Presseschau: «Neonazi-Überfall» geht um die Welt

Der angebliche Überfall auf die Brasilianerin am Bahnhof Stettbach macht rund um den Globus Schlagzeilen. Vom «Spiegel» über die «BBC» bis zum «China Daily» wird über den Fall berichtet.

Das Thema geht um die Welt: Bilder der Verletzungen der Brasilianerin auf der spanischen  «O Globo».

Das Thema geht um die Welt: Bilder der Verletzungen der Brasilianerin auf der spanischen «O Globo».

Selbst in der chinesischen Presse: Der mutmassliche Übergriff in Zürich sorgte weltweit für Schlagzeilen. (Montage: Andreas Glutz)

Selbst in der chinesischen Presse: Der mutmassliche Übergriff in Zürich sorgte weltweit für Schlagzeilen. (Montage: Andreas Glutz)

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Die grösste Aufmerksamkeit hat der Fall der Brasilianerin, die angeblich von Neonazis am Bahnhof Stettbach überfallen worden ist, in ihrem Heimatland erregt. Dort war der Fall erstmals publik geworden, dort wird der Fall auch auf den Titelseiten der Zeitungen abgehandelt. Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat sich entrüstet über den Fall gezeigt und gesagt, dass die brasilianische Regierung bereits von der Schweiz gefordert habe, den Fall möglichst rasch und mit aller Strenge aufzuklären. Einen Fall von solcher Gewalt gegen eine Brasilianerin im Ausland kann man nicht hinnehmen.

Die beiden grössten Blätter «O Globo» und «Folha de São Paulo» widmen dem Angriff nicht nur eine einspaltige Meldung auf der Frontseite, sondern auch grosse Artikel im Innern der Zeitung. Die Tonalität ist quer durch das Land dieselbe. Die Medien folgen im Grossen und Ganzen der Version, welche der Vater des Opfers verbreitet. Der Vorfall wird als «schockierend» eingestuft. «Neonazis foltern Brasilianerin in der Schweiz» lautet die Überschrift im «O Etsado de São Paulo». «Folha de São Paulo» schreibt, nicht weniger eindeutig, «Brasilianerin wird Ziel von Skinheads in der Schweiz und verliert Zwillinge». Die Zweifel, die in der Schweizer Presse inzwischen aufgekommen sind, werden zwar gemeldet, aber zumeist als Medienphänomen abgetan.

China Daily zitiert Oskar Freysinger

Zahlreiche Medien im englischsprachigen Raum zitieren den brasilianischen Aussenminister. Dieser hatte sich gegenüber der Nachrichtenagentur AP geäussert und seine Überzeugung betont, dass es sich um einen fremdenfeindlichen Anschlag handelt. «China Daily» oder auch der «Boston Herald» stellen die Tat in den Zusammenhang mit dem harten Ausländerkurs der SVP. Während sich SVP-Exponenten in Schweizer Medien bisher nicht zu Wort gemeldet haben, wird SVP-Nationalrat Oskar Freysinger zitiert. Gegenüber «BBC News» sagt der Nationalrat aus dem Wallis, der Täter würde sofort aus der Partei ausgeschlossen, sollte er Parteimitglied sein.

Auch in der deutschsprachigen Presse ist das Thema sehr präsent. «Neonazis misshandeln Schwangere», titeln «Kurier.de» und «Stern.de». Der Stern illustriert seinen Bericht mit dem Logo der SVP. Die Stellungnahme der Stadtpolizei Zürich, wonach die Umstände des Vorfalles noch völlig unklar sind, liest man auf diesen Seiten indes nicht. Die «Frankfurter Rundschau» zitiert den Vater des Opfers. Ihm zufolge habe die Zürcher Polizei dem Opfer unterstellt, den Angriff provoziert zu haben. Distanzierter verarbeitet die Onlineausgabe des «Spiegel» das Thema. Er titelt: «Verletzte Brasilianerin gibt Polizei Rätsel auf.»

«O Globo»: Schweizer Neonazis greifen Brasilianerin an
Die Regierung hat angekündigt, das sie den Fall vor das Hochkommissariat für Menschenrechte der Uno bringen könnte, weil es im Fall starke Indizien für Fremdenfeindlichkeit gibt. Sie hofft, dass die Uno den Schweizer Behörden empfiehlt, Massnahmen zu egreifen, dass solche Vorfälle nicht mehr vorkommen.

«China Daily»: Schockierender Angriff auf Brasilianerin in der Schweiz
«Das sind sehr starke Anzeichen von Fremdenfeindlichkeit», sagt der brasilianische Aussenminister Celso Amorim. «Die Person wurde nicht ausgeraubt und offenbar nicht vergewaltigt. Das zeigt, dass eine andere Motivation bestanden haben musste.»

«BBC News»: Rassistische Attacke wühlt Brasilien auf
«Das ist ein Land, in dem die Gesetze gelten, wo alle Menschen Respekt verdienten», sagt Oskar Freysinger, ein Hardliner der Schweizerischen Volkspartei. «Wenn das wirklich jemand von unserer Partei war, würden wir nicht eine Sekunde lang zögern. Diese Person würde sofort rausgeworfen.»

«Boston Herald»: Skinhead-Angriff auf Brasilianerin schockiert die Schweiz
Die Schweizerische Volkspartei hat einen harten Kurs gegen Einwanderer eingeschlagen. Sie führte eine sehr angriffige Kampagne gegen Einwanderer.

«Frankfurter Rundschau»: Brasilianerin gequält
Die Zürcher Polizei habe dem Opfer unterstellt, den Angriff provoziert zu haben, sagte der Vater des Opfers empört.

«Spiegel»: Verletzte Brasilianerin gibt Polizei Rätsel auf
«Brasilianische Medien suggerieren, Paula Oliveira sei Opfer eines Neonazi-Überfalls geworden - die Ermittler schliessen nicht aus, dass sie sich selbst verletzte.»

«ORF»: Schwangere in der Schweiz von Neonazis misshandelt
Danach wurde ihr auf dem ganzen Körper immer wieder «SVP» eingeritzt, das Kürzel der rechtsgerichteten Schweizer Volkspartei, die jahrzehntelang von dem umstrittenen Politiker Christoph Blocher geprägt worden war. (Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)

Erstellt: 13.02.2009, 12:07 Uhr

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