Panorama
Schweinegrippe im Kindergarten
Am Montag vor einer Woche war die Klasse im Kindergarten Egelsee aussergewöhnlich klein: 10 von 23 Kindern lagen mit Grippe im Bett. Bis Ende der Woche seien 3 weitere Kinder erkrankt, erklärt der Berner Schularzt Christian Albert auf Anfrage. «Die Meldung der Krankheitsfälle ging am Dienstag, 20. Oktober, bei uns ein», so Albert. Noch am selben Tag veranlasste er, dass eines der Kinder auf den H1N1-Virus getestet wurde. Am Donnerstag lag das Ergebnis vor: Das Kind war tatsächlich an Schweinegrippe erkrankt. Eine Schliessung des Kindergartens sei zwar mit dem Kanton in Erwägung gezogen, jedoch nicht mehr als sinnvoll beurteilt worden, sagt Albert.
«Wir kontaktierten schon am Dienstag jene Eltern telefonisch, die zur Risikogruppe gehören», so Albert. Der Erreger kann vor allem für Säuglinge und für schwangere Frauen gefährlich werden. Bei allen anderen verlaufe die Krankheit in der Regel wie eine normale Grippe. Dies sei auch bei den Kindern des Egelsee-Kindergartens der Fall gewesen. Am Freitag informierte der Schularzt schliesslich alle betroffenen Eltern in einem Schreiben über die Grippeerkrankungen im Kindergarten sowie über Schutzmassnahmen.
Möglicherweise haben sich die Kinder bei ihrer Lehrerin angesteckt. Laut dem Schularzt erkrankte diese bereits am 14.Oktober. «Sie blieb zu Hause und ging erst zum Arzt, als sie wieder genesen war.» Dieser habe von einem Test abgesehen, weil eine Diagnose nach der Genesung schwierig sei. Deshalb ist unklar, ob die Frau mit dem H1N1-Virus infiziert war. Von einem Versäumnis der Lehrerin will Albert nicht sprechen: «Sie hat sich an die Richtlinien des Bundesamtes für Gesundheit gehalten.»
Schulschliessung: Mehr Nach- als Vorteile
Auch Kantonsarzt Hans Gerber betont, dass die Informationen korrekt und rechtzeitig weitergegeben worden seien. «Die Lehrerin informierte die Schulleitung sowie den Gesundheitsdienst der Stadt Bern. Dieser kontaktierte uns und das Inselspital.» Der zuständige Schulleiter war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Schulschliessungen verfügt Gerber nur mit äusserster Zurückhaltung. Dies, weil in vielen Fällen die Nachteile überwiegen würden, so Gerber. «Die Kinder müssen anderweitig betreut werden.» Zudem würden nicht erkrankte Kinder zusammen spielen. Damit steige das Risiko einer Ansteckung. Ein Impfzwang für Kinder bestehe im Kanton Bern nach wie vor nicht.
Bleibt die Frage, weshalb die Behörden die Bevölkerung nicht über die Schweinegrippe-Erkrankung im Kindergarten informiert haben. «Die Pandemieplanung sieht vor, dass wir in erster Linie Risikogruppen, direkt Betroffene und Fachstellen informieren», sagt Sven Baumann, Generalsekretär der städtischen Bildungsdirektion. «Für die Bekämpfung der Pandemie ist die öffentliche Kommunikation nicht entscheidend.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 27.10.2009, 08:59 Uhr
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