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Verdächtigter Bootsführer beteuert seine Unschuld

Er galt als der meistgesuchte Mann der Schweiz. Michel Balmer passt auf die Beschreibung des Todeskapitäns vom Bielersee. Er fährt sogar ein weinrotes Boot mit weissem Deck. Aber der Verdächtigte beteuert vehement seine Unschuld.

Der 62-jährige Michel Balmer und sein Boesch 560 SD: Der Ingenieur aus Concise passt auf die Beschreibung des Todeskapitäns.

Der 62-jährige Michel Balmer und sein Boesch 560 SD: Der Ingenieur aus Concise passt auf die Beschreibung des Todeskapitäns.
Bild: Ralph Heiniger

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Bilder vom Unfallort

Bilder vom Unfallort
Nach ersten Erkenntnissen ist die Frau, die von einem Schnellboot auf dem Bielersee überfahren worden ist, noch am Unfallort verblutet. Der Lenker des Boots konnte noch nicht ausfindig gemacht werden.

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Eigentlich passt Michel Balmer aus dem waadtländischen Concise genau auf die Beschreibung des Todeskapitäns vom Bielersee. Er ist 62 Jahre alt, hat eine Glatze und besitzt ein Motorboot vom Typ Boesch 560 SD. Die letzten Tage war Balmer der Hauptverdächtige im Bootsdrama auf dem Bielersee.

Die Zeugenaussage einer Bieler Motorbootlehrerin war in allen Medien zu verfolgen. Sie habe einen älteren Mann mit einem Boesch-Boot beobachtet, der kaum manövrieren konnte. Dabei könnte es sich um den Täter handeln, wurde gemutmasst.

«Ja, ich war am Freitag im Hafen von Biel. Diese Zeugin hat mich gemeint», sagt Balmer. Aber: «Ich bin unschuldig.»

«Ich habe acht Zeugen»

Er habe sich am Freitagabend vor dem tragischen Unfall mit drei Kollegen auf den Weg nach Biel gemacht. «Wir wollten uns das Boogie-Woogie Konzert auf dem Boot Siesta anhören», erklärt Balmer. Als er in den Hafen eingelaufen sei, habe er tatsächlich etwas Mühe gehabt, zu manövrieren. «Die Lücke war eng. Es ist nicht leicht, dieses Boot in engen Wassern zu steuern», so Balmer. Den Vorwurf, er sei alkoholisiert gewesen, nimmt er gelassen. «Wir haben zu viert eine Flasche Rosé getrunken.»

Nach dem Konzert seien er und seine Kollegen wieder zurück nach Concise gefahren. «Um ein Uhr nachts waren wir im Hafen. Am Samstag um zehn Uhr habe ich das Schiff ins Trockendock von Concise gebracht.» Seitdem habe sich das Boot nicht gerührt. Als er letzte Woche die Zeugenaussage der Motorbootlehrerin in den Medien sah, wandte er sich selbst an die Polizei.

«Ein absolut reines Gewissen»

«Ich war am Samstag morgen bei der Seepolizei in Yverdon.» Die Polizei habe sein Boot kontrolliert, aber nichts Verdächtiges festgestellt, versichert Balmer. «Ich habe ein absolut reines Gewissen. Am fraglichen Sonntag war ich bei einem Freund in Onnens. Dort haben wir grilliert. Das können acht Leute bestätigen.»

In den letzten Tagen haben viele Leute den 62-jährigen Ingenieur auf sein Boot angesprochen. «Hier in Concise habe ich nichts zu befürchten, hier kennt man mich. Aber an einem andern Ort wäre es jetzt wohl gefährlich für mich, mit meinem Boot unterwegs zu sein.»

«Ich hoffe, sie kriegen ihn»

Balmer ist es sehr unangenehm, dass er die letzten Tage quasi als Staatsfeind Nr.1 gehandelt wurde. Dennoch hat er Verständnis für die Situation. «Ich hoffe ja auch, dass sie diesen Kerl kriegen», sagt er. Und: «Es ist unmöglich, dass er nicht gemerkt hat, was passiert ist.»

Auch wenn er in den nächsten Wochen mit seinem Boesch-Boot wohl etwas komisch angesehen wird, will sich Balmer nicht verstecken. Demnächst will er mit mit seinem Boot an den Thunersee fahren. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.07.2010, 20:24 Uhr

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18 Kommentare

Markus Huber

21.07.2010, 00:25 Uhr
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Was mich erstaunt, dass damals, anno 1993 die Polizei den Täter in der gleichen Nacht eruierte obwohl sich diese Tragödie in absoluter Dunkelheit ereignete! Und als Denkanstoss, auf dem "Zürisee" verkehren mehr als 10-20 Boote des Typs "Boesch" oder "Pedrazzini", weil die Hersteller sind hier beheimatet! Antworten


Alex Zweifel

21.07.2010, 00:21 Uhr
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Hmm, irgendwas von Autopiloten in Luxusbooten hab' ich auch schon gehört. Könnte mir aber vorstellen, ein Autopilot funktioniert in unseren kleinen Gewässern doch nicht? Oder darf gar nicht gebraucht werden, das Unfallrisiko auf kleinen Gewässern ist, so sehe ich das, einfach zu gross, besonders bei hohem Tempo... Antworten


Roman Racine

20.07.2010, 21:55 Uhr
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Tim Meier: Wie denn? Viele Bootshalter oder Leute, die das Alibi eines Bootshalters bestätigen könnten, sind im Moment vermutlich in den Ferien. Ausserdem ist der Bootshalter vielleicht gar nicht selbst gefahren und hat deswegen ein Alibi. Verwandte oder Bekannte decken möglicherweise auch den Täter oder der Freund des Opfers hat in der Hektik und von unten aus den Bootstyp nicht richtig erkannt. Antworten


Marco Simeon

20.07.2010, 21:03 Uhr
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Was ich mich frage, könnte es sein dass ein Tourist ein Boot gemietet hat und dann meinte einen Ast oder so überfahren zu haben (sorry weiss nicht ob dass möglich ist oder ob es einen stärkeren Schlage gebe) falls dass Boot nicht beschädigt wurde und der wieder zu hause ist, weiss er vielleicht gar nicht dass er eine frau getötet hat. Antworten


Tim Meier

20.07.2010, 15:35 Uhr
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@Zürcher - Als Informatiker kann ich mir nicht vorstellen, dass es ein Problem sein soll, übermotorisierte Boote aus den Registern der Anliegerkantone zu ermitteln. 100ende dürften das nicht sein. Detailabklärungen sind dann Fleissarbeit. Nach 10 Tagen könnte der Täter längst alle Spuren verwischt haben. Bleibt noch Kommissar Zufall. Tragisch, die ganze Sache! Antworten


Mike Meier

20.07.2010, 13:18 Uhr
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Das jemand mit diesem auffälligen Boot niemand gesehen hat, nicht auffindbar ist und auch niemand kennen will ist für mich absolut unglaubwürdig. Ein Boot ist versichert und registriert und auch der Hersteller kennt seine Kunden. Die Leute welche so ein Boot haben kennen sich untereinander und wissen genau wer auch so ein Boot fährt. Tut mir leid, aber da sind zu viele Ungereimtheiten. Antworten


charles brunner

20.07.2010, 11:55 Uhr
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Ob man wohl untersucht hat, ob diese Boote mit einem Autopiloten ausgerüstet sind? Nur so kann ich mir erklären, warum der Bootsführer nichts gemerkt hat. C.Brunner, Lignières Antworten


Marcel Zürcher

20.07.2010, 11:48 Uhr
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@Heinz Vifian, doch doch gibts alles. Aber wie bei Ihnen in Kanada muss man die Maschinen mit Daten füttern umein Resultat zu erhalten. Sprich, es ist weder eine Bootsnummer, noch ein genauer Typ vorhanden. eigentlich nix. Und mit nix können sie auch in Kanada keinen Computer füttern. Antworten


Kurt Bertschi

20.07.2010, 11:33 Uhr
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Vielleicht hilft Herr Balmer ebenfalls mit, den Täter zu finden. Bootsbesitzer untereinander kennen sich doch./20.7.2010 Antworten


Tomas Graf

20.07.2010, 11:12 Uhr
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Kantönligeist hin oder her... wenn die Zeugen kein Kennzeichen angeben können dann ist die Suche etwa gleich wie wenn es heisst ein roter Sportwagen in Winterthur oder ein Blauer Geländewagen in Chur... also viel Glück! Antworten


Meinrad Schmidhuser

20.07.2010, 10:33 Uhr
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Es ist erstaunlich, dass sich die ganze Suche nun auf die Aussage von Stefan F. und einigen Wichtigtuern rund um den Bieler See abstützt. Wer prüft und zweifelt an den Aussagen von Stefan F.?! Vielleicht wäre es ratsam, mal ein mögliches Motiv seinerseits abzuklären. Antworten


Jack Meier

20.07.2010, 09:08 Uhr
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Das Problem besteht ja bekanntlich darin, dass das Boot nur ungefähr beschrieben wurde und möglicherweise keine oder inzwischen bereits geflickte Spuren vom Unglück aufweist. Jetzt muss die Polizei die Alibi aller möglichen Kapitäne überprüfen und das braucht Zeit. Was übrigens nichts mit dem Kantönligeist zu tun hat. Antworten


Franziska Bähler

20.07.2010, 09:00 Uhr
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Balmer erscheint glaubwürdig, was die Sache nur noch unheimlicher macht. Auf wieviele Personen kann die Täterbeschreibung denn passen? Sagt der Freund wirklich die Wahrheit? Antworten


Walter Schmid

20.07.2010, 08:31 Uhr
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Ich hoffe auch, sie kriegen ihn, Herr Balmer. Antworten


Samuel Ineichen

20.07.2010, 08:29 Uhr
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Lieber Herr Vifian... Das ist ein Paradebeispiel für den Kantönligeist! Eines Tages werden wir noch am Verwaltungswirrwarr ersticken! Antworten


peter stoffel

20.07.2010, 07:37 Uhr
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herr balmer, ich gratuliere ihnen für ihre offenheit! Antworten


georg graf

20.07.2010, 00:55 Uhr
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Die Berner Kantonspolizei hat keinen Adrian Monk hat, ist sehr bedauerlich. Dass es so lange geht, bis der "Hauptverdächtige" sich outet, ist sonderbar. Ermittlungsmethoden sind natürlich verdeckt. Hinweisen nachzugehen wichtig. Bloss die Frage bleibt, wann denn die Bootshäuschen und Schuppen entlang der Seen abgeklopft werden? In irgendeinem guten Versteck, bereit zum Abtransport, da liegts doch. Antworten


Heinz Vifian

19.07.2010, 23:30 Uhr
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Als Doppel-Buerger ( Schweiz & Kanada ) und sehr ofter Besucher meiner alten Heimat , bin ich sehr erstaunt dass es in der Schweiz ein Problem ist den Besitzer(in) eines Motor-Schiffs zu finden . Es ist ein Verkehrs Mittel wie ein Flugzeug , Auto , Motorrad , auch wenn es nur zum Vergnuegen gebraucht wird . Es gibt in der Schweiz keine Zentrale wo alle Bestzer registriert sind ? Kaum zu glauben Antworten



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