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Warum Air France 447 abstürzte
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Während die Pariser Fluguntersuchungsbehörde BEA noch immer Daten sammelt und nach wie vor keine abschliessende Aussage zur Unfallursache gemacht hat, sind die Anwälte von mehr als 50 britischen Opferfamilien vergangene Woche mit ihren Erkenntnissen an die Öffentlichkeit getreten. Sie haben mit Hilfe von Experten eigenständig Daten zum Absturz gesammelt.
Die Anwaltskanzlei Stewarts Law plant Schadenersatzklagen für die Hinterbliebenen der Opfer des Fluges AF 447. Bei dessen Absturz im Juni starben vor Brasilien 228 Menschen. Nach Ansicht der Juristen gibt es längstens «genug Satellitendaten des Flugzeuges, um mit Sicherheit vier Faktoren zu nennen, die zum Absturz geführt haben», wie John Mahon, ein von der Kanzlei beigezogener Fluglehrer, der britischen «Times» sagte:
- Das Flugzeug ist in eine Gewitterfront geflogen, die andere Maschinen vermieden haben.
- Die Geschwindigkeitssensoren, die so genannten Pitot-Sonden, waren fehlerhaft.
- Die drei Informationssysteme, die so genannten Adiru, die gemessene Daten über Geschwindigkeit und Luftumgebung an das System schicken, funktionierten nicht richtig.
- Die Piloten hatten womöglich ungenügend Erfahrung mit diesen Fehlfunktionen.
«Falls nur einer dieser Faktoren während des Fluges AF 447 nicht geschehen wäre, wäre es nicht zum Unfall gekommen», sagt Mahon. In einer nachgestellten Szene mit einem Simulator des Airbus 330 hätten die eingesetzten Piloten die Kontrolle über die Maschine wieder erlangen können. Doch diese Piloten hätten natürlich gewusst, dass es eine Fehlfunktion geben würde und sich darauf einstellen können. Niemand könne jedoch die Atmosphäre der Angst nachvollziehen, die wohl im Cockpit geherrscht habe sowie die Turbulenzen, die die Mannschaft hin und her geworfen haben dürften.
Klagen gegen Airbus und Air France
Den Anwälten dürfte es darum gehen, die Fehlfunktionen als ursächlich für den Absturz darzustellen, um auf diese Weise Schadenersatzforderungen begründen zu können. Die Juristen hätten also «ihre eigenen Prioritäten», wie die «Times» das nennt. Laut Experten dürften sich die Forderungen gegenüber Airbus und Air France je nach Bericht zwischen umgerechnet 600 Millionen und 1,5 Milliarden Franken bewegen.
Derweil haben in Houston, USA, die Familien von zwei Absturzopfern Klage gegen verschiedene Unternehmen eingereicht, wie die Nachrichtenagentur Associated Press heute berichtet. Sie argumentieren, Airbus und Air France hätten über die defekten Teile Bescheid gewusst und sie trotzdem weiter eingesetzt. Ebenfalls angeklagt sind Thales, Honeywell und Rockwell Collins, die Hersteller der Pitotsonden und Messgeräte.
EU-Luftaufsicht überprüft weitere Sonden
In Frankreich läuft ein Untersuchungsverfahren wegen des Absturzes. Es prüft insbesondere, ob Air France und Airbus es unterlassen haben, trotz Warnungen fehlerhafte Sonden an den Airbus 300 zu ersetzen.
Die EU-Luftaufsicht hat erst letzte Woche eine Überprüfung weiterer Sensoren zur Geschwindigkeitsmessung beim A330 angeordnet, da es Hinweise auf Probleme mit der Befestigung der Geräte gäbe, was zu falschen Geschwindigkeitsangaben führen könnte. Diesmal geht es um Produkte Herstellers Goodrich, die Airbus empfohlen hatte, nachdem die EU jene des französischen Konzerns Thales eingeschränkt hatte. (oku)
Erstellt: 01.10.2009, 10:48 Uhr
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