Panorama
Wer ist die unbekannte Krebskranke? Die Polizei ermittelt auf Hochtouren
Vor Spital ausgesetzt: Die schwer kranke Unbekannte.
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Der Schock sitzt Heinz Tanner tief in den Knochen: Der Personalchef des Kantonsspitals Münsterlingen war es, der die unbekannte Frau auf dem Spitalvorplatz fand – zwischen Hagenbuttensträuchern, in eine Wolldecke gewickelt. «Sie lag völlig hilflos auf der Erde», sagt der 57-Jährige im «Blick». Inzwischen haben Ärzte die Frau untersucht. Sie ist schwer entstellt: In ihrer linken Gesichtshälfte wuchert ein Tumor, das Augenlid hängt herunter. «Die Patientin leidet nach ersten Untersuchungen an einer Krebserkrankung im fortgeschrittenen Stadium», sagt Martin Krause, Ärztlicher Leiter des Kantonsspitals.
Kein Asylverfahren durchlaufen
Weiterhin unklar ist, wer die stark abgemagerte 40 bis 55 Jahre alte Frau ist. In ihrer pinkfarbenen Sporttasche fand die Polizei nur Kleider – weder ein Ausweis noch Geld waren dabei. Den Ärzten ist es bislang nicht gelungen, mit ihr zu kommunizieren. Laut Patrick Müller, Untersuchungsrichter am Bezirksamt Kreuzlingen, hat man versucht, in mehreren Sprachen - von Albanisch bis Rumänisch -, sich mit ihr zu verständigen, sei aber gescheitert. Sicher ist einzig, dass die Unbekannte kein Asylverfahren in der Schweiz durchlaufen hat; das habe die Analyse des Fingerabdrucks gezeigt, so Müller.
Um die Identität der Frau zu klären, veröffentlichte das Bezirksamt gestern ein Foto. Darauf sind bei der Kantonspolizei Thurgau etwas mehr als ein Dutzend Hinweise auf ihre Identität eingegangen. «Diese werden nun ausgewertet», sagt Sprecher Daniel Meili. Das Kantonsspital und das Bezirksamt wollten jedoch keine detaillierte Auskunft über den aktuellen Stand der Ermittlungen geben. Heute Nachmittag werden die Untersuchungsbehörden an einer Pressekonferenz informieren.
«Gesundheitstouristin» aus Rumänien?
Im «Blick» sagt Christoph Maeder, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Soziologie: «Die Schwerkranke aus dem Thurgau spricht nicht unsere Sprache. Sie ist sicher keine Schweizerin.» Er vermutet, die Frau könnte eine «Gesundheitstouristin» aus Rumänien sein; dort sei die Armut gross und die Gesundheitsversorgung unzureichend. «Möglicherweise wurde sie in die Schweiz eingeschleust und vor das Spital gelegt.» (cha/ap/sda)
Erstellt: 23.04.2009, 12:27 Uhr
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