«Sie starb den Tod eines anderen»

Eine 27-jährige Engländerin bekommt eine neue Lunge. Was sie nicht weiss: Der Spender war starker Raucher. Wenige Monate später stirbt sie an Lungenkrebs. Die Familie erhebt nun schwere Vorwürfe.

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Die Britin Jennifer Wederell war zwei Jahre alt, als bei ihr eine zystische Fibrose diagnostiziert wurde – eine angeborene Störung des Stoffwechsels, welche die normale Funktion der Lunge stark einschränkt. Ab Mitte Zwanzig musste sie 24 Stunden pro Tag mit künstlichem Sauerstoff versorgt werden. Im April 2011, nachdem sie 18 Monate lang auf der Warteliste für eine Lungentransplantation gestanden hatte, kam die gute Nachricht: Für Jennifer war ein Spender gefunden worden.

Was sie damals nicht erfuhr: Beim Spender handelte es sich um einen starken Raucher. «Hätte meine Tochter das gewusst, hätte sie die Spende nicht angenommen», sagt ihr Vater Colin Grannell gegenüber dem TV-Sender BBC. Zehn Monate später wurden in ihrer Lunge bösartige Tumore gefunden, weitere vier Monate später war die 27-Jährige tot.

Krankenhaus räumt Versäumnis ein

Die Eltern und der Ehemann der Verstorbenen erheben gegenüber der BBC nun schwere Vorwürfe gegen das Krankenhaus, das die Organtransplantation vorgenommen hatte. Die Ärzte hätten nicht ein Mal erwähnt, dass der Spender Raucher gewesen war. «Unsere Tochter ist den Tod eines anderen gestorben.» Das Krankenhaus entschuldigte sich und räumte ein, dass man Jennifer Wederell die Wahl hätte geben müssen, sich gegen die Spende zu entscheiden. Es sei aber sehr selten, dass Patienten auf die Transplantation einer von aussen betrachtet gesunden Lunge verzichten wollen, weil der Spender geraucht habe: «Dadurch würde die Chance, einen geeigneten Spender zu finden, um 40 Prozent verringert.»

Ob die Krebserkrankung bereits vor oder erst nach der Spende ausgebrochen ist, lasse sich im Nachhinein nicht beurteilen. Bei einer Transplantation werden gewöhnlich Medikamente verabreicht, welche die Reaktionen des Immunsystems unterdrücken, um zu verhindern, dass das neue Organ abgestossen wird. Die Krebserkrankung könnte dadurch beschleunigt worden sein, sagt das Krankenhaus, definitiv beweisen lasse sich dies aber nicht. (fko)

(Erstellt: 19.12.2012, 17:05 Uhr)

Starb an Lungenkrebs: Die 27-jährige Jennifer Wederell. (Bild: PD)

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