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«Trotz Schwimmweste unter Wasser gedrückt»

Von Susanna Michel. Aktualisiert am 21.07.2009

Die beiden Frauen, die auf der Lütschine beim Riverraften tödlich verunglückten, trugen Schwimmwesten. Was geschahgenau bei dem Unfall?

«Die Kräfte in einem Fluss sind enorm»: Veranstalter AlpineRaft.

«Die Kräfte in einem Fluss sind enorm»: Veranstalter AlpineRaft.

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Wie der Veranstalter der Bootstour, AlpinRaft, erläutert, trugen alle Teilnehmer und Guides Schwimmwesten. Aber: «Die Kräfte in einem Fluss sind enorm, so dass jemand trotz Schwimmweste durch die Strömung und den Wasserdruck unter Wasser gehalten werden kann. Trägt eine schwimmende Person eine Weste, hilft dies bestimmt bei der Bergung aus dem Wasser.»

Identität bekannt

Gestern Vormittag verstarb auch die zweite Frau, die nach dem Unfall auf der Lütschine vom vergangenen Freitag verletzt hospitalisiert werden musste. Es handelt sich bei ihr um eine 28-jährige Amerikanerin.

Gestern wurde zudem die Identität der Frau bekannt, die bereits am Freitagabend im Spital starb. Sie kam aus Australien und war 20 Jahre alt. Ihre Herkunft und ihr Alter wurden erst gestern bekannt gegeben, weil die nächsten Angehörigen die Todesopfer jeweils vor Ort identifizieren müssen. «Bevor das nicht passiert, können wir keine detaillierten Angaben bekannt geben», erklärte Thomas Jauch, Mediensprecher der Kantonspolizei. Er teilte gestern weiter mit, dass die genaue Unfallursache noch ermittelt werde.

«Mit offenen Ohren»

Am Sonntagabend trafen die Angehörigen der Opfer ein. Sie werden vom Care Team Kanton Bern betreut, das kurze Zeit nach dem Unglück in Wilderswil eingetroffen war, um sich um die Betroffenen zu kümmern.

Pfarrer Hans Zaugg von Oberdiessbach leitet diesen Einsatz. Er fasst die wichtigste Aufgabe des Teams zusammen: «Wir helfen vor allem mit offenen Ohren und offenen Herzen.» Die Beteiligten wurden nach dem Unfall in einem Hotel von Matten versammelt. Hier verhörte sie die Polizei. Zudem nahmen die Frauen und Männer des fünfköpfigen Care Teams mit ihnen Kontakt auf. «Es waren viele junge Frauen aus Übersee. Wie eigentlich alle Menschen, die in eine solche schlimme Situation geraten, mussten sie das Erlebte erzählen können. Das ist wichtig, um es verarbeiten zu können», sagt Hans Zaugg.

Dazu wurden am Freitag Gruppen gebildet, die Betroffenen hatten auch die Gelegenheit, einzeln mit Fachleuten zu sprechen. Niemand musste an diesem Abend alleine bleiben oder nach Hause gehen. Die ausländischen Gäste wurden ebenfalls von der Leiterin ihrer Unterkunft sowie der Eventmanagerin des Reiseveranstalters betreut. Um die Guides kümmerte sich neben dem Care Team auch eine leitende Angestellte von AlpinRaft. «Wir haben von diesen Laien eine wunderbare Unterstützung bekommen», lobt der Einsatzleiter des Care Teams.

Angehörige begleiten

Diese Hilfe geht auch heute noch weiter. Die meisten der Touristen, die zu der verunglückten Tour gehörten, sind zwar abgereist. Doch nun betreut das Care Team die Angehörigen der Verunfallten. Sie wurden am Flughafen abgeholt und zum Spital, respektive in das Institut für Rechtsmedizin geführt. Sie werden auch den Unfallort besuchen. «Das sind schlimme Momente», sagt Hans Zaugg. Da sei es wertvoll, sich in einem fremden Land nicht noch um scheinbare Kleinigkeiten wie Anreiseweg oder Unterkunft kümmern zu müssen.

Wie umsichtig die Angehörigen betreut werden, zeigt sich unter anderem darin, dass sie im Oberland in einem Hotel untergebracht sind, in dem sie das Rauschen der Lütschine nicht hören können.

Hilfe des Kantons

Das Care Team Kanton Bern besteht aus speziell geschulten Fachleuten wie Pfarrer und Psychologen. Es kann von der Polizei aufgeboten werden, wenn die bei ausserordentlichen Ereignissen bei der Betreuung der Beteiligten Unterstützung braucht. (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.07.2009, 10:30 Uhr

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