Panorama

«Täglich werden Flugzeuge vom Blitz getroffen»

Blitzeinschläge in Flugzeuge sind nichts Ungewöhnliches. Ob beim Crash auf der Karibikinsel San Andres tatsächlich ein Blitz die direkte Unfallursache ist, muss sich erst weisen.

Die auseinander gebrochene Boeing 737 auf der Landepiste des Flughafens von San Andres.

Die auseinander gebrochene Boeing 737 auf der Landepiste des Flughafens von San Andres.
Bild: Keystone

Es geschah alles so schnell, dass der Pilot nicht mehr dazu kam, einen Notruf zu funken. Die Boeing 737 der Fluggesellschaft Aires sollte am Montag um 1.49 Uhr Ortszeit auf dem Flughafen der Karibikinsel San Andres landen. Doch die Maschine mit 131 Menschen an Bord setzte 80 Meter vor der Landebahn auf, schlitterte über die Piste und brach in drei Teile auseinander. Wie durch ein Wunder überlebten 130 Menschen den Crash. Ein 68-jähriger Passagier starb an den Folgen eines Herzinfarkts.

«Der Pilot informierte uns, dass wir in San Andres landen werden», sagt Alvaro Granados zu den Medien. Der 25-Jährige befand sich mit seiner Frau und seinen zwei Kindern an Bord. «Wir schnallten uns an, machten uns für die Landung bereit – und plötzlich gab es einen Riesenknall. Als meine Frau und ich danach aufstanden, war der hintere Teil des Flugzeugs weg.» Die Luftfahrtbehörden Kolumbiens suchen nun nach den Ursachen des Absturzes. Der Pilot und die lokalen Behörden behaupten, das Flugzeug sei bei der Landung vom Blitz getroffen worden.

Blitzeinschläge sind in der Luftfahrt alltäglich

«Täglich werden Flugzeuge vom Blitz getroffen», sagt Dominique Fouda von der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (siehe Video eines Blitzeinschlages). «Blitze werden in der Luftfahrt nicht als Sicherheitsrisiko angesehen.» Tatsächlich ist beim Flugzeugbau ein Schutz vor Blitzschlag und elektrostatischer Aufladung zwingend vorgeschrieben, sagt Samuel Wenger, Geschäftsführer des Schweizerischen Verbandes Flugtechnischer Betriebe. Flugzeuge sind sogenannte Faradaysche Käfige, elektrisch leitende Boxen, in die Blitze nicht eindringen können. Die Aussenhaut der Flugzeuge ist aus Aluminium oder Stahl sowie Kohlefaserverbundwerkstoffen. Die metallischen Teile leiten den Blitz ab und die «Kunststoffteile haben eine leitende Beschichtung», so Wenger. Hundertprozentig ist der Schutz allerdings nicht. «Problematisch sind etwa Antennen.»

Bisher gebe es keinen Flugzeugabsturz, der direkt auf einen Blitzschlag zurückzuführen sei, sagt Dominique Fouda. Es gebe aber etliche Unfälle, bei denen der Blitz dazu beigetragen habe. «Indirekt kann ein Blitzschlag gefährlich sein, weil die Piloten geblendet werden oder Instrumente ausfallen.» Darum werde Piloten empfohlen, Gewitter zu umfliegen. In der Nacht des Crashs in San Andres hat es laut CNN etliche Blitzeinschläge in der Umgebung des Flughafens gegeben. Eines steht für die Behörden jetzt schon fest. Dass bis auf einen alle Passagiere den Absturz überlebt haben, grenze an ein Wunder, sagte der Polizeioffizier Orlando Paez gegenüber Medien. «Die Piloten konnten verhindern, dass das Flugzeug von der Landbahn abkam und die Triebwerke wurden beim Aufprall ausgeschaltet.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.08.2010, 14:15 Uhr

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9 Kommentare

Bruno Hochuli

18.08.2010, 14:06 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Wenn ich diese Kiste anschaue, kommen mir erhebliche Zweifel dass ein Blitz eingeschlagen haben soll. Antworten


Peter Keller

18.08.2010, 11:08 Uhr
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@Markus Meier: Mit anderen Worten das Kerosin in den Tanks (Flügel) kann sich nicht entzünden? Antworten


Erich Deiss

18.08.2010, 09:28 Uhr
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Ich sass selbst einmal in einem Flugzeug, als der Blitz einschlug. Es gab einen starken mechanischen Ruck, und das Flugzeug wurde nach der bevorstehenden Landung während Stunden untersucht. Trotzdem gibt es immer wieder Leute, die stur behaupten, Blitze könnten einem Flugzeug nichts anhaben. Ich denke da an den Air France Absturz im Atlantik. Antworten


Markus Meier

17.08.2010, 19:31 Uhr
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... vergessen, dass die Treiber vor der Landung abgeschaltet wurden? Ohne Flamme in den Treibern auch kein Feuer! Antworten


Christoph Bless

17.08.2010, 17:43 Uhr
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Ich hatte 15 Jahre in der Fliegerei gearbeitet und X Flugzeuge mit Blitzeinschläge untersucht. Der Blitz schlägt meistens im Bugbereich ein und tretet bei den Flügelspitzen oder beim Heck wieder aus. Mehr als ein paar defekte Nieten habe ich nicht gesehen. Ein Blitz ist harmlos für ein Flugzeug, eher die Scherwinde die bei einem Gewitter sehr ausgeprägt auftreten, könnten zum Absturz geführt haben Antworten


Cornel Wick

17.08.2010, 17:07 Uhr
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AF 447 (Air France Absturz Rio-Paris) wird wieder zum Thema. War die Wirkung des Blitzeinschlags doch grösser als angenommen? Antworten


Ramon Paxus

17.08.2010, 16:16 Uhr
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Wenn die Piloten verhindern konnten, dass das Flugzeug von der Landebahn abkam, dann kann das Auseinanderbrechen ja wohl erst deutlich nach dem Aufsetzen geschehen sein. Das würde auch erklären warum die Passagiere überlebten. Antworten


Peter Keller

17.08.2010, 15:59 Uhr
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Seltsam dass kein Feuer ausgebrochen ist. War da kein Kerosin mehr in den Tanks? Antworten


Puppel Heinz

17.08.2010, 15:11 Uhr
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Zuerst einmal: Riesenglück für die Passagiere. Und sehr wahrscheinlich ist es so abgelaufen: Gewitter, schlechtes Wetter, Treibstoff knapp, Target fascination auf Landung. Zu kurz gelandet. Da kommt so ein Blitzschlag gerade gelegen um den verpatzten Anflug anstatt eines Go-arounds zu ekrlären. Man erinnere sich an den "Held von Werneuchen" bei der ehemaligen Crossair. (Im Tagi-Archiv) Antworten



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