Panorama

Vor dem Helmhaus bettelt eine Puppe

Von Peter Aeschlimann. Aktualisiert am 22.12.2011 2 Kommentare

Eine als Bettler verkleidete Puppe sorgt im Internet für Aufsehen: der neueste Trick von Bettlerbanden oder nur eine Kunstaktion?

Video: Die bettelnde Puppe

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Es ist eine schier unglaubliche Szene, die ein Passant auf dem Limmatquai mit seiner Handykamera eingefangen hat: Vor dem Helmhaus taucht ein Mann mit Koffer auf. In aller Seelenruhe packt er eine lebensgrosse Puppe aus und platziert diese bei der Tramhaltestelle im Schneidersitz: Hände in der dunkelblauen Trainerhose, der Kopf versteckt unter einer schwarzen Kapuze – als ob Attrappen frieren könnten. Die Blicke der verdutzten Passanten ignorierend, stellt der Mann ein Kartonschild neben den Dummy. Darauf steht: «Hilfe – Jeder Franken zählt». Zum Schluss zaubert er noch einen Hut aus dem Koffer, komplettiert damit seine Bettler-Installation, wirft nonchalant ein paar Münzen nach und macht sich mitsamt dem Koffer aus dem Staub.

Bereits über 20'000-mal wurde der rund anderthalb Minuten dauernde Clip auf Youtube angeklickt. Urheber ist ein gewisser «MrSrottmann», anscheinend ein Tourist. Von ihm stammen noch drei weitere Videos: ein Panorama vom Uetliberg, tanzende Kellnerinnen im Hooters an der Langstrasse, Bilder vom Rheinfall bei Schaffhausen. Alle aufgenommen in der letzten Woche. Wurde «MrSrottmann» zufällig Zeuge einer neuen, besonders dreisten Masche einer Bettlerbande? Die Stadtpolizei verneint. «Wir gehen davon aus, dass es sich dabei um einen Streich handelt», sagt Sprecher René Ruf. Betteln sei in Zürich verboten. Dies gelte sowohl für Menschen als auch für Puppen.

Viele warfen Geld in den Hut

Nur ein Scherz? Oder eben doch Kunst? Philipp Meier vom Cabaret Voltaire sagt: «Das Dada-Haus steckt für einmal nicht dahinter. Leider. Die Aktion würde gut zu unserer aktuellen kapitalismuskritischen Ausstellung passen.» Meier findet die Inszenierung «genial». «Ein gelungener Kommentar zu unserer Zeit, in der Arbeitsplätze abgebaut werden und Dummys Geld generieren.» Die Bettlerpuppe erinnere an Projekte des amerikanischen Künstlers Mark Jenkins. Und tatsächlich findet sich auf dessen Website ein Bild mit einer praktisch identisch präparierten Puppe.

Gestern Nachmittag reagierte «MrSrottmann» auf ein E-Mail des TA. Er heisse Silvio und besuche über Weihnachten Freunde in Zürich. Das Video habe er letzten Samstag beim Shopping aufgenommen. Nachdem der Mann mit dem Koffer verschwunden war, habe er noch einige Minuten dagestanden und die Passanten beobachtet. «Viele haben Geld in den Hut geworfen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.12.2011, 07:01 Uhr

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2 Kommentare

Hedvika Post

22.12.2011, 20:59 Uhr
Melden 7 Empfehlung

Gute Idee, warum sollten arme Leute für Geld ihre Gesundheit aufs Spiel setzen und beim Betteln (er)frieren? Antworten


Heidi Müller

23.12.2011, 09:50 Uhr
Melden 4 Empfehlung

Ich habe mal einem vermeintlich gehörlosen Mann hinterhergerufen, nachdem er sein Mini-Teddybärlil samt Zettelchen, er sei gehörlos, bei mir in einem Restaurant auf den Tisch gelegt hat, er könne das wieder mitnehmen. Komischerweise ist er stehengeblieben und hat sich zu mir umgedreht - und hatte im gleichen Moment gemerkt, dass er sich so verraten hatte! Dumm gelaufen! Antworten



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