Schweizer Schiff ist leichte Beute für Piraten

Der Schweizer Katamaran Solar Planet wird auf seiner Weltumrundung bald den Golf von Aden erreichen. Für die somalischen Piraten wäre das Boot eine leichte Beute, befürchtet Ex-Armeechef Christophe Keckeis.

Steuert gefährlichen Gewässern entgegen: Der Katamaran Planet Solar.

Steuert gefährlichen Gewässern entgegen: Der Katamaran Planet Solar. Bild: Keystone

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Piraten könnten das Boot Solar Planet mit wenig Aufwand und Logistik kapern und für die Freilassung der Besatzung ein Lösegeld verlangen, sagte Ex-Armeechef Keckeis in einem Interview, welches in der heutigen «Le Temps» erschien. Er ist für den Schutz des Katamarans verantwortlich. Im Vergleich mit anderen Schiffen sei Solar Planet langsam, schwer manövrierbar und sehr tief liegend. Ausserdem könnten auf dem Katamaran keine Verteidigungsmassnahmen wie Stacheldraht ergriffen werden.

Die somalischen Piraten seien bestens informiert, sagte Keckeis weiter. Es sei davon auszugehen, dass sie das Boot entdecken würden, umso mehr, als der Golf von Aden seit 2008 von immer weniger Schiffen befahren werde. Das unter Schweizer Flagge fahrende Solarboot gehöre einem Deutschen und habe einen französischen Kapitän - in den Augen der Piraten sei dies gleichbedeutend für Reichtum.

Keckeis schlägt drei Möglichkeiten vor

Da die Schweiz auf Beschluss des Parlaments auf eine Teilnahme am Anti-Pirateneinsatz Atalanta verzichte, stehe die Schweiz am Schluss der Liste zu schützender Staaten, sagte Keckeis weiter. Um die Sicherheit des Katamarans zu gewährleisten, sieht Keckeis drei Möglichkeiten. Ideal wäre seiner Meinung nach, wenn die Planet Solar auf die Unterstützung einer Equipe der französischen Marine zählen könnte. Eine solche Mannschaft müsste aber mindestens acht Mann umfassen und während zwei Wochen einsatzbereit sein.

Eine weitere Möglichkeit sieht Keckeis im Beizug pensionierter französischer Militärs. Eine Zusammenarbeit mit Frankreich sieht der Ex-Armeechef aber durch den Umstand erschwert, dass sich die Schweiz gegen den Kauf des französischen Kampfflugzeugs Rafale und stattdessen für die schwedische Gripen entschieden habe.

Ein Söldner-Einsatz?

Als letzte Möglichkeit zieht Keckeis den Einsatz von Söldnern eines privaten Unternehmens in Betracht. Den Katamaran von einem Schiff eskortieren zu lassen, wäre weit komplexer und extrem kostspielig. Für den Schutz des Katamarans rechnet Keckeis mit Kosten in Höhe von mehreren Hunderttausend Franken - Kosten, für die der deutsche Besitzer und die Sponsoren aufkommen werden.

Ziel der Ende September 2011 gestarteten Weltumrundung ist es, das Potenzial von erneuerbaren Energien aufzuzeigen. Der 95 Tonnen schwere Katamaran ist 31 Meter lang und 15 Meter breit und damit nach Angaben der Verantwortlichen das weltweit grösste Solarboot. Auf seiner Oberseite trägt der Katamaran Photovoltaik-Solarmodule mit einer Fläche von insgesamt 537 Quadratmetern und fährt mit durchschnittlich 14 Stundenkilometern (7,5 Knoten).

Das Projekt Planet Solar startete 2004 auf Initiative von Raphaël Domjan. Das Unternehmen Planet Solar, das den Katamaran entwickelte, hat seinen Sitz in Yverdon VD. Gebaut wurde das Boot in Deutschland. Der Bund hat sich an den Kosten mit 300'000 Franken beteiligt.

(jak/sda)

(Erstellt: 16.01.2012, 14:38 Uhr)

Für den Schutz des Katamarans verantwortlich: Ex-Armeechef Christophe Keckeis. (Bild: Keystone )

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