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Tim K.: Das Einzelkind, das Opern liebte

Aktualisiert am 11.03.2009

Über den 17-Jährigen, der heute an der Albertville-Realschule und auf seiner Flucht im deutschen Bundesland Baden-Württemberg 15 Menschen erschossen hat, werden immer mehr Details bekannt.

1/32 Die Frage nach dem Warum des Amoklaufs beschäftigte alle Beteiligten: Gedenkkerzen auf dem Schulareal.

   

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Ein Klassenkamerad schildert «Spiegel Online», Tim K. sei ein Einzelkind und «schwer frustriert» gewesen. Dies, weil er seinen Realschulabschluss im vergangenen Jahr nicht bestanden haben.

Dem gegenüber steht eine Aussage von Kultusminister Helmut Rau, CDU: Es handle sich bei K. um einen nach aussen «völlig unauffälligen» ehemaligen Schüler. Er habe die Schule im vergangenen Jahr mit Mittlerer Reife abgeschlossen und danach eine Ausbildung begonnen. Der Jugendliche sei «nie in irgendeiner Form» auffällig geworden, betonte Rau. Offensichtlich habe er eine «doppelte Identität» gehabt.

Er starrte immer auf den Boden

Ein Mitschüler beschreibt den Amokläufer von Winnenden auf «Stern.de» wiederum als ruhigen Typ mit einem aussergewöhnlichen Musikgeschmack. Marcel* (18) war drei Jahre lang Klassenkamerad des Amokläufers Tim K.

Marcel erzählt: «Tim war immer sehr ordentlich gekleidet, mit Jeans und Hemd. Er war kein richtiger Sonderling, hat sich nicht vollkommen ausgegrenzt, aber war ein sehr ruhiger, zurückhaltender Mensch. Er hat im Unterricht immer auf den Boden gestarrt. Anfangs haben einige meiner Klassenkameraden und auch ich noch probiert, mit ihm zu reden. Aber er wollte das nicht. Einen richtigen Freund hatte er nie.»

Keine Gewalt-Games gespielt

Marcel berichtet weiter: «Tim war kein gewalttätiger Typ. Er war nie aggressiv und hat meines Wissens nach auch keine Gewalt-Computerspiele gespielt. Sein Musikgeschmack war aber sehr ausgefallen: Im Musikunterricht kam mal raus, dass er sich für Klassik interessiert und Opern hört. Ich habe ihn seit unserem Abschluss vor einem Jahr nicht mehr gesehen. Es hat mich vollkommen überrascht, dass er so etwas getan hat, das hätte ich von ihm nie erwartet.»

Der Pfarrer, der Tim K. im März 2006 konfirmierte, sagt zur «Welt»: «Er war kein Einzelgänger», sagt Wolfgang Peter. Tim sei ruhig und freundlich gewesen. Ein Junge, der im Tischtennisverein war.

Mitschüler vor der Albertville-Schule schildern Tim als unauffällig und höflich. «Jemand, mit dem man gerne ausgeht», sagt die 15-jährige Jasmin der «Welt».

Warum Tim K. heute 15 Personen erschossen hat, ist jedenfalls unklar. «Spiegel Online» schildert den heutigen Tathergang: K. ging schweigend durch die Gänge der Schule, betrat Klassenzimmer. Feuerte. Die Waffe nahm er aus dem legalen Waffenarsenal seiner Eltern. Der Vater ist Sportschütze und besitzt mehrere Waffen. Bei einer Hausdurchsuchung von heute stellte die Polizei fest, dass eine fehlte.

«Seid ihr immer noch nicht alle tot?»

Bei seinem Amoklauf trug er einen schwarzen Kampfanzug. In den Klassenraum der 10d lief er laut «Bild.de» gleich dreimal. Beim dritten Mal rief er: «Seid ihr immer noch nicht alle tot?» Eine Lehrerin warf sich vor eine Schülerin. Tim erschoss sie «eiskalt».

Bevor er von der Polizei auf einem Parkplatz erschossen wurde, feuerte er rund 50 Mal auf die Beamten und Passanten.

Über das Motiv von Tim K. kann nur gerätselt werden. Ob er sich möglicherweise von dem Amoklauf im US-Bundesstaat Alabama, wo in der Nacht zu Mittwoch elf Menschen getötet wurden, beeinflussen liess, ist unklar. (sam)

Erstellt: 11.03.2009, 20:30 Uhr

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