Vom Zürcher Luxushotel per Heli zum Gletscher-Picknick
Von Daniel Foppa. Aktualisiert am 10.06.2009 47 Kommentare
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Pflegen Sie sich bei Ihrer Bergtour aus dem eigenen Rucksack zu verpflegen? Wie altmodisch! Trendbewusste Alpinisten lassen sich ihre Wegzehrung per Helikopter auf den Gletscher fliegen. Und sich selbst ebenso.
Diese zündende Idee hatte das Swissôtel Zürich. Es fährt seine Gäste neuerdings per Limousine zum Flughafen, wo selbige in einen Helikopter umsteigen. Weiter geht es auf den Petersgrat auf 3122 Meter Höhe im Berner Oberland - im Gepäck der «luxuriöse Gourmet-Picknick-Korb von Küchenchef Thorsten Gessel», Champagner inklusive. Bergausrüstung ist nicht nötig. 7000 Franken kostet der Ausflug für zwei Personen, Übernachtung in der Hotelsuite inbegriffen.
Besonderer Schutz
Nun gehört der Petersgrat seit 2007 zum Unesco-Weltnaturerbe Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn. In einer wohlformulierten Charta haben sich die Standortgemeinden zum besonderen Schutz der Region und zum nachhaltigen Tourismus bekannt. Fragt sich, wie nachhaltig Heli-Flüge für Champagner-Alpinisten sind. «Weltnaturerbe sagt mir jetzt grad nichts», sagt die Marketing-Verantwortliche des Hotels und verweist an die Heli-Firma. Dort heisst es, man tue nichts Illegales, man fliege einen offiziellen Gebirgslandeplatz an.
«Bireweich» findet hingegen Elsbeth Flüeler von Mountain Wilderness die Idee: «Ein Weltnaturerbe ist kein Disney World.» Auch Thomas Gurtner, Bereichsleiter Umwelt des Schweizer Alpen-Clubs SAC, sagt: «Das geht entschieden zu weit.» Es gehe nicht an, die Ruhe und Unversehrtheit des Weltnaturerbes international anzupreisen und gleichzeitig solche Flüge zuzulassen. «Dieses Angebot widerspricht der Umweltpolitik des SAC», sagt Gurtner.
«Sollte man nicht zulassen»
Selbst bei den Verantwortlichen der Weltnaturerbe-Region löst das Angebot Erstaunen aus. «Das sollte man nicht zulassen», findet Stiftungsratspräsident Benedikt Weibel. Er selber habe nichts von diesen Heli-Flügen gewusst. Für den ehemaligen SBB-Chef und patentierten Bergführer steht fest: «Damit wurde der Rubikon überschritten.» Er kündigte an, gegen die Sache vorzugehen.
Das umstrittene Angebot von Swissôtel dürfte der Auseinandersetzung um touristische Heli-Flüge in den Alpen neuen Schub verleihen. Derzeit überprüft das Bundesamt für Zivilluftfahrt mit den Kantonen alle 42 Gebirgslandeplätze. Sieben davon liegen in der Unesco-Region. SAC und Mountain Wilderness fordern eine Einschränkung der jährlich gegen 65'000 Flugbewegungen im Gebirge.
Hüttenwart gelassen
Gelassen reagiert derweil Hüttenwart Toni Brunner auf den Rummel. Seine Mutthorn-Hütte liegt in der Nähe des Petersgrats, wo künftig Zürcher Hotelgäste Champagner schlürfen. «Soll jeder machen, was er will», sagt Brunner. Und an seine Hüttenwart-Rösti komme dieses Gourmet-Picknick eh nicht ran. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 10.06.2009, 07:25 Uhr
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47 Kommentare
...sowas hätte ich eigentlich nur Kempinski Hotels zugetraut. Das würde wunderbar in deren konzeptloses Businessmodell passen, das diese Hotelgruppen derzeit im freien Fall direkt in Richtung Untergang treiben lässt. Swissotel habe ich mehr Professionaltität attestiert... Antworten
Und wer stoppt all die vielen möchte-gern-Messmers, die Tag für Tag stundenlange Suchflüge der REGA verursachen? Die vielen Bergänger und das Militär benötigen mehr Flugstunden in den Alpen als die kurzen Pick and Place Flüge ein paar weniger. Und ausserdem ist es vielleicht gar nicht schlecht, dass einige Leute mal die Auswirkungen der Klimaänderung mit eigenen Augen sehen. Antworten

















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