Panorama

Tödliche Kälte: Der Strom wird knapp

Aktualisiert am 10.02.2012

Wegen Temperaturen von bis zu minus 36 Grad kann Serbien derzeit nur noch bedingt mit Strom versorgt werden. In Osteuropa sind immer mehr Regionen von der Umwelt abgeschnitten. Auch in Italien schneit es weiter.

1/47 So kalt wie schon lange nicht mehr: Fischerboote am Ufer des Dojran-Sees im Süden von Mazedonien. (11. Februar 2012)
Bild: Reuters

   

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Russische Temperaturen in der Schweiz

Russische Temperaturen in der Schweiz
Ein Kältehoch aus Russland beschert der Schweiz diese Woche eisige Temperaturen.

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Die extreme Kältewelle hat weite Teile Europas weiter fest im Griff. Starke Schneefälle in mehreren Regionen sorgen am Morgen in Italien für erhebliche Behinderungen im Strassenverkehr. In der Nacht schneite es heftig in der Lombardei, in Umbrien und in der Toskana. Im Raum Mailand wurde die Autobahn A1 für den Lastwagen-Verkehr gesperrt. In Ligurien stürmte es ausserdem heftig.

Schneefälle wurden auch in Süditalien, darunter in Kalabrien gemeldet. Auch im Bahnverkehr kam es zu Problemen. Die Staatsbahn teilte mit, mehrere Züge fielen aus. Gefahren wurde nach einem «Schnee-Plan» mit weniger Zügen.

30 Zentimeter Schnee in Rom erwartet

Rom befürchtet bis morgen weiter heftige Schneefälle, wie jene, die den Verkehr in der Hauptstadt vergangene Woche zum Erliegen gebracht haben. Ämter und Schulen blieben am Freitag geschlossen.

Im Fall von Schnee in der Ewigen Stadt besteht Kettenpflicht, beschloss der römische Bürgermeister Gianni Alemanno. Damit wolle man eine ähnliche Situation wie jene am vergangenen Freitag verhindern, als hunderte Autofahrer auf der Stadtautobahn stundenlang blockiert wurden, weil sich einige Fahrzeuge auf der Schneefahrbahn quergestellt hatten. «Wir rechnen mit mindestens 30 Zentimeter Schnee», sagte Alemanno.

Der Strom geht aus

In Serbien stellten Minustemperaturen von bis zu minus 36 Grad die Energieversorgung vor immer grössere Probleme. Die derzeitige Nachfrage könne nicht mehr befriedigt werden, erklärte der staatliche Energieversorger.

Im Fernsehen forderten die Behörden die Bevölkerung deshalb auf, Strom zu sparen. Andernorts setzten Rettungskräfte Helikopter ein, um die Bewohner Dutzender eingeschneiter Ortschaften mit Lebensmitteln zu versorgen. In Deutschland führte Neuschnee gestern zu zahlreichen Verkehrsunfällen. Dabei wurden laut Polizeiangaben auch mehrere Menschen verletzt.

Bulgarien stellt Stromexporte ein

Bulgarien hat wegen der extremen Winterkälte den gesamten Stromexport eingestellt. Der Exportstopp für andere Balkanländer begann in der Nacht. Grund dafür war der drastisch gestiegene Stromverbrauch und eine Panne in einem wichtigen Kraftwerk, sagte Energieminister Trajtscho Trajkow dem Staatsradio in Sofia.

In dem Balkanland wurden Temperaturen bis zu minus 14 Grad erwartet. Die Donau war bei Silistra im östlichen Flussabschnitt Bulgariens nach amtlichen Angaben weiterhin zu 90 Prozent zugefroren. Die Schifffahrt wurde eingestellt.

Schifffahrt auf der Donau eingestellt

Durch die eisige Kälte in Europa sind bereits mehr als 540 Menschen gestorben. Mindestens vier osteuropäische Länder haben wegen des strengen Frosts und grosser Eisschollen auf der Donau inzwischen die Schifffahrt eingestellt. Bulgarien, Kroatien, Rumänien und Serbien hätten die Entscheidung getroffen, weil bis zu 90 Prozent der Wasseroberfläche von Eis bedeckt seien, teilten die jeweiligen Behörden mit.

Auch auf deutschen Flüssen und Kanälen machen Eisschollen der Schifffahrt zu schaffen, mehrere Kanäle wurden gesperrt. Zur Verhinderung von Überschwemmungen wollen serbische Behörden nun Sprengstoff einsetzen, um das Eis zu brechen.

Dörfer von der Aussenwelt abgeschnitten

Rumänische Fernsehbilder zeigten unterdessen Bewohner des im Osten gelegenen Dorfs Rubla, die verzweifelt Tunnel gruben, um sich aus ihren Häusern zu retten. Dutzende weitere Ortschaften hatten weder Strom noch Wasser. Auch in abgelegenen Dörfern Bosniens und Serbiens waren Zehntausende Menschen von der Aussenwelt abgeschnitten.

Auf der Mosel musste der Schiffsverkehr zwischen Koblenz und Trier wegen des Eises eingestellt werden. Auch vor der vorpommerschen Ostseeküste kam der Schiffsverkehr zum Erliegen. In den bayrischen Bergen stieg die Lawinengefahr. Der gefrorene Boden bereitet mittlerweile auch den Bestattern Probleme.

Östlich von Rügen hatten sich nach starkem Nordostwind bis zu 1,50 Meter starke Eiswälle gebildet und die Schifffahrt zum Erliegen gebracht. Die Schollen könnten von Eisbrechern nicht mehr geknackt werden, sagte der Chef der Revierzentrale, Klaus-Peter Nitsch, der Nachrichtenagentur dapd.

Aus Sorge um obdachlose Menschen stellten die Berliner Behörden unterdessen zusätzliche Unterkünfte bereit, die ihnen Zuflucht vor den lebensgefährlichen Temperaturen bieten. (kpn/dapd)

Erstellt: 10.02.2012, 06:42 Uhr

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