Sean Penn interviewte «El Chapo»

Drogenboss Chapo Guzmán wollte einen Film über sein Leben drehen und empfing dafür Hollywood-Regisseur Sean Penn in seinem Versteck.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Hochmut kommt vor dem Fall: Der mexikanische Drogenboss Joaquín «El Chapo» Guzmán wollte sein Leben verfilmen. Vor seiner Festnahme hat sich der berüchtigte mexikanische Drogenboss Joaquín «El Chapo» Guzmán in seinem Versteck mit dem US-Schauspieler Sean Penn getroffen. Der Hollywood-Star interviewte den flüchtigen Drogenboss für einen Artikel, den das Magazin «Rolling Stone» auf seiner Internetseite veröffentlichte. Er habe im Oktober sieben Stunden lang mit Guzmán zusammengesessen, berichtete Penn. Anschliessend habe er noch Telefon- und Video-Interviews mit Guzmán geführt. Wie ein Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur AFP sagte, wussten die mexikanischen Behörden über Penns Besuch Bescheid. Das Treffen war demnach sogar Teil der Ermittlungen, die letztlich zur Festname des Drogenbosses führten. Einzelheiten wollte der Regierungsvertreter aber nicht nennen.

Auf der Webseite des «Rolling Stone» gibt es sogar ein zweiminütiges Video mit dem bis vor kurzem meistgesuchten Mann der Welt.

Der berüchtigte Drogenbaron ist sieben Monate nach seiner spektakulären Flucht aus einem Hochsicherheitsgefängnis gefasst worden. Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto vermeldete dies auf seinem Twitter-Konto. «Mission erfüllt. Wir haben ihn. Ich möchte den Mexikanern mitteilen, dass Joaquín Guzmán Loera festgenommen wurde», schreibt Peña Nieto.

«Meine Anerkennung gilt dem Sicherheitskabinett der Regierung für diesen wichtigen Erfolg für den mexikanischen Rechtsstaat», schreibt der Präsident weiter. Die Festnahme Guzmáns habe «tage- und monatelange» Bemühungen erfordert, sagte Peña Nieto bei einer später anberaumten Pressekonferenz. Sie sei für alle Mexikaner Anlass zum «Stolz».

«El Chapo» droht Auslieferung an USA

Nach seiner Festnahme kommt der Drogenboss vorerst ins Hochsicherheitsgefängnis Altiplano, aus dem er auf spektakuläre Weise flüchtete. Dies teilte Generalstaatsanwalt Ariely Gomez am Freitag mit.

Der Gouverneur von Sinaloa, Mario López Valdez, sagte Radio Fórmula, Marineinfanteristen hätten den Drogenbaron in einem Hotel am Rande von Los Mochis gefangen. Der Ort liegt nahe an der Küste in Sinaloa, wo Guzmán herkommt. Ihm droht nun die Auslieferung in die USA.

Die USA begrüssten die Festnahme. «Die DEA ist sehr erfreut über die Festnahme von Chapo Guzmán. Wir gratulieren der mexikanischen Regierung und verneigen uns vor dem Mut, der zu seiner Festnahme beigetragen hat», schrieb die US-Antidrogenbehörde DEA auf Twitter. «El Chapo» könnte jetzt zügig an die USA ausgeliefert werden, wo mehrere Haftbefehle gegen ihn vorliegen. Ein mexikanischer Bundesrichter hat die Überstellung des Kartellchefs an die Vereinigten Staaten bereits genehmigt.

Marinesoldaten stürmten Gebäude

Joaquín «El Chapo» Guzmán Loera gilt als der mächtigste Drogenhändler der Welt. Der Chef des Sinaloa-Kartells sei bei einem Einsatz im Bundesstaat Sinaloa im Westen des Landes gefasst worden, berichtete die Zeitung «Milenio» unter Berufung auf Sicherheitskreise. Soldaten der Marineinfanterie hatten sich am Morgen in der Stadt eine Schiesserei mit mutmasslichen Bandenmitgliedern geliefert.

Zum Versteck in Los Michos habe die Soldaten ein Hinweis geführt, teilte das Marineministerium mit. Soldaten hätten das Haus in der Nacht gestürmt. Dabei sei vom Gebäude aus das Feuer auf die Soldaten eröffnet worden. Einer von ihnen sei verwundet worden, die Soldaten selbst hätten fünf Personen getötet und sechs festgenommen. Bei dem Einsatz wurden demnach auch zwei Panzerfahrzeuge, acht Gewehre, eine Handfeuerwaffe und ein Granatwerfer sichergestellt.

Mehrmals entwischt

«El Chapo» war im Juli 2015 zum zweiten Mal die Flucht aus einem Hochsicherheitsgefängnis gelungen – diesmal mittels eines 1500 Meter langen und aufwändig konstruierten Tunnels aus dem 90 Kilometer vor Mexiko-Stadt gelegenen Altiplano-Gefängnisses. Seither ist er der mexikanischen Polizei mehrmals knapp entwischt, einmal wurde der Drogenboss bei einem Zugriffsversuch gar verwundet. Dutzende Fluchthelfer waren zudem festgenommen worden.

Dies hatte der mexikanischen Regierung viel Kritik eingebracht, gerade auch von den USA, die ihn auf der Liste der meistgesuchten Verbrecher führen. Entsprechend fieberhaft hatten die mexikanischen Behörden seit dem Ausbruch nach ihm gesucht. Seither wurden mehr als ein Dutzend Verantwortliche des Justizvollzugs und der Bundespolizei entlassen.

Im Oktober wurde berichtet, dass Guzmán bei einem Zugriffsversuch verletzt worden sei. Im sogenannten Goldenen Dreieck zwischen den Bundesstaaten Sinaloa, Durango und Chihuahua feuerten Marineinfanteristen von Helikoptern aus auf sein Versteck in einer Ranch. Doch die Leibwächter des Kartellbosses konnten den Angriff zunächst zurückschlagen. Zwar verletzte sich Guzmán bei der Flucht, doch die Sicherheitskräfte verloren offenbar seine Spur.

Guzmán sass seit Februar 2014 bis zu seiner Flucht in Haft. Der laut Interpol 61-Jährige verbrachte vor dem Gefängnisausbruch lediglich 17 Monate hinter Gittern. Nachdem er aus einem Gefängnis ausgebrochen war, wurde 13 Jahren nach ihm gesucht. Guzmán war bereits 1993 in Guatemala festgenommen worden. 2001 gelang ihm aber die Flucht aus einem Gefängnis im Westen Mexikos. (ij/mlr/AFP/SDA)

(Erstellt: 08.01.2016, 21:40 Uhr)

Stichworte

Artikel zum Thema

Drogenboss in Mexiko umgebracht

Der 53-jährige Gründer des einst mächtigen mexikanischen Drogenkartells La Familia, Carlos Rosales Mendoza, ist ermordet worden. Mehr...

Sohn gibt Hinweis auf «El Chapos» Versteck

Die mexikanischen Behörden gehen einem Hinweis nach, wo sich der flüchtige Drogenboss Joaquín «El Chapo» Guzmán aufhalten könnte. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Digital Abos

Tages-Anzeiger unbeschränkt lesen:
Im 1. Monat nur CHF 1.-

Werbung

Blogs

Blog Mag Sind Sie kreativ genug?

Never Mind the Markets Und wieder werden die Zinshoffnungen enttäuscht

Abo

Digital Abos

Tages-Anzeiger unbeschränkt lesen:
Im 1. Monat nur CHF 1.-

Die Welt in Bildern

Runde Sache: Ein Karussell am Frankfurter Weihnachtsmarkt (6. Dezember 2016).
(Bild: Michael Probst) Mehr...