Test weist K.-o.-Tropfen in Drinks nach

Dank einem Verfahren zweier israelischer Wissenschafter können GHB und Ketamin in Getränken nachgewiesen werden. Das Verfahren basiert auf optischen Prinzipien und einem Lichtstrahl.

Party-Droge GHB: Die gefährliche Droge wird oft über das Internet gekauft.

Party-Droge GHB: Die gefährliche Droge wird oft über das Internet gekauft. Bild: Keystone

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Zwei Nanowissenschaftler der Tel Aviv University haben einen Drogentester entwickelt, der mit 100-prozentiger Sicherheit Spuren der Partydrogen GHB – auch als K.-o.-Tropfen oder Liquid Ecstasy bekannt – und Ketamin in einem Getränk nachweisen soll. Bisher gab es kein ähnliches Gerät. GHB wird auf Englisch auch als «Date Rape Drug» bezeichnet, da es oft verwendet wird, um Menschen willenlos zu machen, damit sie sich nicht gegen sexuelle Übergriffe wehren können.

Die Droge ist schon nach wenigen Stunden nicht mehr im Körper nachweisbar, was ein Problem darstellen kann: «Angesichts der stetig ansteigenden Fälle von Vergewaltigungen unter Drogeneinfluss ist eine Lösung des Problems dringend nötig», sagt einer der Forscher, Fernando Patolsky. Im Weltdrogenbericht der Vereinten Nationen wurde der Missbrauch von K.-o.-Tropfen 2010 zu einem der wichtigsten Drogenprobleme weltweit erklärt.

Testergebnis innert weniger Minuten

Der von Fernando Patolsky und Michael Ioffe entwickelte Tester basiert «auf simplen optischen Prinzipien», so Patolsky. Obwohl K.-o.-Tropfen farblos und praktisch geschmacksneutral sind, verändern sie auf subtile Weise die optische Eigenschaft des Drinks. Wenn ein Lichtstrahl des Testers, den man kurz in das Getränk hält, in Kontakt mit einem «gedopten» Drink kommt, findet eine Signal-Veränderung statt, die einen Alarm am Tester auslöst. Dieser könnte laut Forschern ein Vibrations- oder Lichtsignal sein, damit er auch in dunklen und lauten Räumen wahrgenommen wird. Um die Genauigkeit des Sensors zu testen, liessen Patolsky und Ioffe eine grosse Anzahl Cocktails mischen, in fünfzig davon wurde nach dem Zufallsprinzip und in Abwesenheit der Forscher GHB dazu gemischt. Das Testergebnis fiel erfolgreich aus: Jeder mit Drogen versehene Drink konnte korrekt identifiziert werden, es wurden keine falschen positiven Ergebnisse ermittelt.

«Wenn diese Beschreibung korrekt und wahr ist, ist das eine gute Sache», sagt Hugo Kupferschmidt, Direktor des Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrums (STIZ). Er bezweifelt aber, dass die Treffsicherheit 100 Prozent beträgt. Für eine zuverlässige Beurteilung des Tests müsste man die Resultate im Original sehen können. «Möglich wäre es zwar», so Kupferschmidt, «aber nur unter sehr standardisierten Bedingungen». Ein weiteres Problem sieht der toxikologische Experte darin, dass «die Palette der Substanzen, die als Date Rape Drug verwendet werden, viel breiter ist». Nebst GHB und Ketamin werden zum Beispiel auch Benzodiazepine und Chloralhydrat als K.-o.-Macher verwendet. «Wenn diese vom Tester nicht identifiziert werden können, besteht für die Partygänger trotz negativem Ergebnis ein Risiko.»

Diese Problematik ist den beiden israelischen Wissenschaftlern ebenfalls bewusst, sie hoffen, dass sie die Bandbreite bald ausweiten können und somit «auch andere Date Rape Drugs vom Tester erkannt werden». Ihre Erfindung haben sie aber auf jeden Fall schon zum Patent angemeldet, nun hoffen Patolsky und Ioffe weitere Investoren für ihr Forschungsprojekt gewinnen zu können.

Keine offiziellen Schweizer Zahlen zu K.-o.-Tropfen-Opfer

Im Gegensatz zu den USA, die laut US-Justizbehörden im Jahr 2007 200'000 Vergewaltigungen unter Einfluss von K.-o.-Drogen verzeichneten, liegen in der Schweiz keine Zahlen vor, da «in den Kriminalstatistiken nicht erfasst wird, ob Drogen oder andere Substanzen bei einer Vergewaltigung eine Rolle spielten», so der Zürcher Kapo-Sprecher Martin Sorg. Die Problematik der K.-o.-Tropfen werde aber regelmässig thematisiert.

Im Rahmen der von den Zürcher Suchtpräventionsstellen organisierten «Dialogwoche Alkohol», die im vergangenen Frühling durchgeführt wurde, informierte die Zürcher Stadtpolizei zum Thema K.-o.-Tropfen. Denn gerade im Mischkonsum mit Alkohol können Substanzen wie GHB gefährlich werden. «Wer GHB nimmt, sollte auf keinen Fall alkoholische Getränke konsumieren», warnt Kupferschmidt, «denn Mischintoxikationen von GHB und Alkohol gelten als sehr gefährlich, sie können zu Atemstillstand und Koma führen». In diesen Fällen kann nur noch der Notarzt helfen. Doch auch bei reinem GHB-Konsum ist höchste Vorsicht geboten, denn es gibt keinerlei Gegenmittel.

Eine weitere Gefahr sieht Kupferschmidt in den neulich auch in der Schweiz aufgetauchten Drogen der sogenannten Research-Chemicals-Gruppe, zu denen Substanzen wie etwa Mephedron oder Butylon gehören. Vor allem im Ausland häufen sich die Fälle von Intoxikationen im Zusammenhang mit den neuen Designerdrogen. In der Schweiz sind bisher nur wenige Fälle bekannt. Dies könnte sich allerdings am kommenden Wochenende ändern, denn «die Street-Parade zieht viele Besucher aus dem Ausland an und mit ihnen könnten auch vermehrt die gefährlichen Präparate Einzug halten», so Kupferschmidt. Saferparty.ch, ein Drogeninformationsportal der Zürcher Jugendberatung Streetwork, warnte auf seiner Homepage bereits zu Beginn dieser Woche vor gefährlichen, mit Butylon versetzten Ecstasy-Pillen. Letztere Substanz sei ein praktisch unerforschtes Research Chemical. Somit ist über die Wirkung, die Nebenwirkungen und Langzeitfolgen dieser Substanz wenig bekannt. Aufgrund des niedrigen Informationsstands nehme der Konsument die Rolle eines Versuchskaninchens ein, wenn er diese Tablette konsumiere, heisst es bei Saferparty.ch

Wie bereits in anderen Jahren ist Streetwork auch an der diesjährigen Street-Parade aktiv. Nebst Informationen und Beratung zu psychoaktiven Substanzen kann man seine Drogen beim Drug-Checking auf deren Inhalt testen lassen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 11.08.2011, 12:07 Uhr)

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Streetwork Drug-Checking

Drogen-Test an der Street Parade

Der Informations- und Beratungsstand (inkl. Drug-Checking) der Jugendberatung Streetwork befindet sich dieses Jahr während der Street-Parade ab 13 Uhr am Ende der Bahnhofstrasse anfangs Bürkliplatz (Nähe Nationalbank).
Abends steht ab 23 Uhr das gleiche Angebot der Jugendberatung Streetwork mit Beratung und Drug-Checking an der Lethargy Party in der Roten Fabrik zur Verfügung (bis morgens um 7 Uhr).

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Was ist GHB und wie wirkt es?

GHB (Gamma-Hydroxybuttersäure) ist in der Partyszene auch als Liquid Ecstasy oder K.-o.-Tropfen bekannt.
Bei niedriger Dosierung vermittelt die schnell wirkende Droge euphorische und auch erotische Gefühle. In höheren Dosen führt sie zur Bewusstlosigkeit, vor allem in Kombination mit Alkohol.
Entsprechend der dämpfenden Wirkung auf das Zentralnervensystem (ZNS) tritt Schläfrigkeit und in höheren Dosen ein tiefes Koma auf. Die Substanz wurde in den 60er-Jahren vorübergehend als Narkosemittel angewendet. Die Wirkung tritt innert 15 bis 30 Minuten ein. Da der Sicherheitsabstand zwischen der Dosis, die den gewünschten Effekt, und der Dosis, die zum toxischen Koma führt, klein ist, ist die Gefahr der unbeabsichtigten Überdosierung hoch. Ein Koma ohne medizinische Überwachung und Behandlungsmöglichkeiten birgt das Risiko von lebensgefährlichen Komplikationen wie Atemstillstand, Blutdruckabfall, Unterkühlung, krampfartige Anfälle, lebensgefährliche Stürze in sich. International wurden auch bereits Todesfälle nach GHB-Einnahme mitgeteilt. Besonders gefährlich sind Kombinationen mit anderen Drogen, die eine narkotisierende Wirkung haben (Alkohol, Opiate, Schlafmittel), aber auch stimulierende Drogen wie Amphetamine, Kokain und Designerdrogen.
(Quelle: Tox-Zentrum, www.toxi.ch)

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