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«Mein Sohn war eigentlich ganz brav»
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Der Fall
Der Vorfall ereignete sich auf einer Abschlussfahrt einer zehnten Klasse der Weiterbildungs- und Berufswahlschule Küsnacht (WBK) nach München. Fünf Schüler der WBK – drei stammen aus der Schweiz und je einer aus Slowenien und aus Portugal – überfielen in der Münchner Innenstadt mehrere Männer. Dabei prügelten sie einen 46-jährigen Geschäftsmann beinahe zu Tode. Gegen drei der Schüler ist Haftbefehl wegen versuchten Mordes erlassen worden. Weil es sich um ein massives Kapitaldelikt handelt, droht ein Strafrahmen von bis zu 10 Jahren.
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«Ich stehe völlig unter Schock. Ich kann mir das einfach nicht erklären», wird der Vater eines mutmasslichen Täters M.B. im Münchner «Merkur» zitiert. Er habe die offizielle Nachricht von dem brutalen Vorfall erst am Donnerstag erhalten. «Mein Sohn ist nie durch Gewalt aufgefallen und war eigentlich ganz brav», beteuert er gegenüber der Zeitung.
Gemäss der Zeitung sei die Familie des Täters ganz normal: Vater T.B. habe eine kleine Firma. Er wohne mit seiner Frau sowie dem Sohn und zwei Töchtern in Uetikon am See. M. spiele Eishockey, habe viele Freunde und sei beliebt, so der «Merkur» weiter.
Ein Versicherungskaufmann auf dem Heimweg
Sie wollten jemanden «wegklatschen», suchten den «Kick» – getroffen hat ihre Wut einen deutschen Geschäftsmann. Mit voller Wucht und ohne jeglichen ersichtlichen Grund. Gemäss Angaben der Polizei traktierten die fünf Schüler aus Küsnacht den 46-Jährigen mit gezielten Schlägen ins Gesicht. Es ist nicht auszuschliessen, dass der Mann sein Augenlicht verliert, sagte Andreas Ruch, Mediensprecher der Münchner Polizei, gestern gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet.
«Nicht negativ aufgefallen»
Laut dem «Merkur» war das Opfer ein Versicherungskaufmann aus Nordrhein-Westfalen. Er war gegen 23.30 Uhr auf dem Rückweg von einem Geschäftsessen zu seinem Hotel in der Nähe des Sendlinger-Tor-Platzes in München. Dort trifft er auf die Jugendlichen, die ihn plötzlich attackieren und brutal verprügeln.
Aufgrund von Zeugenaussagen konnten die jugendlichen Täter kurze Zeit später in ihrer Unterkunft festgenommen werden. Laut «Merkur» hätten die jungen Männer teilweise bereits ihre Kleidung gewechselt, um nicht erkannt zu werden. Im Jugendgästehaus in der Münchner Altstadt sei die Klasse anderen Jugendlichen nicht negativ aufgefallen.
Bildungsdirektorin fordert weitergehende Abklärungen
In der Schweiz ist die Bestürzung über den Fall gross. «Die Fragestellung ist klar: Haben wir von der Schule aus alles getan, damit solche Aggressionen unterbleiben?» lässt sich Max Heberlein, Schulpräsident von Küsnacht, in der Sendung «10 vor 10» zitieren.
Die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) verurteilt die Tat und fordert die Abklärung, welche Abmachungen die Verantwortlichen mit den Schülern betreffend des Verhaltens in der frei verfügbaren Zeit in München getroffen hätten. Die Vorkommnisse würden zeigten, dass das Thema Gewaltprävention an den Schulen sehr wichtig sei, sagte Aeppli weiter. «Die Präventionsbemühungen haben durch den Vorfall in München an Aktualität gewonnen. Aber alles können wir auch damit nicht verhindern.» Die Bildungsdirektorin will sich der Sache persönlich annehmen, wie sie gegenüber «Radio 1» sagt. «Ich will auf dem Laufenden gehalten werden und stehe der Gemeinde zur Verfügung, wenn sie Unterstützung braucht.»
Staatsanwalt Daniel Jositsch zweifelt die drohende lange Haftstrafe an. «Wenn man die Defizite der Jugendlichen gezielt aufarbeiten kann, werden sie als Erwachsene nicht strafbar. Wenn man sie zehn Jahre hinter Gitter setzt, gewinnt man nichts damit», sagt er gegenüber «Radio 24».
(tif/se)
Erstellt: 03.07.2009, 08:37 Uhr
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