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Wer will Madoffs Gefangenen-Rolex?

Aktualisiert am 13.11.2009

Bei einer Versteigerung in New York zugunsten der Opfer des Milliardenbetrügers werden auch 27 Schweizer Uhren angeboten. Die teuerste Uhr hat eine besondere Geschichte.

In einem Hotel in Manhattan kommen an diesem Samstag mehrere hundert Schmuck- und Kleidungsstücke sowie persönliche Besitztümer von Bernard Madoff unter den Hammer. Auch per Internet lässt sich mitsteigern. Die Gegenstände reichen von einer Baseballjacke der New York Mets im Wert von 500 bis 720 Dollar bis zu einer Rolex-Uhr im Wert von 75'000 bis 87'500 Dollar. Die Schätzungen stammen von Gaston & Sheehan Auctioneers, den Veranstaltern der Auktion, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg meldet. Bei der Uhr handelt es sich um eine Rarität: Es ist eine so genannte Gefangenen-Rolex.

Der Name hat allerdings nichts zu tun mit Bernard Madoffs Status als Insasse Nr. 61727-054 der Butner Haftanstalt in North Carolina. Die wertvolle Uhr mit 18 Karat Gold gleicht dem Uhrenmodell, das das Unternehmen Rolex während des Zweiten Weltkriegs den alliierten Kriegsgefangenen zukommen liess. Die Uhren gelangten über das Internationale Rote Kreuz an die Soldaten, die von den Deutschen inhaftiert worden waren. «Es ist unwahrscheinlich, dass Madoffs Rolex tatsächlich einem Gefangenen gehörte», sagt der Uhrenkenner James Dowling, Co-Autor des Buchs «Das Beste der Zeit: Rolex-Armbanduhren.» Den Soldaten seien keine Golduhren abgegeben worden.

Die Leiden der Genfer

Madoffs Uhren-Kollektion, die unter den Hammer kommt, umfasst 17 Rolex, sieben Cartier-Uhren und Uhren von Patek Philippe, Audemars Piguet and Franck Muller. Hergestellt wurden diese Uhren allesamt von Unternehmen, die entweder in oder in der Nähe von Genf angesiedelt sind. Gleichzeitig gehören auch Genfer Finanzinstitute - darunter die Union Bancaire Privée und Benedict Hentsch & Cie. - zu den Geschädigten des Betrügers. Kunden dieser Institute sollen wegen Madoff etwa sieben Milliarden Dollar verloren haben. Den Zorn der Genfer kann die Versteigerung der insgesamt 27 Uhren nicht beseitigen, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg nach Gesprächen mit Geschäftsleuten schreibt. «Das wird gar nichts ändern», sagt ein Bijoutier, «das Geld kommt nicht zurück».

Die geschätzten Auktionserlöse summieren sich auf mindestens eine halbe Million Dollar. Der Erlös fliesst in den Entschädigungstopf für Madoffs Opfer. Das Geld ist aber nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Der Schaden von Madoffs jahrzehntelangem Betrug beträgt bis zu 65 Milliarden Dollar. Der 71-Jährige war vor vier Monaten zur Höchststrafe von 150 Jahren Gefängnis verurteilt worden. (vin)

Erstellt: 13.11.2009, 15:58 Uhr

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