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Tötungsvorwurf gegen den Kapitän der Costa Concordia
Schiffsunglück in Italien. (Video: Reuters )
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Die «Costa Concordia» gehört zu den neuesten und grössten Kreuzfahrtschiffen, die derzeit auf den Meeren unterwegs sind. Sie wurde 2006 gebaut und bietet in 1500 Kabinen Platz für 3780 Passagiere.
Betreiber ist das italienische Kreuzfahrtunternehmen Costa Crociere mit Sitz in Genua. Das Schiff misst 290 Meter und ist gut 35 Meter breit. Es schafft bei 114'500 Bruttoregistertonnen eine maximale Geschwindigkeit von 23 Knoten (rund 43 Stundenkilometer).
1100 Besatzungsmitglieder kümmern sich um die Gäste. An Bord befinden sich auf 17 Decks neben fünf Restaurants auch ein Theater, ein Kino sowie Clubs und Diskotheken.
Szenen wie aus «Titanic»
Umso unglaublicher ist das Unglück, das sich heute ereignete: Während einer Kreuzfahrt von Civitavecchia über Savona, Marseille, Barcelona, Palma de Mallorca, nach Cagliari und Palermo lief die Costa Concordia auf einen Felsen auf. Wasser drang ein ein, das Schiff neigte sich daraufhin zur rechten Seite. Zwölf Stunden nach dem Unfall lag es fast waagerecht auf der Seite im Wasser.
Überlebende berichteten von Szenen, die an den Katastrophen-Film «Titanic» erinnerten. Sie seien durch auf die Seite gedrehte Flure gekrochen, um sich in Sicherheit zu bringen. Das Licht sei ausgefallen und Teller und Gläser zerbrochen.
«Felsen, der nicht eingetragen war»
Gegenwärtig ist noch unklar, was die Costa Concordia zum Sinken brachte. Ein Experte, der das Wrack aus der Nähe betrachten konnte, bezeichnete einen menschlichen Fehler oder einen elektronischen Defekt als die wahrscheinlichsten Ursachen.
Der Kapitän bestritt dagegen, dass ein menschlicher Fehler die Ursache für die Tragödie war. «Das Schiff hat einen Felsen gerammt, der in den Seekarten nicht eingetragen war», sagte er im Fernsehen. Das ist insofern höchst unvorstellbar, als dass die Strecke schon seit Jahrhunderten abgefahren wird. Der Unfallort befindet sich nah am Land und nicht etwa auf hoher See.
Der mittlerweile inhaftierte Kapitän des vor Italien havarierten Kreuzfahrtschiffs muss sich nach Medienberichten möglicherweise wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Ihm werde zudem der Untergang der «Costa Concordia» zu Lasten gelegt sowie vorgeworfen, entgegen der Seemannsregel das Schiff verlassen zu haben, bevor alle Passagiere gerettet worden seien, berichteten italienische Medien heute.
«Sehr ungeschickt»
Diese Vorwürfe würden auch dem ersten Offizier Ciro Ambrosio gemacht. Der Staatsanwalt von Grosseto, Francesco Verusio, erklärte vor Journalisten, der Kapitän Francesco Schettino habe sich mit dem Luxusliner Costa Concordia «sehr ungeschickt» der Insel Giglio genähert und einen Felsen gerammt, der sich in die linke Seite des Schiffs gebohrt habe. Dadurch sei das Schiff auf die Seite gekippt, innerhalb von «zwei, drei Minuten» sei eine riesige Menge Wasser durch den 70 bis 100 Meter langen Riss eingedrungen.
SF-Reporter Florian Inhauser sagte in der Tagesschau, es gäbe ein Gerücht, dass das GPS nicht gut funktioniert habe oder dass es zu einem Stromausfall kam.
Öl könnte auslaufen
Die Behörden ordneten auch eine Untersuchung zum Umgang der Crew mit den Rettungsbooten und Schwimmwesten an. Zahlreiche Passagiere hatten geklagt, die Besatzung habe nicht richtig ausgebildet für Rettungsaktionen gewirkt.
Nicht ausgeschlossen ist, dass Öl aus dem havarierten Schiff ausläuft, wie Präfekt Linardi sagte. In der Costa Concordia befinden sich rund 2400 Tonnen Treibstoff.
(kle)
Erstellt: 14.01.2012, 20:01 Uhr




