Russische U-Boote erhalten Greifarme für Mission im Genfersee

Die beiden U-Boote, die das Ökosystem im Genfersee erforschen sollen, haben im Wallis den letzten Schliff erhalten. Die Mir 1 und die Mir 2 , die bereits nach dem Wrack der Titanic tauchten, sind nun fast einsatzbereit.

Kostenspieliges Unterfangen: Pro Tag kostet ein U-Boot 10'000 Franken. (Video: Keystone)

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Die zwei russischen U-Boote, die am 14. Juni im Rahmen eines Forschungsprojektes zum ersten Mal in den Genfersee abtauchen, werden zurzeit in Le Bouveret VS mit den nötigen technischen Geräten ausgerüstet. In zwei Camions waren sie von Kaliningrad via Litauen, Polen und Deutschland bis nach Le Bouveret am Genfersee gebracht worden.

Die Reise in die Schweiz dauerte etwas länger als geplant. Der Konvoi sei übers Wochenende an der Grenze bei Rheinfelden AG festgesteckt, wie Michael Krasnoperov vom Honorarkonsulat der Russischen Föderation in Le Bouveret erklärte.

Zurzeit werden die beiden je rund 18 Tonnen schweren Mir-U-Boote, die schon beim Wrack der Titanic waren, auf ihren Einsatz im Genfersee vorbereitet. Sie erhalten etwa aussen festgemachte Greifarme, bewegliche Lampen und Kameras. Ein wenig erinnern sie an zwei Rieseninsekten.

Insgesamt haben drei Personen im Innenraum der U-Boote Platz. In der Regel wird ein Pilot mit zwei Forschern in die Tiefen des Genfersees tauchen - bis auf gut 300 Meter hinunter. Gesteuert werden die U-Boote von Spezialisten der Russischen Akademie der Wissenschaften, die schon Tiefsee-Expeditionen in der Arktis und im Baikalsee durchgeführt haben. Anatoly Sagalevitch, der die Mir-U- Boote konzipiert hatte, beaufsichtigt das Unterfangen.

Messung von Mikroverschmutzungen

Das Projekt namens Elemo mit mehreren Forscherteams soll das Ökosystem des Genfersees besser erforschen. Beteiligt sind neben der ETH Lausanne (EPFL), die das Programm leitet, auch die Universitäten Genf und Neuenburg, das Wasserforschungsinstitut Eawag sowie Institute aus Frankreich, Grossbritannien, Russland und den USA.

Der Forschungsschwerpunkt liegt in den Bereichen Geologie, Mikrobiologie, Biochemie und Physik. So soll etwa untersucht werden, wo sich Mikroverschmutzungen, die zu klein sind, um von den Kläranlagen abgefangen zu werden, innerhalb des Sees ablagern. Auch beschäftigen sich die Forscher mit Mikroorganismen und Bakterien. Sie wollen untersuchen, wo und wie diese im See verteilt sind. «Unklar ist beispielsweise, warum es im See Bakterienmatten gibt», erklärt EPFL-Professor Ulrich Lemmin.

Dank den gesammelten Informationen könnten in einem nächsten Schritt zudem so genannte «Coctail-Effekte» erforscht werden, sagt Lemmin weiter. Bei diesem Effekt geht es darum herauszufinden, wie sich die verschiedenen chemischen Stoffe und Organismen gegenseitig beeinflussen.

Tauchgänge bis 20. August

Zudem werden die Forscherteams die Sedimentablagerungen im See, Unterwasserströmungen sowie die Topographie des Sees unter die Lupe nehmen. «Am Boden des Genfersees gibt es an gewissen Stellen Kissenstrukturen», sagt Lemmin. Man wisse jedoch nicht, warum diese entstanden seien. Zudem habe man festgestellt, dass die Kissen andere chemische Stoffe enthielten als die Gräben zwischen den Kissen, sagt er weiter.

Vorgesehen ist, die U-Boote für die Forschungsarbeiten bis zum 20. August einzusetzen. Das ganze Projekt dauert voraussichtlich fünf Jahre. Unterstützt wird das Vorhaben von der in Saint-Prex VD ansässigen Firma Ferring Pharmaceuticals mit drei Millionen Franken und vom Honorarkonsulat der Russischen Föderation mit einer Million.

Insgesamt existieren weltweit vier Mir-U-Boote. Neben den beiden im Wallis befinden sich eines in Frankreich und eines in Japan. Der russische Name «Mir» bedeute übersetzt «Friede». (miw/sda)

Erstellt: 01.06.2011, 10:29 Uhr

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