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Zwei Millionen von Beben betroffen, Chef von Uno-Mission unter Opfern

Aktualisiert am 14.01.2010

Das starke Erdbeben auf Haiti kostete vermutlich mehrere Tausend Menschen das Leben. Bei den Rettungsarbeiten hat ein Kampf gegen die Zeit begonnen.

1/22 72 Stunden nach dem Beben besteht kaum noch Hoffnung Überlebende zu finden.

   
Höchstwahrscheinlich tot: Hedi Annabi, Chef der Uno-Mission auf Haiti.

Höchstwahrscheinlich tot: Hedi Annabi, Chef der Uno-Mission auf Haiti.

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Schweizer abgeflogen

Das Schweizer Soforteinsatz-Team für die Erdbebenopfer in Haiti hat am Mittwochmorgen den Flughafen Kloten verlassen, wie die REGA gegenüber der Nachrichtenagentur SDA bestätigte. Das Team dient als «Brückenkopf», um die Lage vor Ort zu klären.

Eine Krankenschwester, drei Piloten und sieben Mitglieder des Schweizerischen Korps für Humanitäre Hilfe seien an Bord, sagte REGA- Sprecherin Stéphanie Spiess. Die Schweiz habe der Regierung Haitis bereits ein Hilfsangebot unterbreitet, sagte Lars Knuchel, Informationschef des Eidg. Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA).

Wie Knuchel weiter sagte, stehen die Behörden in Bern in Kontakt mit der Schweizer Botschaft in Port-au-Prince sowie mit dem Kooperationsbüro der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA). Ob es Schweizer Opfer gegeben habe, ist laut Angaben auf der EDA-Homepage unklar. Im Jahr 2008 lebten ungefähr 130 Schweizer auf der karibischen Insel.

Glückskette eröffnet Spendenkonto

Die Glückskette hat nach dem schweren Erdbeben der Stärke 7,3 in der Nacht auf Mittwoch ein Spendenkonto eröffnet. Man bereite sich gemeinsam mit den Schweizer Partnerhilfswerken vor, in den kommenden Monaten Unterstützung von der Nothilfe bis zum Wiederaufbau zu leisten, teilte die Glückskette mit. Haiti ist eines der ärmsten Ländern in Amerika. Die Glückskette finanziere mehrere Hilfsprojekte in diesem Land. Spenden können auf das Postkonto 10-15000-6 einbezahlt werden.

Das schwerste Erdbeben seit mehr als 200 Jahren in Haiti hat weite Teile der Hauptstadt Port-au-Prince verwüstet und zehntausende Bewohner obdachlos gemacht. In den Strassen lagen Tote und Verletzte. Wie viele es sind, kann niemand genau sagen. Laut Experten sind mehr als zwei Millionen Menschen schwer vom Erdbeben betroffen. Mehrere tausend Personen dürften ums Leben gekommen sein. Über Schweizer Opfer gibt es noch keine Angaben. Vom Präsidentenpalast bis zu den Hütten in den Vorstadtslums stürzten tausende Gebäude ein. In der Nacht versammelten sich tausende Bewohner auf den Plätzen, sangen religiöse Lieder oder weinten.

«Die Krankenhäuser sind mit all diesen Opfern überfordert», sagte der Arzt Louis-Gerard Gilles. Nach einer Kontaktaufnahme mit der US-Botschaft in Haiti sprach das Aussenministerium in Washington von «erheblichen Verlusten an Menschenleben». In der Zwischenzeit haben die Rettungs- und Bergungsarbeiten begonnen. Es ist ein Kampf gegen die Zeit, jede Minute kann entscheidend sein.

Besorgter Ban Ki-moon

Unter den Toten des Erdbebens in Haiti ist vermutlich auch der Chef der Uno-Mission, der Tunesier Hedi Annabi. Dies sagte der französische Aussenminister Bernard Kouchner am Mittwoch. «Das Uno-Gebäude ist zusammengestürzt. Und es scheint, dass alle, die in dem Gebäude waren, tot sind, unter ihnen auch mein Freund Annabi, der Sondergesandte des Uno-Generalsekretärs, und alle, die bei ihm waren», sagte Kouchner dem Sender RTL.

Das Aussenministerium konnte dieses Zitat zunächst nicht bestätigen. Der tunesische Diplomat ist seit September 2007 in Haiti im Einsatz. In dem eingestürzten Uno-Gebäude waren 200 bis 250 Mitarbeiter tätig. Von vielen Uno-Mitarbeitern fehlen derzeit wegen der unübersichtlichen Lage noch Lebenszeichen.

Die Gebäude des Uno-Entwicklungsprogramms UNDP und des Welternährungsprogramms WFP wurden laut der Uno in Genf jedoch nicht zerstört. Die Organisation hat rund 11'000 Blauhelm-Soldaten, Polizisten und Mitarbeiter im Rahmen der Friedensmission MINUSTAH im Land.

Unicef befürchtet, dass die Zahl der Opfer in der dicht besiedelten Region um die Hauptstadt Port-au-Prince weiter steigen wird. Die Vereinten Nationen gehen bisher davon aus, dass über zwei Millionen Menschen stark von dem Beben betroffen sind. Fast die Hälfte der Betroffenen sind Kinder und Jugendliche.

Nach Angaben eines französischen Priesters ist auch der Erzbischof von Port-au-Prince, Monsignr Joseph Serge Miot, ums Leben gekommen. Der Priester Pierre Le Beller vom Missionarszentrum Saint Jacques in der Bretagne sagte der Nachrichtenagentur AP am Mittwoch, Missionare vor Ort hätten Miot tot in den Ruinen seines Büros aufgefunden.

Leichen auf den Strasse

Vor Ort bot sich ein Bild des Grauens. Leichen lagen auf den Strassen, Schwerverletzte riefen nach ärztlicher Hilfe - doch die war kaum vorhanden. Vielerorts gab es weder Strom noch Telefon. Verstörte Menschen kletterten suchend über die Trümmer oder liefen ziellos durch die Strassen. Mit blossen Händen wurde versucht, Eingeschlossene zu befreien.

Die Luft war auch noch Stunden nach dem Beben voll Staub von den eingestürzten Gebäuden, bei deren Bau sich in dem seit Jahren politisch instabilen Land kaum jemand um Vorschriften gekümmert hat. Nun stürzten viele von ihnen ein wie Kartenhäuser.

«Die ganze Stadt liegt im Dunklen», sagte Rachmani Domersant von der amerikanischen Hilfsorganisation Food for the Poor. «Tausende Menschen sitzen auf der Strasse und wissen nicht wohin.» Nach Angaben der Botschaft der USA in Haiti brachen in Port-au-Prince zudem die Telefonverbindungen zusammen.

USA bieten Hilfe an

Die USA boten dem verarmten Karibikstaat Hilfe an. US-Präsident Barack Obama sagte, seine Gedanken und Gebete seien bei den Menschen in Haiti. Das Aussenministerium nahm Beratungen über einen humanitären Einsatz auf. Auch die USA rechnen mit zahlreichen Toten. «Unsere Diplomaten vor Ort haben viele Leichen auf den Strassen und Gehwegen gesehen», sagte ein Sprecher des US-Aussenministeriums. «Es scheint klar, dass es zahlreiche Tote gibt», fügte Philip Crowley hinzu. Kristie van de Wetering, eine Ex-Mitarbeiterin der Hilfsorganisation Oxfam, die in Port-auf-Prince lebt, beschrieb der «New York Times» die Lage mit den Worten: «Trümmer, überall Trümmer». Über der Stadt liege eine Staubdecke. Man hört an jeder Ecke Leute um Hilfe schreien. Die Menschen seien «sehr nervös». Auch Mexiko und Venezuela kündigten Hilfe an.

Nachrichten aus dem Erdbeben-Gebiet kamen auch über Internetdienste wie Twitter. So sandte der Musiker Richard Morse erschreckende Eindrücke, die er aus zweiter Hand erfahren hatte. Er berichtete von vor Angst schreienden Menschen und von Trümmern versperrten Strassen.

Stärke von 7,0

Mit einer Stärke von 7,0 war das Beben am Dienstag um 16.53 Uhr Ortszeit (22.53 Uhr MEZ) nach Angaben der US-Erdbebenwarte (USGS) in Golden, Colorado, das schwerste in Haiti seit 1770. Das Zentrum lag 15 Kilometer westlich von Port-au-Prince in einer Tiefe von acht Kilometern.

Nun lag das Zentrum 15 Kilometer westlich der Hauptstadt Port-au-Prince in einer Tiefe von acht Kilometern. Es habe mindestens sechs Nachbeben mit Messwerten von mehr als 4,5 gegeben, sagte der USGS-Seismologe Harley Benz.

Auch in der Dominikanischen Republik bebte die Erde

Auch in der benachbarten Dominikanischen Republik, die sich mit Haiti die Insel Hispaniola teilt, wankten Häuser. Über grössere Schäden in dem beliebten Urlaubsland war zunächst aber nichts bekannt. Auch im Osten von Kuba bebte die Erde. Der US-Wetterdienst gab eine Tsunami-Warnung für Haiti, die Dominikanische Republik und die Bahamas aus.

In der benachbarten Dominikanischen Republik kamen 1946 nach einem Erdstoss der Stärke 8,1 1790 Menschen ums Leben.

Haiti liegt zusammen mit dem Nachbarstaat Dominikanische Republik auf der Insel Hispaniola. In dem Land, einem der ärmsten der Welt, leben rund neun Millionen Menschen. Mehr als die Hälfte von ihnen muss mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen.

Schweiz schickt Team

Die Schweiz entsendet im Verlaufe des Mittwochvormittags ein Soforteinsatz-Team Richtung Port-au-Prince, wie Lars Knuchel, Informationschef des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten sagte. Das Team dient als «Brückenkopf», um die Lage vor Ort zu klären.

Gemäss Knuchel hat die Schweiz der Regierung Haitis bereits ein Hilfsangebot unterbreitet. Der Einsatz der Rettungskette des Schweizerischen Korps für Humanitäre Hilfe werde geprüft. Weitere Informationen stellte Knuchel für den Nachmittag in Aussicht.

(vin/cpm/oku/sda)

Erstellt: 14.01.2010, 14:35 Uhr

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