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Scientology-Bosse prügelten sich blutig

In den Chefetagen von Scientology wird mit harten Bandagen gekämpft. Oft sogar mit roher Gewalt, wie einstige Führungskräfte berichten.

Gefühlskalt und herrschsüchtig: David Miscavige.

Gefühlskalt und herrschsüchtig: David Miscavige.

Die Anzeichen mehren sich, dass Scientology im Mutterland USA in der Krise steckt. Sehr tief sogar, wenn man die Schilderungen ehemaliger Weggefährten des 49-jährigen Sektenbosses David Miscavige zum Nennwert nimmt. Allein schon die Tatsache, dass in letzter Zeit mehrere hohe Kaderfunktionäre die Flucht ergriffen haben, lässt das Fundament von Scientology erschüttern. Zumal sie es wagen, aus der Schule zu plaudern. Denn ihre Enthüllungen über Macht, Intrigen, Demütigungen und Misshandlungen sind brisant.

Kronzeuge ist der ehemalige Mediensprecher und Chef des scientologischen Geheimdienstes, Mike Rinder. Mehrere Dutzend Male sei er von Miscavige geschlagen oder mit den Füssen getreten worden, sagte er der Zeitung «St. Petersburg Times» aus Florida, wo die Sekte das Hauptquartier unterhält. Wie die anderen Kaderleute hat er die Wutausbrüche von Miscavige widerstandslos über sich ergehen lassen, sonst hätte er noch härtere Bestrafungen erdulden müssen. Das Szenario reicht bei der Sekte vom Putzdienst bis zur Einweisung ins eigene Straflager RPF. Auch für Bosse.

Sektenboss als Boxsack

Rinder sagt weiter aus, Miscavige habe ihn manchmal blutig geschlagen, er sei sich als Boxsack vorgekommen. Er wolle mit seinem Outing verhindern, dass andere Scientologen weiterhin gedemütigt und misshandelt würden.

Rinders Mut hat auch andere Sektenmitglieder bewogen, auszupacken. Amy Scobee, langjährige Chefin des Celebrity Centers, das Hollywoodstars wie Tom Cruise und John Travolta betreut, bestätigt die Prügelpraxis. Miscavige, der als gefühlskalt und herrschsüchtig beschrieben wird, habe in ihrer Gegenwart Rinder so heftig gewürgt, dass dieser im Gesicht rot angelaufen sei.

Schützenhilfe haben die hochrangigen Aussteiger auch von Mark Rathbun, dem ehemaligen Finanzchef, bekommen. Er bestätigt die Prügelorgien und gesteht, selbst Schmutz an den Händen zu haben, weil er im Auftrag von Miscavige andere misshandelt habe. Ironie der Geschichte: Rathbun war für die Ethikrichtlinien der Sekte zuständig. Rinder und Rathbun waren schon in den 1980er-Jahren dabei, als sich der damals erst 21-jährige Miscavige an die Spitze von Scientology geputscht hatte. Gemeinsam trimmten sie die Pseudokirche zu einer militärisch hierarchisierten Psychosekte.

Lohnnachzahlungen gefordert

Ein ehemaliger Kadermann wagt gar eine Klage. Marc Headley hat 15 Jahre lang unter unmenschlichen Bedingungen und für ein Taschengeld gearbeitet, wie er betont. In einem Zivilprozess in Los Angeles verlangt er nachträglich Lohnzahlungen. Andere ehemalige Mitarbeiter der Sekte wollen nachziehen. Tatsächlich erhalten vollamtliche Mitarbeiter oft lediglich einen Wochenlohn von 50 bis 100 Dollar.

Scientology wischt die Vorwürfe seiner ehemaligen Führungskräfte pauschal vom Tisch. Alle Geschichten seien erlogen, Miscavige habe nie jemanden geschlagen. Vielmehr habe er die Abtrünnigen vor ihrem Ausstieg zurückgebunden, weil diese andere mit Prügelstrafen traktiert und den Aufstand geprobt hätten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.08.2009, 09:42 Uhr

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