Panorama

Vatikan-Kardinal vergleicht Gaza mit KZ

Der Vatikan-Beauftragte für Menschenrechte, Kurienkardinal Renato Martino, sagte heute, die Lage im Gazastreifen ähnele einem grossen Konzentrationslager. Israel nennt dies «Hamas-Propaganda».

Sorgt für Unmut: Kardinal Renato Martina, hier 2006 am World Economic Forum in Davos.

Sorgt für Unmut: Kardinal Renato Martina, hier 2006 am World Economic Forum in Davos. (Bild: Keystone)

Dies sagte Martino in einem am Mittwoch von der Online-Zeitung «Il Sussidiario» veröffentlichten Interview. Der Präsident des Päpstlichen Rats für Gerechtigkeit und Frieden fügte hinzu, keine der beiden Konfliktparteien berücksichtige die Interessen der anderen, sondern denke nur an das eigene Interesse.

Die Folgen dieses «Egoismus» seien «Hass auf den anderen, Armut, Ungerechtigkeit». Leidtragende sei stets die Zivilbevölkerung. Martino sagte in dem Interview weiter, Isrealis und Palästinenser seien beide schuld an der Gewalt im Nahen Osten. Sie müssten nun ihre Bereitschaft zu einem Dialog beweisen.

«Wenn es ihnen nicht gelingt, sich zu einigen, muss es jemand anderes für sie tun», forderte der Vatikan-Vertreter. Die Welt könne den Kämpfen nicht tatenlos zusehen.

Israel: Die Hamas-Verbrechen ausser Acht gelassen

Israel wies den Vergleich des Gazastreifens mit einem KZ zurück. Martinos Äusserungen schienen «direkt der Hamas-Propaganda» entnommen, sagte Ministeriumssprecher Igal Palmor in Jerusalem der Nachrichtenagentur AFP. Damit lasse der Geistliche «die unzähligen Verbrechen» der Hamas-Kämpfer ausser Acht. (oku/sda/)

Erstellt: 07.01.2009, 22:24 Uhr

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7 Kommentare

Raoul Haldimann

08.01.2009, 00:01 Uhr
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Frage mich immer wieder welchen Extremisten hier ein Plattform gegeben wird. Der Vatikan welcher Andersdenkende in Käfigen vor den Angehörigen verdursten liess und jagt auf unschuldige Muslime und Juden machte... der Vatikan welcher die Nazis unterstützte, der Vatikan welcher noch heute Freidenker töten würde, wenn er noch die Macht hätte. Eine Schande für unseren Medien und das moderne Europa! Antworten


christoph scheidegger

07.01.2009, 23:50 Uhr
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fehlt doch nur noch, dass der deutsche papst den israelis mit der schweizergarde, den jesuiten und etwa der vatikanbank droht.. Antworten


Doris Blaser

07.01.2009, 23:27 Uhr
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Von diesem Vatikan-Kardinal habe ich leider nichts gehört, als die Hamas früher frisch-fröhlich ihre Raketen abschossen? Antworten


Nathan Winter

07.01.2009, 23:13 Uhr
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Der Kardinal spricht als erster Promi aus, was Millionen längst denken und aussprechen: Israel hat die Unterdrückung des Gaza-Streifens, der palästinensischen Bevölkerung soweit verschärft, dass sich die Verhältnisse an jene ehem. KZ-Insassen angenähert haben: Hungersnot, Erchiessungen, totale Willkür durch Grenzwächter, soziale Degradierung und Entwürdigung. Der Vatikan erbarmt sich Gottseidank. Antworten


Maria Bucher

07.01.2009, 22:59 Uhr
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Ich bin stolz auf unseren Kardinal Renato Martino, er getraut die Wahrheit zu sagen und kuscht nicht vor dem ewigen und menschenverachtenden Vorwurf des Antisemitismus. Die Anhänger der kriegshetzenden israelischen Regierung werfen ja jedem Kritiker gebetsmühlenartig Antisemitismus vor und gehen gar nicht auf Argumente ein. Bravo Kardinal Renato Martino, sie sind ein mutiger Mensch ! Antworten


Leonhard Fritze

07.01.2009, 22:46 Uhr
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Es gibt auch ein geistiges KZ: Die römische Kirche. Ausserdem gehören die Kirchen zu den grössten Massenmördern aller Zeiten: 140 Mio Ermordete. Zudem ist der weltweite Judenhass auch und vor allem ein Produkt der Kirche. Antworten


Thomas Wyss

07.01.2009, 22:34 Uhr
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Da geht der Geistliche wirklich zu weit. Er soll lieber zuerst vor der eigenen Haustüre kehren. Denn der Vatikan hätte einiges aufzuklären. Antworten



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