnern.

Der Begriff stammt laut Wikipedia aus dem pfälzischen Erbfolgekrieg (1690) und meint eine Flotte, die alleine durch ihre Existenz, ohne den Hafen zu verlassen, das Kriegsgeschehen beeinflusst. Die reine Möglichkeit eines Auslaufens dieser Flotte zwingt den Gegner seinerseits ausreichend Streitkräfte bereitzuhalten.

Während des Zweiten Weltkrieges bedrohte die deutsche Flotte in Norwegen mit dem Schlachtschiff Tirpitz die alliierten Konvois im Nordmeer. Dies zwang die Briten ihre Konvois mit starken Kräften zu schützen, obwohl die deutschen Schiffe selten ausliefen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.04.2009, 17:44 Uhr

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20 Kommentare

Monika Bühler

23.03.2009, 11:33 Uhr
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Wieder einmal mehr wird Peer's Geschrei als Verschleierung seiner Unwissenheit entlarvt. So interessant dieser Artikel auch ist, noch mehr Raum würde ich diesem Unwissenden nicht einräumen. Antworten


roly brunner

23.03.2009, 11:22 Uhr
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Toll. Das ist die wichtigste Meldung der Woche. Darauf hat die ganze Menschheit gewartet. Danke! Gäbe es keine Presse.... die Schweiz stünde nicht so negativ im Rampenlicht... Tia.. traurig eigentlich. Antworten



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