Obamas Oma trägt ein Tessiner Kostüm
Mode aus dem Tessin: Alessandra Roggero mit einer ihrer Kreationen. Bild: Remy Steinegger
Alessandra Roggero ist müde - müde, aber zufrieden. Seit Tagen macht sie kaum etwas anderes, als nationalen und internationalen Medien Auskunft zu geben. Und zwar über sechs Quadratmeter Stoff, die es in sich haben. Es handelt sich um ein Schultertuch und einen Turban, den die kenyanische Grossmutter des neuen amerikanischen Präsidenten Barack Obama an der Amtseinsetzung vom kommenden Dienstag in Washington tragen wird. Made in Switzerland, entworfen und hergestellt von Alessandra Roggero.
Seit 1983 stellt die Tessinerin unter dem Label AR Couture edle Roben für kaufkräftige Kundinnen her. Bereits als Kind habe sie Kleider entworfen, erzählt Roggero, und mit 17 habe sie ihren ersten bedeutenden Auftrag bekommen, ein kurzes Hochzeitskleid. Gleich nach der Lehre als Schneiderin machte sie sich selbstständig, und noch heute arbeitet sie auf eigene Rechnung. «Das Handwerk liegt bei unserer Familie im Blut», erzählt Roggero, die in Locarno aufgewachsen ist und seit fünf Jahren in Lugano lebt und arbeitet. Im Gegensatz zu den grossen Modeimperien, die ihr Geld mit Prêt-à-porter, Accessoires und Parfüms verdienen, lebt sie ausschliesslich von der Haute Couture.
Zu ihren Kundinnen gehörten Geschäftsfrauen, Politikerinnen und Diplomatinnen, sagt Roggero. Diese Frauen brauchten eine exklusive Bekleidung für ihren Beruf oder für einen ganz speziellen Anlass. Die Tessiner Couturière berät die Frauen, entwirft die Kleider und stellt sie auch selbst her. «Alles massgeschneiderte Handarbeit und nur die edelsten Materialien», heisst die Devise. Da die Kundinnen in der Regel Wert auf Diskretion legen, ist Roggero kaum bekannt. Das dürfte sich nun ändern.
Sara hatte Angst zu frieren
Entstanden ist der Kontakt zur 86-jährigen Sara Obama durch die amerikanische Prominenten-Interviewerin Daphne Barak. Sie hatte die dritte Ehefrau von Obamas Grossvater in Kenya zum Gespräch getroffen. Dabei habe Sara ihre Befürchtung geäussert, an der Inaugurationsfeier im kalten Washington frieren zu müssen. Das wiederum hat Barak auf die Idee gebracht, bei ihrer Bekannten im Tessin ein spezielles Kleidungsstück in Auftrag zu geben.
Aus zeitlichen Gründen habe sie sich für Schal und Turban entscheiden müssen, erklärt Roggero, die zwei Wochen an den zwei Stücken gearbeitet hat. Sie sind aus Samt und Seide, verziert mit Bordüren und goldenen Kettchen. Teurer als ein Luxusauto seien sie, wird im Tessin herumgeboten. «Das ist masslos übertrieben», entgegnet Roggero. Aber teuer seien die Stücke schon, weil das Material kostbar und die Arbeit aufwendig sei. Wie viel Schultertuch und Turban gekostet haben und wer die Rechnung bezahlt, sagt sie aber nicht.
8000 Frauen weltweit
Überhaupt wirkt sie zugeknöpft, wenn es um Geld geht. Zwar bewegt sie sich in einer absoluten Luxuswelt. Reich werde sie aber nicht mit ihrer Arbeit, sagt sie. Etwa 8000 Frauen gebe es weltweit, die sich einmal im Leben ein kostbares Einzelstück anfertigen liessen, wie sie es herstelle, erklärt Roggero. Bloss 600 bis 700 leisteten sich diesen Luxus regelmässig. «Mein Antrieb ist die Leidenschaft, nicht das Geld.» Freizeit habe sie kaum, und an eine Familie sei auch nicht zu denken, denn: «Ich lebe für meine Arbeit.»
Kurzzeitig lebt sie im Moment auch noch für die Medien, denen sie ihre Arbeit erklären muss. «Unsere Kleidungsstücke sind modern, klassisch und königlich mit einem Hauch besonderer Eleganz», heisst es in einer eiligst zusammengestellten Pressemappe. Am Dienstag wird die Welt sehen, was darunter zu verstehen ist (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 16.01.2009, 06:46 Uhr
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