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Schmieren für den Erfolg

Von Ueli Kägi. Aktualisiert am 22.10.2010 2 Kommentare

Wenn es um Milliardenprojekte geht, wird im Sport betrogen wie in allen anderen Wirtschaftszweigen.

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Die «Sunday Times» hat aufgedeckt, dass zwei Exekutivmitglieder des Weltfussballverbands (Fifa) bereit gewesen wären, für 800'000 respektive 2,4 Millionen Franken ihre Stimme für die WM-Vergabe zu verkaufen. Der Fall stützt die weit verbreitete Meinung, in den grossen, reichen Sportverbänden wie der Fifa oder dem Internationalen Olympischen Komitee (IOK) werde besonders tüchtig gemauschelt und gemischelt. Empirisch allerdings kann die Vermutung nicht belegt werden. Es gibt gar Studien, die zeigen: Im Sport ist Korruption weniger verbreitet als in der Verwaltung oder in der Politik. Oder in der Wirtschaft, wie Wolfgang Maennig, Ökonomieprofessor an der Universität Hamburg, sagt: «Es gibt kaum ein grosses deutsches börsenkotiertes DAX-Unternehmen, dass in keinen grossen Korruptionsskandal verwickelt war.»

Grosse Verbände von Korruption durchzogen

Korruption lässt sich schwer verfolgen und schwer nachweisen. Es gibt mindestens zwei Täter, aber nicht zwingend Geschädigte, die von ihrem Nachteil erfahren. Nur rund fünf Prozent aller Korruptionsfälle werden strafrechtlich verfolgt, gegen 95 Prozent werden nicht aufgedeckt.

Es gibt allerdings genügend Anzeichen und Indikatoren dafür, dass Schmiergeldzahlungen im Sport eine wesentliche Rolle spielen. Und dass die grossen, finanzkräftigen Sportverbände stark gefährdet, ja teilweise gar durchzogen sind von Korruption oder zumindest Korruptionsversuchen.

  • Sie generieren mit ihren Produkten wie der Fussball-WM oder Olympischen Spielen enorme Umsätze, mit denen Schmiergeldzahlungen leicht zu finanzieren sind – mit dem Verkauf der Fernseh-Übertragungsrechte beispielsweise.
  • In den Gremien der grossen Sportverbände sitzen Funktionäre verschiedenster Herkunft – und mit sehr unterschiedlichen finanziellen und ethischen Hintergründen.
  • Die Olympischen Spiele 2002 in Salt Lake City waren erwiesenermassen erkauft.
  • Für die australische Bewerbung um die WM 2022 sollen dortigen Medien zufolge 6,5 Millionen Dollar an unbekannte Empfänger in Afrika, Asien und Ozeanien geflossen sein.
  • Die Fifa mit Präsident Blatter an der Spitze hat nichts dafür getan, um den Konkurs der Rechtehändlerin ISL/ISMM aufzuklären, die sich unter anderem mit riesigen Bestechungszahlungen übernommen hatte. Oder um ihren eigenen ranghohen Funktionär Jack Warner zu stoppen, der sich wiederholt gröbere Verfehlungen leistete.

Der Fall der ISL/ISMM liefert Hinweise, wie alltäglich Schmiergeldzahlungen im Sport sein müssen. 138 Millionen Franken hatte das Zuger Unternehmen an Sportfunktionäre bezahlt, um im Gegenzug wirtschaftlich interessante Geschäfte abschliessen zu dürfen. Die Fifa trat zuerst als Klägerin auf, zog sich aber plötzlich zurück. Das Gericht hielt fest, der Fussball-Weltverband habe sich bei der versuchten Aufklärung «täuschend verhalten», sei verschwiegen gewesen und habe verwirrende Angaben gemacht. Der Fall wurde 2008 nach einer Wiedergutmachungszahlung der Beschuldigten über 5,5 Millionen Franken abgeschlossen, aber nicht aufgeklärt. Die Schmiergeldempfänger wurden nie bekannt.

Bekannt ist dafür, dass die ISL/ISMM-Gruppe 20 Jahre lang eine starke Stellung im Markt hatte. Und dass zu ihren Partnern nicht nur die Fifa gehörte, sondern auch das IOK, die Uefa und eine Serie weiterer mächtiger Sportverbände in der Leichtathletik, im Tennis und im Basketball. Es hat sich seither nicht alles verändert. Vermutlich nicht einmal vieles. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.10.2010, 22:30 Uhr

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2 Kommentare

Charles Dupond

22.10.2010, 06:51 Uhr
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Kein Wunder in einer Welt, in der Versicherungen sich um vertragliche Entschaedigungen, insbesondere Berentungen schon von wenigen hunderttausend Fraenkli auch mit kriminellen Mitteln zu druecken versuchen oder mit Hilfe korrupter Gutachter und Richter wirklich druecken.... Antworten


Ronnie König

22.10.2010, 15:15 Uhr
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Und dann will man der Jugend weissmachen, dass Sport Charakter bildend sei? Unsere Gesellschafft braucht sich nicht zu wundern. Antworten



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