Fabrice A. ist verschwunden

Im Fall der getöteten Adeline M. läuft die Suche nach dem verdächtigen Täter in der Region Basel auf Hochtouren. In Weil am Rhein wurde ein Gebäude umstellt. Eine Spur der Polizei verläuft sich bei Bahngleisen.

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Der verurteilte Vergewaltiger Fabrice A. ist weiterhin flüchtig. Er wird dringend verdächtigt, die Sozialtherapeutin Adeline M. aus Genf umgebracht zu haben. Fabrice A. war in Genf inhaftiert, wurde jedoch von der Sozialtherapeutin gestern Abend zu einer Therapiesitzung begleitet. Die Genfer Behörden haben in einer Pressekonferenz über den Fall informiert. .

Im deutschen Weil am Rhein bei Basel umstellte die Polizei am Freitag mit einem grossen Aufgebot das alte Zollhaus, wie die «Badische Zeitung» berichtet. Die Aktion stand in Zusammenhang mit dem flüchtigen Fabrice A. Aufgrund einer Handyortung habe eine konkrete Spur zum Alten Zollhaus in Weil geführt, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion zu Berichten auf Onlineportalen diverser Zeitungen. In der Folge seien ein Restaurant und eine Ludothek durchsucht worden.

Handy geortet

In der Nacht auf Freitag hatte die Polizei mit Unterstützung eines Helikopters im Raum Basel nach der Frau und dem Straftäter gesucht. Am Freitag kam es dann zu dem Grosseinsatz in Weil am Rhein.

Später fand ein Polizeihund eine Spur des Gesuchten. Diese verlor sich jedoch an einem Bahngleis. Wie die «Badische Zeitung» schreibt, erhielten die deutschen Behörden am Freitagnachmittag zudem den Hinweis, dass Fabrice A. in einem Tram in Richtung Riehen gesehen worden sein soll. Der Täter könne sich deshalb im Bereich Lörrach-Stetten aufhalten. Einen konkreten Anhaltspunkt für diese Vermutung gebe es allerdings nicht. In einer Mitteilung warnen die Behörden vor dem flüchtigen Straftäter, der gefährlich und möglicherweise bewaffnet sei.

Bei der Suche kam auch ein Polizeihelikopter mit Wärmebildkamera zum Einsatz. Die Maschine der deutschen Polizei war zweimal während je einer halben Stunde um Mitternacht und zwischen 2 und 3 Uhr früh unterwegs. Bei der Suche nach der Sozialtherapeutin wurde die Basler Polizei von Polizeikräften aus dem Baselbiet sowie aus Frankreich und Deutschland unterstützt. Auch die Grenzwache half bei der Suche mit.

Leiche gefunden

In Versoix bei Genf fand die Polizei bereits am Donnerstagabend die Leiche von Adeline M. Laut den Behörden lag die Leiche in einem Sack im Wald von Versoix.

Wie die Zeitung «Le Matin» berichtet, soll Fabrice A. kurz vor der mutmasslichen Tat in Begleitung seiner Opfers ein Messer gekauft haben. Er sei dazu befugt, weil er ein Messer braucht, um die Hufe von Pferden zu behandeln. Ob er Adeline M. damit getötet hat, ist noch nicht klar. Gemäss «Le Matin» soll Fabrice A. seine Opfer bereits bei zwei früheren Vergewaltigungen, für die er verurteilt wurde, mit Messern bedroht haben.

Therapie im Reitzentrum

Die 34-jährige Sozialtherapeutin und Mutter eines Kleinkindes Adeline M. sollte am Donnerstagvormittag den wegen schwerer Vergewaltigung verurteilten Fabrice A. zu einer Therapiesitzung in ein Reitzentrum in der Nähe Genfs bringen. Die beiden sind dort aber nie angekommen, und Adeline M. war telefonisch nicht mehr zu erreichen.

Die Genfer Polizei sucht zusammen mit weiteren Polizeikorps im In- und Ausland weiterhin fieberhaft nach Fabrice A. Er war mit Adeline M. zuletzt in einem weissen Citroën Berlingo mit dem Kennzeichen GE 719 149 unterwegs.

Gefährlicher Verbrecher

Der 39-jährige Fabrice A. war im Zentrum für Sozialtherapie La Pâquerette untergebracht. Das Zentrum ist auf psychisch auffällige, gefährliche Verbrecher spezialisiert und dem Gefängnis Champ-Dollon sowie universitären Einrichtungen angeschlossen. Den Insassen würde in La Pâquerette auch beigebracht, in einer Gruppe und in Freiheit zu leben, erklärt ein Anwalt in «Le Matin». Man habe Fabrice A. sicher so eingeschätzt, dass er keine Gefahr darstelle.

Die verantwortlichen Behörden werden nun Antworten liefern müssen. «Weshalb liess man eine junge Frau alleine mit einem Vergewaltiger fahren?», fragt ein Polizist in der «Tribune de Genève». Weshalb war der Häftling nicht von einem Polizisten begleitet? Wer hat auf welcher Basis über die Freigänge für Fabrice A. entschieden?

Frau in Kofferraum eingesperrt

Der schweizerisch-französische Doppelbürger sitzt in der Schweiz eine zehnjährige Haftstrafe wegen schwerer Vergewaltigung ab. Sein Verbrechen hat er vor einigen Jahren unweit des Genfer Flughafens begangen. Er hatte dabei laut «Le Matin» eine Frau unter anderem im Kofferraum eines Autos eingesperrt.

In der Romandie weckt der Fall Erinnerungen an den Mord an der jungen Waadtländerin Marie. Sie wurde im letzten Mai das Opfer von Claude Dubois, einem vorzeitig aus dem Gefängnis entlassenen Mörder.

In Frankreich zu 15 Jahren verurteilt

Der flüchtige Fabrice A. hat bereits in Frankreich wegen Vergewaltigung im Gefängnis gesessen. 2003 hat ihn ein Gericht im westlich an Genf angrenzenden Departement Ain zu 15 Jahren verurteilt, für ein Verbrechen, das er zwei Jahre zuvor an einer ehemaligen Arbeitskollegin begangen hatte.

Fabrice A. hatte die junge Frau unter dem Vorwand, ihr bei der Wohnungssuche zu helfen, in ein Versteck in Ferney-Voltaire bei Genf gelockt, wie «Le Matin» berichtet. Dort bedrohte er sie mit einem Messer und verging sich mehrmals an ihr. Danach raubte er der Frau 25'000 Franken und setzte sich nach Dublin ab. Später kehrte er nach Frankreich zurück, wo er der Fremdenlegion beitreten wollte.

Doch bereits zuvor vergewaltigte Fabrice A. Dem Gericht sagte er 2003 laut «Le Matin»: «Im Unterschied zu meiner ersten Vergewaltigung nahm ich keine Präservative mit. Seit meiner ersten Tat trage ich eine mächtige Vergewaltigungsfantasie mit mir herum. Das ist für mich ein guter Trip.» (rub/wid/kle/sda)

(Erstellt: 13.09.2013, 23:51 Uhr)

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